'Der Hexer und die Henkerstochter' ist schon der vierte Teil der 'Henkerstochter'-Serie. Die drei Vorgänger habe ich leider nicht gelesen, doch ich bin trotzdem sehr gut in die Geschichte reingekommen. Vorkenntnisse sind also nicht nötig. Alles wichtige wird erklärt, ohne zu viel aus den ersten drei Teilen zu verraten. So bleibt die Spannung für Neuleser wie mich erhalten, und wenn ich später die anderen Bücher lese, brauche ich keine Angst haben, dass es langweilig wird. Und dass ich die lesen werde, war für mich schon nach wenigen Seiten klar.
Um sich besser in die Handlung einzufinden, gibt es vorne im Buch einen gezeichneten Plan vom Kloster Andechs, eine Umgebungskarte und ein Personenverzeichnis. Außerdem werden am Ende im 'Andechser Klosteralmanach' wichtige Begriffe erklärt.
Bald hatte ich auch eine Lieblingsfigur, und zwar den Schongauer Scharfrichter Jakob Kuisl. Er ist genau so eine Figur, wie ich sie am liebsten mag: Nach außen hin ist er riesig und stark, enorm stur, mürrisch und eigenbrötlerisch. Aber schnell wird klar, dass er ein gutes Herz hat und für seine Liebsten durchs Feuer gehen würde. Außerdem ist er sehr belesen und reich an Lebenserfahrung, wodurch er fast immer weiß, was zu tun ist und sogar seinen studierten Schwiegersohn dumm aussehen lässt.
Gegen Jakob Kuisl wirken sowohl Magdalena als auch Simon irgendwie blass. Magdalena ist zwar unverkennbar Kuisls Tochter und hat mir zunächst auch gut gefallen, da sie ziemlich neugierig und abenteuerlustig und genauso stur wie ihr Vater ist. Allerdings wirkt sie auch naiv und ist oft zickig, wodurch sie mich zeitweise einfach nur genervt hat. Ihr Mann Simon, der Schongauer Bader, wird oft von seinem Schwiegervater in den Schatten gestellt, sowohl körperlich als auch geistig. Denn obwohl Simon studiert hat, weiß Jakob einfach mehr und trägt den Hauptteil zur Aufklärung des Falls bei.
Lange Zeit war mir nicht klar, wer der Hexer ist. Verdächtige gibt es genug, und immer wenn ich dachte, dass ich ihn erraten habe, kam eine Wendung und alles deutete in eine andere Richtung. Andererseits ist die Handlung ziemlich vorhersehbar und die Lösung am Schluss zwar spannend geschrieben, aber dann doch keine wirkliche Überraschung mehr. Leider konnte ich auch manches nicht nachvollziehen, und am Ende blieben einige Fragen offen, die ich gern wenigstens andeutungsweise beantwortet gehabt hätte.
In der Geschichte wird fast ständig geflucht, egal ob Mönche, Grafen, Henker oder Pilger. Außerdem gibt es ein paar Mysteryelemente, die zwar eigentlich keine sind, aber im ersten Moment so scheinen. Beides ist mir in diesem Maße noch nie in einem historischen Roman aufgefallen. Doch es lockert die Handlung auf und gefällt mir daher gut.
Auch die Rückblicke und Erinnerungen sind toll geschrieben. Durch sie wird die Vergangenheit wirklicher, als wenn einfach nur jemand seine Erlebnisse einem anderen erzählt.
Insgesamt hat mir dass Buch gut gefallen. Es ist eine spannende Geschichte mit interessanten Charakteren, detailliert beschriebenen Orten und einer wahrlich mittelalterlichen Atmosphäre.