Spaß und Unterhaltung gibt es auf unserem Buchmarkt mehr als genug, Fach- und Sachbücher wohl auch. Was so ziemlich fehlt ist Literatur, die beides verbindet: der Wissenschaftsroman. Wohlgemerkt, nicht Science Fiction meine ich, sondern die Wissenschaft von heute, und die mit einem möglichst interessanten romanhaften Drumherum. Nur eben dürfen in einem solchen Falle die Sachverhalte nicht einfach ersponnen, nein, sie sollten authentisch sein. Doch Wissenschaftler selbst sind wahrscheinlich nur selten in der Lage, einen Roman zu schreiben. Wolf als Hirnforscher und Uniprofessor kann beides. Es ist ein Genuss, sich von ihm den Universitätsbetrieb mit all den großen und kleinen Geistern zeigen lassen und gleichzeitig in eines der heute spannendsten Gebiete eingeführt zu werden: der Schnittstelle von Religion und Hirnforschung, der von Gott und der Welt und dem Guten und dem Bösen in der Religion. Ich kann mir jetzt auch denken, warum ich ein Talent zum mystischen Erleben habe, und anderen der Zugang vielleicht auf immer verwehrt ist. Schade nur, dass ich jetzt erst von dem HirnGott erfahren habe, und andere werden es leider nie. Die Großmogule des Literaturbetriebes beherrschen den Markt und haben die kleinen Verlage mittels Rabatt-, Vertreter- und Rezensionspolitik längst von den Büchertischen verdrängt. Fast nur noch globusweite Verkaufsrenner landen dort, Wolfs HirnGott jedenfalls findet man gerade mal in den Katalogen. Und auch dafür braucht man erst einen Tipp.
Renate Schmidt, Münster