Auch wenn er sich gegen eine Neuauflage seines im Jahre 2000 erstmals erschienen Debüt-Romans "Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Café" gewehrt hat, das Buch ist jetzt erneuterschienen. Und der Leser fragt sich, warum Uwe Tellkamp dagegen war.
Zugegeben, es ist nicht alles Gold, was in dieser - sagen wir einmal so - Idylle glänzt. Es ist eine romantische Liebesgeschichte, die sich eindeutig auf frühromantische und romantische Vorgänger bezieht, die in der Diktion häufig an Adalbert Stifter und Gottfried Keller erinnert. Es gibt darin einige sprachliche Unglücksfälle, manchmal etwas schiefe Metaphern, aber... Der mittlerweile durch den Roman "Der Turm" berühmte und mit dem Deutschen Nationalpreis ausgezeichnete Autor muss sich seines Debüts nicht schämen.
In einer seiner Poetikvorlesungen, die er dem Lyriker Thomas Kling gewidmet hatte, heißt es: "Da scheute sich ein deutscher Dichter nicht, ein deutscher Dichter zu sein... denn auch ich bin hier geboren... bin aus dieser Erde genommen". Und so spielt dieser frühe Roman des deutschen Dichters Uwe Tellkamp in Dresden, seiner Heimat, wie später auch "Der Turm". Es ist ein Mikrokosmos, den er beschreibt, ein Dresdner Viertel, in dem das "Portugiesische Café" Anlaufstelle für eine Reihe jugendlicher Individualisten ist.
Hier treffen sich die blinde Nora und der der Maler Martin und die Musiker des "Tango Verde". Vor allem aber Sophie und Florian, eine Liebespaar, das seine Liebe nicht zu leben wagt. Und so bleibt alles in der Schwebe. Es gibt Geschichten, die geträumt und andere, die gelebt werden. Diese Liebe wird nicht gelebt, nur romantisch empfunden. Und alles erschöpft sich mehr oder weniger in Bildern, manche nahe am Kitsch, andere wieder von wunderbarer Schönheit und Leichtigkeit - in einer sehr poetischen Sprache, die ahnen lässt, was in diesem Uwe Tellkamp steckt.
Vielleicht war es der Zeitpunkt, zu dem diese Geschichte spielt, 1989, der Diktion und Thema bestimmte. Eine neue Zeit hat begonnen, eine neue Welt eröffnet sich den Menschen; eine Zeit, in der Träume nicht nur geträumt, sondern auch verwirklicht werden können. Dem mag das Pathos des Romans geschuldet sein, in dem übrigens auch schon viel von dem zu finden ist, was später den "Turm" ausmachen wird. Und so sollte man das Buch nehmen als das, was es ist: ein nicht ganz gelungener erster Versuch Uwe Tellkamps auf dem Wege zum Dichter. So gelesen wird der Leser bei manchen Kopfschütteln auch viel Freude sein an diesem Buch.