'Der Himmel über Maralal' ist ein zu schwülstiger Titel für dieses zweite Buch der offenbar alterslosen deutschen Witwe Christina Hachfeld, die nach dem Tod ihres Mannes nach Kenia reist, sich dort Hals über Kopf in einen Samburu-Krieger verliebt, ihn heiratet und sich ab da den Namenszusatz 'Tapukai' gönnt. Alles das hat sie bereits in ihrem ersten Buch beschrieben. Wie es ihr weiter erging, beschreibt diese Fortsetzung. Dabei hat die Autorin, sich selbst wie eine alte Indianeroma mit langen hellen Haaren ablichtend, aus dem ersten, oft kritisierten Band gelernt. Nun übersetzt sie die eitel wirkenden häufigen Belege ihrer Sprachkenntnisse wenigstens.
So kritisch nahm der Rezensent das Buch in die Hand ' und war überrascht. Der Text hebt sich wohltuend ab von dem Erotikabenteuer, das zum Bespiel in der 'Weißen Massai' genüsslich ausgebreitet wird. Vollkommen glaubwürdig beschreibt die Verfasserin ihre Liebe zu dem Samburukrieger, kritisch geht sie mit EuropäerInnen ins Gericht, die sich ' vielleicht angefeuert durch die Sexabenteuer der 'Weißen Massai' in Kenia einen jungen Schwarzen angeln.
'Der Himmel über Maralal' ist ein wichtiges, gut zu lesendes Buch, weil dem deutschen Leser eine kleine Gesellschaft in Kenia anschaulich und einfühlsam geschildert wird. Schade ist, dass Frau Hachfeld-Tapukai immer wieder zurückfällt in deutsche und europäische Klischees, dabei unzulässige Verallgemeinerungen verbreitet und damit Vorurteile bestärkt. Warum verwendet sie nur rassistische Begriffe wie 'Stamm' und andere? Vermutlich weiß sie es nicht besser.
Die Plattheiten über den gesamten afrikanischen Kontinent hätte sie sich lieber sparen sollen. 'Niemand besitzt eine Uhr..' schreibt sie und folgert falsch: 'Wozu wäre sie von Nutzen?' Wer Afrika bereist hat, weiß, dass es der größte Wunsch der meisten Menschen dort ist, eine Uhr zu besitzen. 'Afrikaner waren die geborenen Überlebenskünstler' ist ein weiteres Negativbeispiel, oder: 'Afrikaner besitzen eine tiefe, kindliche Glaubensfähigkeit'' Hier enttarnt die Autorin sich leider selbst. Auch die Nachfahren der alten deutschen Kolonisten, meist Farmer in Namibia, behandeln ihre Mitarbeiter immer noch wie unmündige Kinder. Ihrer grundsätzlichen eurozentristichen Einstellung folgerichtig bemuttert sie ihren Ehemann wie ein Kind: ''aber für sein Selbstbewusstsein fand ich es wichtig, dass er mich begleitete'. Je mehr man sich dem Ende des Buches nähert, desto mehr solcher Vorurteile schürenden Dummheiten gibt die Autorin von sich: 'Die Seele eines Afrikaners.. war genügsam.. und nicht darauf ausgerichtet, berufliche Hürdensprünge zu machen.' Das gipfelt in der unfassbar arroganten falschen Behauptung: 'Afrikaner mögen es eher 'plüschig''' Durch diese Verallgemeinerung gibt Hachfeld-Tapukai endgültig zu erkennen, wie wenig sie von den tausenden verschiedenen afrikanischen Gesellschaften kennt und versteht. Sie glaubt wahrscheinlich selbst daran, dass sie Afrika kennte, nur weil sie mit einem jungen Samburukrieger ein paar Jahre zusammenlebt. Schade, sehr schade; denn abgesehen von diesen Plattheiten liest sich das Buch gut.