In '"Der Herr der Unruhe" geht es um Nico, den Sohn eines Uhrmachermeisters aus Italien. Er muss mit ansehen, wie Don Massimilliano Manzini, der ein mächtiger Mann in seiner kleinen Heimatstadt Nettuno ist, seinen Vater umbringt.
Damit beginnt für den jüdischen Uhrmacherssohn der Auftakt zu einer langen Reise durch Italien, Österreich und die Schweiz. Nico erlernt in Österreich das Handwerk seines Vaters und ebenso die deutsche Sprache. Immerzu muss er dabei aber seine wahre Identität und vor allem seinen Glauben verleugnen.
Eines Tages kehrt er zurück in seine Heimatstadt, wo er nicht nur den Mörder seines Vaters, sondern auch dessen Tochter wieder sieht, in die er sich (wie sollte es anders sein?! ;)) unsterblich verliebt.
Nico muss sich nun entscheiden: Will er Rache üben für den Tod seines Vaters, oder will er die schöne Tochter seines Erzfeindes erobern?
Wie es scheint, befindet sich der junge Mann in einer ausweglosen Situation, doch seine geheime Fähigkeit mit technischen Geräten zu sprechen, verhilft ihm nicht nur ein Mal dazu, alles zum Guten zu wenden.
Verwoben ist diese, an sich schon komplizierte, Geschichte mit dem Hintergrund des 2. Weltkrieges.
Dem Leser werden Fakten des Faschismus` und die Auswirkungen des Nationalsozialismus` auf Italien- insbesondere auf die kleine Stadt Nettuno- beschrieben.
In gekonnter Manier schafft Ralf Isau den Spagat zwischen Fantasie und Wirklichkeit, so dass der Leser sich gegen Ende fragt, was nun Wirklichkeit und was hinzugedichtet sein mag.
Auch Isaus Schreibstil ähnelt sehr dem, seiner anderen Bücher. Wie immer kann man sich darauf verlassen, das eine oder andere bisher noch unbekannte Wort neu hinzuzulernen und viele Informationen über verschiedenste Wissensgebiete zu erfahren.
An manchen Stellen wird das Buch aber leider unübersichtlich, ob der vielen Personen, denen der Doctor Mechanicae, wie Nico von den Dorfbewohnern liebevoll genannt wird, begegnet.
Auch die fantastische Geschichte um den Herrn der leblosen Dinge wird so manches Mal ins beinahe unmöglich fantastische gezogen.
Wenn ein Mensch beispielsweise mit technischen Dingen kommunizieren kann und diese seinem Willen gehorchen, sei das einleuchtend; doch wenn er seine Begabung plötzlich auch auf Betonwände ausdehnen kann, die unter seinem Willen zerbersten, dann ist das für meinen Geschmack schon etwas an den Haaren herbeigezogen.
Was mir insgesamt an dem Roman gefehlt hat, war die Wärme der Protagonisten.
Jeder hat seinen Teil erfüllt, so wie ein Teil im Uhrwerk seine Arbeit tut, um die Zeit zu messen. Alle Protagonisten erfüllen ihre Pflicht, bleiben aber dennoch irgendwie blass und undurchschaubar.
Das ist mir allerdings schon häufiger bei Isaus Büchern aufgefallen und dürfte die, die seine vorherigen Bücher mochten, nicht weiter stören.
Insgesamt gesehen ist das Buch leicht und schnell zu lesen, interessant, manchmal etwas langatmig und an mancher Stelle unverständlich, aber dann doch wieder so spannend, dass man es bis zum Ende durchlesen muss.
Es ist ein Buch, das Fantasie und Realität zu verbinden sucht. Wer sich darauf einlässt, dem wird es sicherlich gefallen.