Ich habe diesen Roman von Manfred Böckl bei einem Kurzurlaub im Bayerischen Wald entdeckt: im kleinen Hexenmuseum, das im Hotel Gross in Ringelai (bei Freyung) vor ungefähr 10 Jahren anlässlich des Erscheinens des Buches "Der Hexenstein" eingerichtet wurde. Zuerst besuchte ich das Hexenmuseum mit seinen original Prozessurkunden und den Folterinstrumenten, und dann kaufte ich mir auch das Buch - und verschlang es mit immer noch wachsender Faszination.
Der Roman geht einem wirklich voll unter die Haut, denn er ist:
1) Nicht erfunden, sondern beruht auf den Protokollen der Hexenverfolgung von Ringelai/Fürsteneck, die 1703, also vor kaum mehr als 300 Jahren, stattfand.
2) Hat Manfred Böckl mit diesem Buch wieder einmal ein sprachliches und erzählerisches Meisterwerk hingelegt. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, einen Film vor meinen Augen ablaufen zu sehen, so bildhaft sind die Szenen des Romans.
3) Nimmt der Autor, was die katholische Kirche angeht, kein Blatt vor den Mund. Manfred Böckl ist keiner, der vor der christlichen Kirche kuscht, sondern er prangert ihre historischen Verbrechen mutig an und nennt die Dinge knallhart beim Namen. Auch die politischen und theologischen Gründe für die Hexenverfolgung.
4) Kennt sich Manfred Böckl, wie er in diesem Roman zeigt, offenbar sehr gut mit den sogenannten Hexen und ihren geheimnisvollen Praktiken aus. Denn er beschreibt Hexenrituale so, wie das nur ein Eingeweihter kann.
Alles in allem ein Buch, das ich heiß empfehlen möchte. Ebenso wie Böckls anderen Roman über eine historische Hexenverfolgung: "Die Hexe soll brennen".
Und ich empfehle den "Hexenstein" noch aus einem weiteren Grund. Mit Hilfe der genauen Ortsangaben im Roman kann man nämlich noch heute verschiedene Schauplätze (wie zum Beispiel den Hinrichtungsort der verfolgten Frauen, das ehemalige Bischofsschloss Fürsteneck bei Perlesreut) aufsuchen.