Fiona Shaw ist mit diesem Buch ein Liebesroman der besonderen Art gelungen. Obwohl der Leser schon früh ahnt, was sich im Garten der Ärztin, die auch Bienen züchtet, anbahnt, verliert der Roman bis zum Schluss seine Spannung nicht. Das liegt unter anderem am Stil der Autorin, die wohl sehr naturverbunden ist. Mit wundervollen Vergleichen beschreibt sie die Landschaft und die Menschen im prüden England kurz nach dem zweiten Weltkrieg.
Da hing ein "grauer Himmel tief über der Stadt, als wäre er mit Wäscheklammern an den Hügeln im Westen befestigt". Die Hausärztin Jean "wusste, dass mit jedem Mann und jeder Frau, die sie aufsuchten, ihre Taschen abstellten, den Hut abnahmen, den Mantel auszogen und auf dem braunen, mit Polsternägeln beschlagenen Stuhl im Behandlungszimmer Platz nahmen, ein ganzes Leben, ein menschliches Schicksal, hereinkam." Eines Tages kam der zehnjährige Charlie mit seinem Vater herein und stellte ihre Welt auf den Kopf. Endlich hatte sie jemanden, mit dem sie ihr Hobby, das Imkern, teilen konnte. Währenddessen "tropfte die Trauer (seiner Mutter) in das Kartoffelwasser und auf die Würste." Viel später erlebt der Leser mit, wie Charlie mit seinem geliebten Segelboot seine unbekümmerte Kindheit davon schwimmen lässt...
Auch wenn die Geschichte wenige Seiten vor Ende des Buches eine etwas unglaubwürdige Wendung nimmt, lohnt sich das Lesen durchaus. Unter anderem, weil es dem Leser erlaubt, in längst vergangene Zeiten einzutauchen (heute lebt es sich viel leichter, weil die Menschen viel toleranter sind), ihm Gefühle nahe bringt, über die er sich sonst vielleicht keine Gedanken machen würde und ihn somit auch zum Nachdenken anregt.
Mir fiel es schwer, das Buch aus der Hand zu legen! Dass diese Rezension auf eine falsche Fährte führt, ist übrigens Absicht . . .