Es ist immer schön, wenn sich ein Autor einem speziellen Thema in Sachen Film widmet, noch dazu mit Hingabe und Akribie, aber was Christos Tses hier angerichtet hat, spottet jeder Beschreibung.
Schicken wir die guten Seiten des Buchs vorneweg: zum einen hat er mit den meisten noch lebenden Zeitzeugen der zwischen 1959 und 1972 entstandenen über 30 Edgar-Wallace-Filme gesprochen und so manche interessante und amüsante Anekdote zu Tage gefördert, dafür Respekt. Noch schöner die reichlich in diesem Großband abgedruckten Fotos, die meilenweit von den sonst üblichen Aushangfotosätzen entfernt sind, stattdessen funkeln hier Privatschnappschüsse und getürkte Spaßaufnahmen wie die Juwelen am Firnament.
Damit hat es sich dann aber leider schon, denn wenn man sich dem Text zuwendet, gerät das Buch gar grauenvoll.
Da wäre einmal die Wahl von Schriftarten, die Aufteilung und das Layout - ohne Pfiff und sorgfältige Sortierung werden hier Produktion an Produktion geklatscht, so daß man bisweilen einfach eine Zeile weiterliest und überrascht ist, die Titelzeile des nächsten Films bereits erreicht zu haben. Die Mischung aus normalen Texten und kursiven Zitateinschüben wirkt beliebig, die Stabangaben sind unglaublich kurz und lückenhaft, die Inhaltsangaben amateurhaft kurz (hier hätte man ohne weiteres den ganzen Inhalt zusammenfassen können).
Die Besprechungen des Films konzentrieren sich auf einige (leidlich interessante) Daten zur Herstellung, die aber ebenso beliebig wirken, als hätte man einfach alles, was man zu dem Film noch ausgegraben hätte, einfach hintereinander geklatscht. Dann noch ein paar Anekdötchen und jeweils 3-5 zeitgenössische Pressestimmen und fertig ist das Gartenhäuschen. Natürlich kann ein Autor nicht alles abdecken, aber so willkürlich wie das hier wirkt, kommt das schon wie ein Fan-Amateur-Projekt rüber.
Am schlimmsten ist aber das andauernde verbale Einschlagen auf die lästige Konkurrenz: selten hat sich ein Autor so kleinkindhaft dazu herabgelassen, über ein zuvor erschienenes Werk herzuziehen; ein Wunder, das es nicht genannt wird (ich nehme an, es handelt sich um Joachim Kramps Buch). Tses wird nicht müde zu betonen, wie schlecht und ehrlos in dem anderen Werk mit der Reihe umgegangen wurde, als müsse er dieses Werk als Ersatz für ein nicht mehr auszutragendes Duell schreiben. Das wird zunehmend peinlich und anbiedernd und macht die gute Sucharbeit von Tses' Werk leider fast komplett zunichte.
Insgesamt kann ich nach der mühsamen und nicht angenehmen Lektüre da nicht mehr Punkte vergeben als das absolute Minimum - wer gern seltene Fotos sammelt, soll zugreifen, der Rest erspare sich das Grauen lieber.