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Heinz Erhardt war nie ein lauter Komiker. Er war vielmehr ein Beobachter des Alltags, der seinen Humor dadurch definierte, dass er Alltägliches einfach erhöhte. Natürlich sind seine insgesamt 39 Filme nicht alles nur Meisterwerke. Erhardt, der 1909 im lettischen Riga geboren wurde, trat in vielen schnell heruntergedrehten Sing- und Lustspielen auf, in denen er Gefahr lief, sein Talent zu verschwenden. Aber egal, was er auch spielen mochte, Erhardt blieb stets ein sanfter Spötter, ein Kleinbürger im ständigen Kampf mit Obrigkeiten der unterschiedlichsten Art. Eine der Ausnahmen ist jedoch Der Haustyrann, einer der besten, aber auch ungewöhnlichsten Erhardt-Filme. In Der Haustyrann spielt er Paul Perlacher, einen Kaffeehausbesitzer. Paul Perlacher ist ein Wirtschaftswunderdeutscher par excellence. Er hat seinen Weg gemacht, lebt in ordentlichen Verhältnissen -- und ist ein Ekel der übelsten Art. Fragt man sich heute, warum Dienstleistung in Deutschland nach wie vor klein geschrieben wird -- Schuld an dieser Misere haben die Perlachers. Wie er mit seinen Gästen umgeht, das ist nicht nett! Doch er ist der Besitzer des Kaffeehauses -- und damit wichtig! Paul Perlacher ist aber auch der Prototyp des deutschen Vorzeigeklägers, jener Spießbürger, der in dem Moment, in dem er auch nur den Hauch von Zweifel an seiner Überlegenheit spürt, vor Gericht rennt und sein Gegenüber verklagt. Legendär Erhardts Ausspruch vor Gericht, als er einen Prozess verliert: "So, nun habe ich aber genug, ich suche mir jetzt einen anderen Richter und sie einen anderen Angeklagten!"
In diesem Fall versucht Perlacher, die Mieter seines Hauses auf die Straße zu treiben, da er anderen Profitmöglichkeiten mit seinem Haus entgegen sieht. Doch eine Mieterin (Grete Weiser) stellt sich ihm entgegen. Und als sich seine Tochter dann ausgerechnet in den Neffen der Dame verliebt, steht Perlacher vor einem Problem. Der Haustyrann ist ein für seine Zeit (1958) ungemein rasant inszenierter Spielfilm, in dem Erhardt eine ungemein unsympathische Figur darstellt. Tatsächlich sind es nur Nuancen, die Perlacher von all seinen sympathischen Figuren unterscheidet, doch als Tyrann macht Erhardt schon eine gute Figur. Natürlich ist Perlacher nicht von Grund aus schlecht und selbstverständlich endet der Film mit einem Happy End. Doch indem Erhardt etwas boshafter zur Sache geht, als man dies normalerweise von ihm gewohnt ist, bietet er einen äußerst satirischen Einblick in die Empfindlichkeiten des deutschen Wirtschaftswunders und seiner Vertreter. --Christian Lukas
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