Ich hätte für diese Edition gerne 20 Sterne gegeben!
Diese 43 Minuten längeren Filmversion des zweiten Teils nimmt zwei ganze DVDs in Anspruch, während auf Disc 3 und 4 unzählige Dokus und Making-Ofs gepackt wurden, in denen dem neugierigen Zuschauer ein absolut exklusiver Blick hinter die Kulissen gewährt wird. Die Geschichte der Produktion, von den ersten Entwürfen bis zu den Nachdrehs wird eingehend erläutert, Spezialeffekte verständlich erklärt und die Filmemacher verraten einige amüsante Anekdoten vom Set.
Das wichtigste an dieser Version sind aber die zusätzlichen Szenen, die nahtlos an den ursprünglichen Film angefügt wurden. Ganz in der Tradition des ersten Teils erfährt auch der zweite Film durch das zusätzliche Material eine enorme Veredelung (sogar noch besser als beim ersten Teil). Diese zusätzlichen Ausschnitte rücken den Film wieder näher an den Roman und beleuchten Ereignisse und Charakterzüge, für die in der ursprünglichen und viel zu kürzen 3-Stunden-Version keine Zeit war. Bereits zu Anfang der langen Version, in den kantigen Felsen der Emyn Muil, sehen sich die beiden Hobbits Frodo und Sam einem gewaltigen Felsen gegenüber, den sie nur unter großen Anstrengungen mit Sams Elbenseil aus Lothlórien überwinden können. Unglücklicherweise müssen sie das Seil allerdings zurücklassen und geben Gollum so die Möglichkeit ihnen zu folgen. Den beiden Hobbits wird viel mehr Zeit für ihre Gespräche eingeräumt und Sam wird sich von einer noch sympathischeren Seite zeigen, wenn er stets die Hoffnung hat, seinem Herrn doch noch irgendwann ein Festmahl servieren zu können. Peter Jackson räumt auch dem gespaltenen Gollum einen viel besseren Einstieg ein. Zur gleichen Zeit ganz woanders in Mittelerde stoßen die Mordor-Orks unter der Führung von Grischnákh auf die Uruk-hai unter Uglúk. Im Streit der beiden Orks-Gruppen steht das Leben der gefangenen Hobbits Merry und Pippin immer wieder auf Messers Schneide. Und der Zuschauer erfährt, warum die beiden entführt wurden und warum sie zum Orthanc gebracht werden sollen. Saruman wiederum baut eine Armee in Isengart auf, und lässt zu diesem Zweck den Fluss Isen stauen und den Rand des Fangorn-Waldes roden. Wichtige Szenen, die in der ursprünglichen Kinofassung kaum Erwähnung finden und die Zusammenhänge verdeutlichen. In einer grandiosen Szene zeigt Peter Jackson den Fans, was nach dem Scharmützel zwischen Orks und Rohirrim am Isen geschah und zeigt wie Éomer den schwer verwundeten Théodred findet und nach Edoras bringt.
Ganz besonders erfreulich für Tolkien-Fans sind ebenfalls die vielen neuen Minuten im Fangorn-Wald. Baumbart der Ent gibt in der Extended Edition nicht nur seines Gesangeskunst zum Besten, sondern berichtet Merry und Pippin auch von den verschollenen Entfrauen. Auch die Enttrunk-Szene fehlt nicht! Im Fangorn gönnt Peter Jackson den Fans auch eine ganz besondere Reminiszenz an den guten alten Tom Bombadil, einer Person die zum Leidwesen vieler Tolkien-Jünger aus der Handlung herausgeschnitten wurde. An dieser Stelle soll aber noch nicht mehr darüber verraten werde. In einer berührenden neuen Szene wird Königssohn Théodred unter den Augen der trauernden Bewohner von Edoras zu Grabe getragen werden. Seine Cousine Éowyn wird ein herzbewegendes Trauerlied singen. In Edoras wird sich Aragorn dann nicht nur mit Théodreds Pferd Brego anfreunden, sondern auch mit einer von Éowyn hausgemachten Suppe. Letzteres wird ihm allerdings etwas schwerer fallen. Einige verdutzte Zuschauer werden in der Extended Edition erfahren, dass Aragorn 87 Jahre alt ist. Auch die Vergangenheit von Éowyn wird näher beleuchtet. Eine allzu nötige Ehrenrettung wird Heermeister Faramir erfahren, dessen Motive in der Extended Edition aufgedeckt werden. Als Faramir das Horn seines Bruders findet, wird er sich in einem aufwendigen "Flashback" die Zeiten an der Seite seines Bruders Boromir in Osgiliath erinnern. Er wird sich ins Gedächtnis rufen, wie sie beide gemeinsam feierten, wie Boromir stets von seinem Vater gelobt wurde, er aber immer verschmäht. Noch tragischer wird sich der Rückblick entwickeln, wenn der Zuschauer erfährt, dass eigentlich Faramir nach Bruchtal reiten wollte, um sich der Gemeinschaft anzuschließen, sein Vater dies aber verhinderte und Boromir schickte. Dies ist überdies ein wichtiges Handlungselement für den dritten Teil „Die Rückkehr des Königs", in dem Boromirs Vater Denethors sich die Schuld für den Tod seines Sohnes geben wird.
Und das war noch lange nicht alles! Es gibt unzählige weitere neue Szenen!!!
Mit dieser Extended Edition wird es genau wie mit der ersten sein. Sie wird den Film nicht ergänzen, sondern ersetzen. Und diesmal ist die längere Filmfassung noch besser, als beim ersten Mal. Hinter diesem Konzept steckt viel mehr als eine reine Marketingstrategie. Die Extended Edition ist ein Geschenk des Regisseurs an die Fans, aber auch sich selbst. In dieser Version näherte sich Peter Jackson wieder Tolkiens Fassung und dem ursprünglichen Schöpfung Mittelerde
Die Extended Edition des zweiten Teils ist nicht nur ein nettes Extra, sie ist Pflichtprogramm für jeden Fan. Und mancher mag behaupten, dass der Film, der im Kino lief, nur ein Trailer war, die Extended Edition aber ist der richtige Film!!