Ich habe mir das Buch aufgrund der positiven Rezensionen gekauft, war aber leider etwas enttäuscht nach der Lektüre. Irgendwie beschleicht einen dabei der Gedanke: Waren wir in der spirituellen Bewegung darüber nicht schon hinaus? Über das schwarz-weiß Denken, nach dem alles Natürliche gut und lieb und alles Moderne schlecht und verwerflich ist? Ist es nicht gerade jetzt an uns, eine Synthese zu finden und nicht auf Gegensatzpositionen zu beharren, um für positiven Wandel auf dieser Welt zu sorgen?
Man kommt ins Grübeln, wenn in einem Buch unreflektiert schamanische Techniken über chirurgische Eingriffe gestellt werden (geht das nicht auch Hand in Hand, je nachdem, was im Einzelfall notwendig ist?) und es ist eigenartig, dass in diesem Buch ständig auf Jesus verwiesen wird. Nichts gegen Jesus, aber die Mischung aus Großem Geist, Göttin, Vatergott, Bibel und Jesus war - na, sagen wir mal überraschend für mich als Leserin, die etwas über authentische, indianische Spiritualität erfahren wollte.
Das Buch hinterlässt bei mir einen letztendlich ideologischen Beigeschmack: wir sind die Guten und alle anderen müssen so werden wie wir, wenn sie wirklich glücklich werden wollen. Die Dinge sollen so und nicht anders gemacht werden, alle schreiben wahnsinnig euphorisch und happy in diesem Buch. Vielleicht ist es auch das amerikanische Lebensgefühl, das auf mich als eher gelassene, gut geerdete Europäerin manchmal etwas befremdlich wirkt?
Was mich allerdings wirklich geärgert hat (denn die oben erwähnten Punkte sind einfach eine Sache der persönlichen Ansichten), ist die Übersetzung. Da wird aus dem "golden eagle" schnell mal ein "goldener Adler", obwohl dieser "golden eagle" im Deutschen der Steinadler ist. So verschieben sich Sinnbedeutungen und man fragt sich automatisch, an welchen Stellen man sonst noch auf falsche Fährten kommen könnte.
Warum trotzdem 4 Punkte? Ganz einfach: weil sich über Geschmack nicht streiten lässt und was für den einen eine echte Inspiration ist, das ist für andere eben ein bißchen zu viel des "Guten", das sich in diesem Buch nach meinem Geschmack zu ausführlich selbst feiert.