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Ganz auf Spaziergänge mit dem Hund und Umzugspläne nach Berlin zu seiner Freundin Barbara mag sich Berndorf aber nicht beschränken. In einem Dorf auf der Alb ist ein Mord geschehen. Das Opfer ist ein ziemlich nerviger und stets von Geldnöten geplagter Lokaljournalist, der sich nebenbei auch als Sexfotograf versucht hatte. Beschuldigt -- wie soll es auch anders sein -- wird ein Sinti, der sich in der fraglichen Nacht in der Nähe des Tatorts aufhielt. Als Berndorf jedoch (aus rein privatem Interesse, versteht sich) ein wenig nachforscht, stößt er auf Hinweise, die ihn nach Ulm führen. Dort wurde gerade ein neuer Dekan gewählt, dessen selbstbewusste Frau im schwäbischen Kirchenmilieu für Unruhe sorgt. Wie Berndorf bald merkt, haben die hohen Herren um Thron und Altar aber auch sonst die eine oder andere Leiche im Keller.
Ulrich Ritzels Serie um den inzwischen ehemaligen Polizisten Berndorf ist spätestens seit seinem mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichneten Roman Schwemmholz kein Geheimtipp mehr. Ihren Erfolg verdankt sie der mürrischen Hauptfigur und den klug ausgedachten Geschichten, in denen sich Spannung und Tiefgang die Waage halten. Darüber hinaus sind Ritzels Bücher Satz für Satz ein Genuss für Sprachgourmets, gelingt ihm doch die Gratwanderung zwischen literarischer Hochsprache und Anklängen an einheimische Dia- und Soziolekte auf das Schönste. Der deutsche Kriminalroman sei provinziell, wird allenthalben geklagt? Und wenn schon, solange er solche Perlen hervorbringt. --Hannes Riffel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Ritzel weiß, wie man einen Plot strickt (es geht u.a. um Geldschiebereien von Ex-Stasi-Leuten nach der Wende, und die Geschichte ist viel überzeugender als die ähnliche in Selbs Mord von B. Schlink), er kennt die Leute und die Gegend, über die schreibt, ganz genau, denn er war lange Jahre Journalist in Ulm, und schafft es, auch einen Norddeutschen für schwäbische Machenschaften zu interessieren. Vor allem aber kann er erzählen, ohne auf spektakuläre Elemente wie Sex und Gewalt zurückgreifen zu müssen. Der Roman fängt langsam, aber nicht langweilig an, ich habe mich nie, wie z.B. bei manchem schwedischen Autor, gefragt, wieso ich dieses Buch eigentlich lese, und ab S. 250 wird es so spannend, dass ich die restlichen 200 Seiten bis spät in die Nacht an einem Stück gelesen habe.
Außerdem bekommt man - sehr dezent und wirklich reizend - den Beginn einer lesbischen Liebesgeschichte geboten.
Die einzige kleine Mäkelei ist, dass der Gott des Zufalls ein, zwei Mal zu oft bemüht wird.
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