Wenn ich mich recht entsinne, war Frau Menasse Prozeßbeobachterin für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Da ich mich für den Irving-Prozeß sehr interessierte, habe ich nicht nur die Beiträge in den deutschen Medien, einschließlich der FAZ, verfolgt, sondern auch den Wortlaut der "Opening Statements" sowie der Gerichtsverhandlungen. Schon während des Prozesses fiel mir auf, daß Frau Menasses Berichterstattung sehr wenig mit dem eigentlichen Geschehen vor Gericht zu tun hatte. Ihr Buch folgt diesem Trend: Die Argumente des Klägers (David Irving) werden entweder unvollständig, oder aber tendenziös wiedergegeben, denn nach Frau Menasses Lesart ist anscheinend jemand, der beschuldigt wird, ein "Holocaust-Leugner" zu sein, immer schuldig. Das pikante an dem Irving-Prozeß ist aber gerade, daß Irving die Autorin Deborah Lipstadt deren Verlag Penguin Books verklagte, gerade weil er sich zu unrecht als ein HC-Leugner verleumdet fühlte und Schadensersatz forderte. Daß Irving der den Prozeß in der ersten Instanz verloren hat, bedeutet nicht, daß er nun ein HC-Leugner und Hitler-Apologet ist, sondern lediglich, daß er keinen Schadensersatz von den Beklagten erhält. Es ist an der Zeit, diese Thematik unvoreingenommen, sachlich und ohne die Scheuklappen einer vermeintlichen Offenkundigkeit zu betrachten. Eva Menasses Buch leistet hierzu keinen Beitrag.