Nach seinen Büchern „Wie ein Vogel im Aquarium", in dem Daniel Goeudevert die Vorstandsetagen eher kritisch betrachtet und damit seine Vergangenheit aufarbeitet, und „Mit Träumen beginnt die Realität", in dem er ein sehr visionäres Bild, seine Vorstellung der Zukunft zeichnet, wendet sich Goeudevert nun dem heiklen Thema der Bildung zu.
Um die ist es seiner Meinung nach in Deutschland schlecht bestellt. Das wissen wir. Nicht umsonst wirbt DIE ZEIT mit dem Slogan „der Kampf gegen die Dummheit hat gerade erst begonnen". Nach der Lektüre von Goeudeverts neuestem Werk wissen wir es nun in weiteren anschaulichen Facetten. Dieses Wissen kann als Ausgangsbasis für weitere Überlegungen und Lösungen dienen. Doch gerade da versagt Goeudevert, den ich doch sonst als sehr kreativen, visionären Schriftsteller kennen und mögen gelernt habe.
Auf 240 Seiten stellt er die Bildungsmisere sehr anschaulich da und gibt auch die ein oder andere Erklärung, die seiner Meinung nach dazu beigetragen hat. Eines jedoch sagt er nicht - und da lügt der Klappentext: Einen Ausweg aus dieser Misere weist er definitiv nicht. Schade eigentlich, denn gerade unsere Generation wäre sicherlich bereit, schlüssige Maßnahmen anzugehen oder selbst Ideen dazu zu entwickeln.
Der Fairness halber, muss ich eingestehen, dass ich direkt nach dem Weglegen des Buches noch anders dachte: Ich war motiviert, meinen Ausweg selbst zu suchen und sah Goeudeverts Buch als gelungenen „Appetizer" dafür an. Das änderte sich jedoch, als ich versuchte, ihn als Redner für eine Veranstaltung an meiner Universität zu gewinnen. Wer - ohne sich das Konzept der Veranstaltung näher anzusehen - 30'000,- DM zzgl. MWSt. für einen Vortrag vor Studenten verlangt, kann es mit dem Wunsch zur Verbesserung der Welt, und sei es nur der Bildungswelt, nicht wirklich ernst meinen.
Vielmehr drängt sich genau der Eindruck auf, den Goeudevert auf den ersten Seiten auszuräumen sucht: Nämlich der, dass er Bücher zur Sicherung seines Einkommens - und eben nicht zur Sicherung unserer gemeinsamen Zukunft schreibt. Schade, wieder einmal um eine Illusion ärmer.