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Das Hexenmal: Roman gelang es Deana Zinßmeister vor gut zwei Jahren, einen unterhaltsamen und fesselnden historischen Roman zu platzieren, der sich mittlerweile zum Longseller entwickelt hat. In "Der Hexenturm" erzählt die Autorin nun die Geschichte ihrer Protagonisten weiter...
Johann und Franziska, Clemens, Katharina und Burghard sind weiterhin auf der Flucht und bleiben nie länger als eine Nacht am selben Ort. Obwohl sie nach monatelangem Wandern erschöpft sind, treibt sie die Angst vor ihren Verfolgern immer weiter. Wie klug es ist, dass die fünf Freunde weiterhin auf der Hut sind, wird dem Leser schnell klar. Sie finden zwar vorerst Zuflucht und Arbeit auf dem Gestüt des Pferdehändlers Rehmringer, doch freut sich dort nicht jeder über ihre Ankunft. Auch der Magier Barnabas und sein wenig geliebter Begleiter Servatius sind noch immer auf Wanderschaft und kommen den jungen Leuten manchmal näher als sie alle es ahnen. Mit den beiden Männern wandert später ein seltsames Mädchen, eine Kinder-Hexe, wie sich die Leute zuflüstern. Welche Fähigkeiten das Kind hat und was es im Schilde führt, wird jedoch erst nach und nach aufgedeckt. Und noch ein alter und vor allem gefährlicher Bekannter hat erneut die Verfolgung aufgenommen, mit dem Ziel, dieses Mal auf keinen Fall zu scheitern...
Ehe man sich versieht, ist man wieder zum Reise- und Wegbegleiter der fünf Eichsfelder geworden und kann auf der im Buch integrierten Karte des Saarlands um 1618 den gemeinsamen Weg verfolgen. Schon nach den ersten fünfzig Seiten ist man mittendrin im Geschehen und fiebert richtig mit. Alle Personen kommen einem schnell nah, die Erinnerung an sie wird durch geschickt platzierte Informationen aufgefrischt. Die Autorin hat die bisherige Geschichte ihrer Hauptfiguren informativ, doch angenehm kurz und knapp eingebaut. Freund und Feind sind bereits klar erkennbar, zumindest auf den ersten Blick. Eine perfekte Zusammenfassung sowohl für die Leser des "Hexenmals" als auch für Neueinsteiger.
Es ist spannend mitzuerleben, wie jeder der fünf jungen Menschen und auch ihre Gegner sich entwickeln. Es gibt überraschende Veränderungen zu beobachten, die sogar die Freundschaft der Gruppe zu zerstören drohen. Deana Zinßmeister scheut sich nicht, den offenkundig "Guten" auch einmal hässliche Gedanken und Handlungen zuzugestehen oder sie ihre Meinung ändern zu lassen, sodass ihre Charaktere beständig an Tiefe gewinnen.
Wie schon im Vorgänger arbeitet die Autorin auch hier mit verschiedenen Handlungssträngen. Da die einzelnen Passagen recht kurz sind, kann man sich alles gut einprägen und verliert nie den Überblick. Erzählstil und Sprache sind wie gewohnt angenehm locker und flüssig. Einfach authentisch, nicht zu gestelzt und altmodisch, aber trotzdem passend zur damaligen Zeit. Der beständige Wechsel zwischen den Perspektiven macht die Geschichte lebendig, reißt den Leser mit. Geschickt gelingt es Deana Zinßmeister schließlich, die einzelnen Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen, sodass sie in einem spannenden Finale zusammentreffen.
Besonders die unterschiedlichen Persönlichkeiten machen hier den Reiz aus, man lernt die Menschen und das Leben aus ganz unterschiedlichen Gesellschaftsschichten der damaligen Zeit kennen und erfährt so auch einiges über den Alltag im 17. Jahrhundert. Statt sich eines "großen" historischen Themas zu widmen, setzt Deana Zinßmeister wieder auf kleine, spannende Details und ihre vielschichtigen Charaktere. Man merkt, wie viel Wert die Autorin auf gute Recherche legt, und so hat sie es wieder geschafft, Geschichte lebendig werden zu lassen.
Sich von Deana Zinßmeister in die Vergangenheit vor knapp 400 Jahren entführen zu lassen, beschert einem nicht nur kurzweilige, unterhaltsame Lesestunden sondern auch einen direkten Blick auf das oft schwierige Dasein unserer Vorfahren zu Zeiten der Hexenverfolgung.
Zufrieden schlägt man am Ende das Buch zu, nicht ohne noch eine gewisse Zeit gedanklich bei ihren einnehmenden Protagonisten zu verweilen.