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Der Henker und der Hofnarr [Taschenbuch]

Werner Mittelberger
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

19. April 2006
Frankreich im Jahre 1392. Unter dem Joch König Karls des VI, auch der „Wahnsinnige“ genannt, wird die große Nation in Kriegen innerhalb und außerhalb gespalten. Aufstände werden mit Gewalt nieder geschlagen, die Armut regiert. Als Bouchet, der Hofnarr des Königs seine vorschnelle Zunge nicht im Zaum zu halten vermag und mit der Wahrheit zu weit geht, steht ihm der Tod durch den Henker bevor. Erst in der Gefangenschaft begegnen sich Henker und Hofnarr. Zwei Ausgestoßene, die Ihre wahre Natur längst unter ihren Masken verloren zu haben scheinen, fordern sich in schamloser Offenheit heraus. Während Welten aufeinander prallen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, rückt der Tag der Hinrichtung unaufhaltsam näher. Was ist Lüge, und was Wahrheit? Vermag Ehre und Aufrichtigkeit die fest gefügte Bestimmung ihres Standes aufzubrechen? Können Worte das Schicksal am Richtblock entscheiden?

Produktinformation

  • Taschenbuch: 99 Seiten
  • Verlag: Edition Nove (19. April 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3902528753
  • ISBN-13: 978-3902528759
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12 x 0,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.557.639 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Werner Mittelberger, geboren 1970 in Bozen/Italien, übersiedelte 1981 mit seiner Familie nach Wien, wo er bereits während der Schulzeit begann, Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben. In den folgenden Jahren verfasste er neben Prosa auch Fantasy Geschichten.

Bisherige Veröffentlichungen: Ein Gedicht im „Jahrbuch für das Neue Gedicht“ - Ausgabe 2006, Verlag der Brentano Gesellschaft „Der Henker und der Hofnarr“ 2006, Edition Nove Er lebt und arbeitet in Wien.


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4.0 von 5 Sternen Tolles Mittelalterabenteuer 15. Februar 2007
Diese Erzählung, genauer Novelle, führt den Leser in medias res in die Gewölbe der Pariser Bastille zu Zeiten Karls VI., König von Frankreich.

In der Exposition wird der Hofnarr Bouchet des Hochverrats angeklagt und verurteilt bis zu seiner Hinrichtung in sieben Tagen eingekerkert zu sein.

In sechs weiteren Kapiteln setzt sich die Erzählung fort, wobei das letzte Kapitel etwa die Hälfte der gesamten Erzählung umfasst.

Historisch gesehen ist es das Jahr 1392, jenes Jahr, in dem sich in König Karl VI., der schon im Alter von 12 Jahren den Thron bestieg, erstmals Symptome seines beginnenden Wahnsinns zeigten.

Bouchet trifft auf den Henker des Königs, Saberge, und liefert sich manch ein Wortgefecht mit ihm. Gleich einem Harlekin spricht der Narr in Versen und Metaphern, doch der Henker ist seinen Späßen anfangs nicht zugänglich. Beide teilen nicht nur das Schicksal ihr Ich unter einer Maske bzw. Kapuze zu verbergen zu müssen, sondern auch ihre Funktionalität in den Gefügen der Gesellschaft, die von der Willkür eines Königs bestimmt ist.

Doch der Narr schafft es nicht nur Spiegel des Königs und der Gesellschaft zu sein, sondern auch ein Spiegel des Henkers zu werden.

Dies führt zu einer sich ereignenden unerhörten Begebenheit" in der Erzählung, die nach J.W. von Goethe in einem Gespräch mit Johann Peter Eckermann, Merkmal einer Novelle ist und zu einem Wendepunkt führt.

Denn am zweiten Tag schließen sie eine Freundschaft, die im Henker einen Zwiespalt zwischen der Loyalität zum König und seiner Freundschaft zum Narren erzeugt. Erzählerisch erfolgt die Annäherung auch durch ein vertrautes ,du' unter ihnen - welches der Autor nicht konsequent einhält und später noch mal in ein ,Sie' zurückfällt - das Fallenlassen der Masken und die körperliche Verteidigung des Narren vor sadis-tischen Kerkerwachen. Ebenso werden geschickt Erzählungen aus der Vergangen-heit des Henkers sowie des Narren eingeflochten.

Insgesamt werden die beiden Figuren zunehmend personifiziert und aus ihrer Funk-tionalität herausgeholt; so spricht der Narr nicht mehr in Versen und der Henker entwickelt eine vielfältige Gefühlswelt. Es ist eine Entwicklung, die bis zum Ende fortdauert und in die Freiheit führt.

Über die listige, humorvolle und spannende Flucht beider sei hier nicht viel verraten, führt sie aber in eine nur mit Nur der Horizont war das nächste Ziel, und er würde es auch für immer bleiben"(S. 99) angedeutet Zukunft (ebenso ein Novellenmerkmal).

Das Titelbild ist von Svend Richter und ebenso symbolträchtig wie die Erzählung.

Auch wenn manchmal der österreichische Akzent in Sätzen wie eine Tür quietschte ,beleidigt'" durchkommt, so erleichtert der Autor Werner Mittelberger durch seine der Zeit nachgeahmten Sprache dem Leser das Hineinfühlen in diese.

Mittelbergers Erstlingswerk ist gehobene sowie spannende und humorvolle Unterhaltung, die Freude macht auf sein nächstes Werk. Ob der kleinen Editionsauflage ist auch der Preis gerechtfertigt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Als ich "Der Henker und der Hofnarr" das erste mal in den Händen hielt, war ich zunächst skeptisch und dachte: "Mittelalter? Eigentlich gar nicht mein Gebiet..." ...bis ich dann das Buch in die Hand nahm und erst wieder zuschlug, als ich die letzte Seite verschlungen hatte. Lassen sie sich nicht täuschen: Die Geschichte spielt zwar eigentlich im Mittelalter, aber sie spielt genauso in unserer heutigen Welt. Es ist eine Geschichte, die weit über geschriebene Worte hinaus geht. Immer wieder geriet ich beim Lesen ins Nachdenken, meine Gedanken verirrten sich zu mir, zu meinem Leben.

Sowohl der Henker, als auch der Hofnarr sind verstoßene ihrer Zeit, isoliert von der Gesellschaft, versteckt hinter Masken. Den ehrlichen, liebevollen Umgang mit Menschen haben beide schon lange verlernt. Sie spielen eine Rolle, die sie selbst gar nicht mehr als eine solche wahrnehmen. Der Narr versteckt sich hinter seinem Sarkasmus, er muss täglich den Clown spielen. Der Henker ist durch seinen barbarischen Beruf innerlich selbst ein Toter.

Den Narr bringt sein Beruf schließlich ins Gefängnis, wo er auf den Henker trifft, der ihn in wenigen Tagen hinrichten wird. Unbewusst spüren sie bei ihrem ersten Treffen die Gemeinsamkeit ihres Schicksals. Beide erkennen ihr eigenes Schicksal in ihrem Gegenüber wieder. Sie spüren, dass sich tief hinter der Maske etwas befindet: Ein Mensch. Jemand mit Befürfnissen, mit Liebe, mit Lebensfreude. Nach und nach öffnen sie sich ihrem Gegenüber, werden neugierig und erfahren durch den anderen etwas über sich selbst. Bis sie schließlich beide ihre Maske ablegen und durch ihren ehrlichen Anblick zutiefst berührt sind. Aber der Henker muss den Narr töten. Die Gesellschaft schreibt es ihm vor, der König selbst wird bei der Hinrichtung erscheinen.

Der Henker steht vor einer Entscheidung. Eine Entscheidung über sein Leben. Mit dem Narr würde er auch sich selbst entgültig töten. Aber bleibt ihm eine andere Möglichkeit? Und wenn ja, hat er den Mut, seine gesellschaftliche Kette zu sprengen?

Der Autor bringt dem Leser mit einer enormen Sensibilität die Konflikte von uns Menschen in unserer Gesellschaft nahe. Die feinfühlige Art der Geschichte führt uns tief in unsere Gedankenwelt ein und wird den Leser noch weit über das Buch hinaus beschäftigen. Mich hat die Botschaft des Buches bis heute nicht losgelassen.

Fazit: Eine spannende, ergreifende Geschichte, die den Leser fesselt und ihn nicht mehr loslässt. Eine Geschichte, die den Leser zu sich selbst zu führen vermag.
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5.0 von 5 Sternen Keine bekannten Klischees 6. Januar 2008
Von L.H.
Auf meiner Suche nach einer interessanten Geschichte die im Mittelalter spielt ohne dabei die bekannten Klischees aufzuwärmen bin ich durch Zufall auf den „Henker und den Hofnarr“ gestoßen. Ich muss sagen der Autor macht es einem durch seinen Erzählstil gleich von Anfang an leicht in diese Zeit einzutauchen. Die Begegnung zwischen den beiden Hauptfiguren, wird sehr spannend erzählt. Man merkt dass der Hintergrund gut recherchiert ist. Der Umfang des Buches ist mit 100 Seiten angenehm und lässt sich leicht an einem Tag auslesen, wenn man einmal begonnen hat (zumindest ist es mir so gegangen). Auf jeden Fall empfehlenswert – wenn man sich für diese Zeit begeistern kann.
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