Das Buch ist historisch strukturiert. Der Autor hat es sich zur Aufgabe gemacht, die vielen Aspekte des Hinduismus auf seine Entstehungsgeschichte zurückzuführen. Auf diese Weise wird sehr gut verständlich, wie der Hinduismus zu seinen zahlreichen Facetten kam. Leider verzichtet der Autor jedoch darauf zu erklären, wie sich diese einzelnen Facetten und Abstraktionsstufen, die aus verschiedenen historischen Entwicklungen und Einflüssen herrühren und die oft miteinander nicht vereinbar erscheinen, zu einer Religion zusammenschließen und nicht etwa in viele einzelne zerfallen. Für den deutschen Leser, der in der Kultur einer monotheistischen Religion mit festen Dogmen sozialisiert ist - und für einen solchen ist das Buch ja wohl geschrieben - besteht das Rätsel eben doch darin, wie Animismus, Polytheismus und Monismus in einer Religion zusammenzufassen sind. Der rigvedische Spruch "Wahrheit ist eines, die Gelehrten benennen es verschieden" erklärt dieses Phänomen nicht vollständig. Denn dies kann eben auch in völlige Beliebigkeit der Verehrungsform münden und feste Gebetsriten wie das Dämmerungsgebet in Frage stellen.
Ich will den Wert dieses kleinen, feinen Buches damit jedoch nicht in Frage stellen. Es ist gerade durch seine historische Struktur für einen ersten Überlick sehr nützlich. Für seinen geringen Umfang bietet es eine erstaunliche Fülle an Informationen, und bleibt dabei stets gut verständlich.