Kurzbeschreibung
Klappentext
Heat
"Douglas Lindsay hat ein hervorragendes Gespür für Dialoge und eine unglaubliche reiche Phantasie."
The Sunday Mirror
"Ein schräges Buch, eine bissige Satire auf Werbung und PR-Leute sowie eine Thriller Parodie, die packt und unterhält."
Schweizer Familie
Über den Autor
Auszug aus Der Herr der Klinge von Douglas Lindsay, Christian Lutze. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Seit mehr als zwölf Jahrhunderten stellt die De Vere-Familie aus Dundee die köstlichsten Chips der Welt her. Einst die Lieblingsspeise der Fischer an der Ostküste, jetzt ein Genuss für Menschen überall. In Gourmetmischungen von Scampi & Brie bis Hamburger & Rotweinmayonnaise, frisch, knusprig und unglaublich lecker. Fishermen's Chips, der echte Geschmack des alten Schottlands.
Die Büroräume von Bethlehem, Forsyth & Crane nahmen ein komplettes zehnstöckiges Gebäude in Canary Wharf in Beschlag. Joe Forsyth hatte Mitte der 90er Jahre einen langfristigen Deal gemacht und dabei den passenden Moment in einer schlechten Woche abgewartet, als es so aussah, als ob der Markt den Schwung, den er nach der 92 er Krise gewonnen hatte, wieder verlieren würde. Mit der neuen von Birmingham nach NE14 geänderten Adresse im Briefkopf, hatte sich das Schicksal von BF&C über Nacht gewendet. Seither war die Geschichte der Agentur nur noch eine von Wachstum und steigenden Marktanteilen.
Der Ausstieg des außer Bethlehem letzten verbliebenen Gründungspartners - ursprünglich waren es fünf gewesen - hatte der Erfolgskurve des Unternehmens kaum einen Knick zugefügt, denn Thomas Bethlehems schiere Tollkühnheit und ansteckende Begeisterung hatten über potenzielle Schwierigkeiten mit ursprünglich von Forsyth oder Margie Crane angeworbenen Kunden hinweggeholfen. Forsyth war nach endlosen Meinungsverschiedenheiten über die Geschäftsmoral sang- und klanglos ausgeschieden. Bethlehem wollte sich amüsieren, mit jeder Menge Frauen schlafen und haufenweise Geld machen. Er hatte von Anfang an gewusst, dass Forsyths Idealismus ihn zur leichten Beute für die Raubtiere des Marketings machen würde, und als die See rauer wurde, musste Forsyth von der Brücke.
Crane war nach einem Zwischenfall mit einer libanesischen Prostituierten und zwei Beutelchen illegaler Drogen ausgeschieden, weil ihre Position wegen des wie ein Damoklesschwert über ihr schwebenden Skandals unhaltbar geworden war. Da sie seine Ansichten über Frauen kannte, hatte sie vermutet, dass Bethlehem die ganze Drogen-und-Prostituiertengeschichte eingefädelt hatte, obwohl dem nicht so war. Also war sie gekränkt, aber leise und mit eingezogenem Kopf gegangen. Und obwohl ihr Ausstieg bedeutete, dass er fortan ein sehr viel größeres Stück vom Kuchen abbekam, war Bethlehem beinahe traurig gewesen, sie gehen zu sehen.
Crane hatte eine Agentur in Birmingham aufgemacht, die sich um kleine Fische im Bereich Plakatwerbung kümmerte. Forsyth war nach Australien gegangen, um für die Rechte der Ureinwohner zu kämpfen. Bethlehem hatte das Interesse an ihnen verloren, sobald sie aus der Tür waren. Und ihre Vornamen, Margie und Joe, waren innerhalb der Agentur zum Synonym für die allgemeine Öffentlichkeit geworden, für die Massen, die die Sun und den Mirror lasen, Wer wird Millionär und Eastenders guckten, Fußball spielten und in der Kneipe an der Ecke tranken, ihre Handys trugen wie Cowboys ihre Pistolen, und die dazu da waren, sich kontrollieren und manipulieren zu lassen, jeden Scheiß zu kaufen, den Leute wie Thomas Bethlehem ihnen gegen Bezahlung aufschwatzten.
Barney drehte sich um, als die Tür aufging, und der erste Kunde des Tages, der erste in seiner neuen Stellung, das kleine Büro betrat, das über Nacht in einen Frisörsalon umgewandelt worden war. Kein Geld würde die Hände wechseln. Barney wurde als Angestellter der Firma bezahlt, die anderen Angestellten würden auf Kosten der Firma frisiert werden. So ernst nahm Thomas Bethlehem Haare.
Barney erhob sich von dem Frisörstuhl, in dem er gesessen und aus dem Fenster im zehnten Stock auf die Themse und die Renovierungsarbeiten geblickt hatte, die an einem Lagerhaus am anderen Ufer vorgenommen wurden, das erst fünf Jahre zuvor komplett umgestaltet worden war.
"Morgen", sagte Barney. Von der Terminliste, die ihm Imelda Marcos überreicht hatte, wusste er, dass er es mit Hugo Derkins zu tun hatte, Etatdirektor TV.
Derkins nickte, hängte seine Anzugjacke auf einen Bügel und nahm auf dem Stuhl Platz, den er vom Fenster ab- und einem großen Spiegel an der Wand zuwendete. Er lehnte sich zurück, klappte eine Aktenmappe auf und wartete darauf, dass man sich seiner annahm. Barney wusste, dass Derkins erwartete, gefragt zu werden, was er wünschte, doch er erkannte auch, dass er einen Schädel vor sich hatte, der nach einem läppischen, aber angemessenen Brad Pitt verlangte. Er warf seinem Kunden den passenden Umhang über, griff nach dem neuen Rasierapparat, schaltete ihn ein, spürte das alte vertraute Kribbeln in seinen Fingern und machte sich an die Arbeit.
Derkins blickte rasch von seinem Ordner auf und sagte mit hochgezogener Braue: "Brad Pitt?"
"Ja", sagte Barney, "Brad Pitt."
Derkins nickte zufrieden, als würde er eine Tasse guten Kaffee genießen, und wandte sich wieder seinen Unterlagen zu. Barney bewältigte das Nicken, ohne irgendwelche Ohren abzuschneiden, und konzentrierte sich auf seine Arbeit. Er war wieder zurück in der alten Routine, obwohl es erst gut zwei Wochen her war, seit er Kingsbridge unter dem leicht verzweifelten Protest Sheldon B. Catheters verlassen hatte.
Kaum zwanzig Sekunden später warf Derkins die Aktenmappe in beinahe kindischem Trotz auf die Ablage vor dem Spiegel. Als ihm bewusst wurde, was für einen Eindruck das machte, straffte er die Schultern und suchte Barneys Blick im Spiegel.
"Der Mist, mit dem ich mich abgeben muss", sagte er.
Barney runzelte fragend die Stirn. Auf geht's, dachte er. Eine Beichte. Manchmal ließ sie den Tag schneller vergehen und manchmal machte sie ihn zu einem grausamen Alptraum. Je nachdem.
"Neuer Kunde?", fragte Barney.
Derkins musterte Barney erneut im Spiegel.
"Ja", sagte er. "Haben Sie ein Näschen für den Kram?"
"Ich bin Frisör", sagte Barney.
Derkins hielt seinem Blick einen weiteren Moment stand, bevor er die Mappe wieder zur Hand nahm, als könnte Barney so Einblick nehmen.
"Salzgebäck. Mein Gott", sagte Derkins, "so weit ist es gekommen. Verflixtes Salzgebäck."
"Welche Firma?", fragte Barney.
"Dundee Salted Snacks", sagte Derkins, und die Worte fielen aus seinem Mund, als wären sie vom Rand einer Klippe gestoßen worden.
"Die produzieren doch Fishermen's Chips, oder?", fragte Barney.