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Wie in Stokers Roman entfaltet sich auch in Der Historiker die Erzählung in Briefen, Archivmaterial und anderen Dokumenten. Die namenlos bleibende Erzählerin findet in der Bibliothek ihres Vaters, des Historikers Paul, ein uraltes Buch und eine Reihe rätselhafter Briefe. Als sie ihren Vater darauf anspricht, erzählt dieser ihr eine ebenso unglaubliche wie schreckliche Geschichte. Die Briefe stammen von seinem ehemaligen Mentor Professor Rossi, der vor etwa zwanzig Jahren Nachforschungen über den berüchtigten rumänischen Fürsten Vlad der Pfähler angestellt hat -- jener historischen Figur, die als Vorbild für Dracula diente.
Rossi hatte damals eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Vieles wies darauf hin, dass Vlad noch immer am Leben sein könnte. Bei dem Versuch, Vlads wahres Grab zu finden, verschwand der Professor jedoch spurlos. Gemeinsam mit Rossis Tochter Helen begab sich Paul auf die Suche nach seinem Mentor und nahm damit zugleich dessen Vermächtnis auf: Licht in die Legende um den grausamen Fürsten zu bringen. Weitere zwanzig Jahre später scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Als ihr Vater Paul auf mysteriöse Weise verschwindet, begibt sich nunmehr die Erzählerin auf die Suche nach ihm und nach der Wahrheit hinter dem Mythos Dracula.
Der Roman wechselt zwischen drei Zeitebenen, den 30er, 50er und 70er Jahren, in denen die Suche nach Dracula stets wie ein Leitmotiv die Handlung bestimmt. Mit beachtlichem erzählerischem Geschick gelingt es Elizabeth Kostova, die einzelnen Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen. Dabei geht es ihr keineswegs darum, einen nervenaufreibenden Thriller oder Horrorroman zu schreiben. Auf bluttriefende Szenen wartet man hier vergebens. Vielmehr entsteht die subtile Spannung dieses Romans aus den historischen Enthüllungen, die Kostova mit großem Rechercheaufwand untermauert. -- Eine der originellsten und poetischsten Neuschöpfungen des Dracula-Mythos der letzten Jahre! --Sara Schade -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Zu Beginn des Romans lernen wir die 16-jährige namenlos bleibende Erzählerin kennen, die in der Bibliothek ihres Vaters, des Diplomaten und Historikers Paul, ein uraltes Buch findet, dessen Seiten bis auf die Abbildung eines Drachens mit dem Schriftzug Drakulya leer sind. Abgesehen von diesem Buch findet das Mädchen eine Reihe rätselhafter Briefe. Als sie ihren Vater auf ihren Fund anspricht, erzählt dieser nach einigem Zögern, die unglaubliche und schreckliche Geschichte, wie er und Jahre zuvor sein Mentor Professor Rossi Nachforschungen über den berühmten und berüchtigten rumänischen Fürsten Vlad Tepes, den Pfähler, dem historischen Vorbild für Dracula, angestellt haben. Rossi war bei seinen Recherchen auf das Mysterium der letzten Ruhestätte und der sterblichen Überreste von Vlad Tepes gestoßen. Als Rossi bei dem Versuch, dieses Mysterium zu klären, verschwand, begab sich Paul mit Rossis Tochter Helen auf die Suche nach seinem Mentor, indem er dessen Recherchen fortführte. Zwanzig Jahre später wiederholt sich die Geschichte. Paul verschwindet auf mysteriöse Weise, woraufhin sich seine Tochter, die Erzählerin, auf die Suche nach ihm und damit auch nach der Wahrheit hinter dem Mythos Dracula begibt.
Elizabeth Kostova verknüpft in ihrem Schauerroman historische Fakten und Fiktion mit einer Prise Phantastik. Die drei Zeitebenen der Handlung, die 30er, 50er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, sind kunstvoll miteinander verwoben, allerdings nicht immer explizit kenntlich gemacht, wodurch eine hohe Aufmerksamkeit des Lesers gefordert wird. Legende und Mythos von Dracula entfalten sich durch Briefe, Archivmaterial und andere Dokumente, die uns Einblick in 500 Jahre südosteuropäischer Geschichte verschaffen. Auf der Suche nach Dracula führt uns die Autorin zu zahllosen Schauplätzen zwischen Südfrankreich und Rumänien, die sie sehr liebevoll beschreibt.
Die Suche nach Dracula ist zwar Leitmotiv für die Handlung des Romans, das eigentlich bewegende Motiv ist aber die Suche eines Mädchens nach ihrer Herkunft, ihrer Familiengeschichte und damit auch zu den Hintergründen ihrer Beziehung zum Vater. Sehr schön fand ich dabei auch die Überlegungen der Autorin zu Geschichte und ihrer Bedeutung für den Menschen. Den Charakteren des Romans ist es gemeinsam, von einer akademischen Wissbegierde getrieben zu sein und ein unstillbares Interesse an Geschichte und menschlicher Kultur zu haben.
Elizabeth Kostova schafft in ihrem Roman eindeutige Beziehungen zu Bram Stokers Dracula, es gelingt ihr aber, sich über die historische Figur Vlad Tepes deutlich von der romantisierten Darstellung des Dracula nach Stoker zu distanzieren. „Der Historiker" ist weder ein Horrorroman noch ein nervenzerreißender Thriller sondern ein sehr gut erzählter klassischer Schauerroman mit subtilem Spannungsaufbau, der atmospärisch dicht ist und eher zu sanftem Grusel führt. Leider wird der Roman, wie ich mittlerweile feststellen musste, als Thriller vermarktet und in die Nähe von Dan Brown gerückt, womit m. E. bei den Lesern vollkommen falsche Erwartungen erzeugt werden. Wer Vampirromane à la Anne Rice liebt, wird enttäuscht sein; wer Spannung à la Dan Brown in schlichter Erzählweise favorisiert, wird mit „Der Historiker" wohl auch nicht glücklich sein.
„Der Historiker" ist sowohl in seinen Reisebeschreibungen als auch historischen Elementen äußerst detailverliebt erzählt, was hervorragend zur akribischen Arbeit der Protagonisten passt. Hervorstechend ist die elegante, flüssige Sprache der Autorin, deren Stil nicht nur wegen der Liebe zum Detail sondern auch in der sprachlichen Gestaltung ein wenig an Charles Dickens erinnert. Positiv hervorzuheben ist hier auch die Leistung des Übersetzers Werner Löcher-Lawrence.
Trotz einiger logischer Fehlerchen und Ungereimtheiten, trotz einer etwas schnell erzählten Pointe, habe ich diesen Roman sehr genossen und habe den Buchdeckel nach 832 Seiten mit großem Bedauern geschlossen, weil der Roman „schon" zu Ende war. Das Finale des Romans mag etwas fragwürdig sein, es stellte mich aber mehr zufrieden als manch anderes denkbare Ende. Ausnahmsweise fand ich es sogar angenehm keine Abgrenzung zwischen historischen Fakten und Fiktion geliefert zu bekommen, sondern habe es genossen, dies im Dunkeln bleiben zu lassen.
Mein Fazit: „Der Historiker" ist ein wunderbarer, langsamer und origineller Schauerroman in eleganter Sprache wie geschaffen für neblige Herbst- und Winterabende.
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