Wie kann man nur allen Controllern einen Spiegel vorhalten und auch noch meinen, man käme unkommentiert davon. So nicht, lieber Herr Weiss! Ich springe hier für alle diese in die Bresche, die wie ich, nun mal darauf geeicht sind, alles perfekt machen zu müssen. Berufsbedingt eben! Controlling heißt nun mal Programmablaufpläne, Plan-Ist-Vergleich, Kennzahlentoleranzen festlegen und Analysen der Abweichungen. Wenn man das auf den Alltag überträgt und auch noch in ein solch komplexes Gebilde wie eine Familie, das muss doch im Chaos enden!
....aber so wie Sie es beschreiben, wissen Sie ganz genau, worum es geht. Sie sind einer von uns, gestehen Sie!
Aber nun zum "Hausmann". Bei mir ist es eine Leseempfehlung eines guten Freundes, mit dem süfisant-gelächelten Beisatz "Lies es, Du lachst Dich schlapp", er wusste wohl um den Spiegel. Tat ich dann auch, von den ersten Seiten an. Der tägliche Kampf des kleinen Controllers auf Suche nach den Feedbacks der anderen Abteilungen ist harter Alltag, aber saukomisch geschildert. Man hat Ben Breuer sofort in sein Herz geschlossen und fiebert dem entgegen, was dem Rollentausch zum Hausmann hin unweigerlich folgen wird. Der Grand Canyon zwischen Planung per Stoppuhr und der Unplanbarkeit des Familienalltags. Strikte Schematik meets schnelle Reaktion auf überkochendes Essen bei Haustürklingeln und Telefonterror der Schwiegermutter. Alles was das neue Hausmänner-Leben für Ben an Gründen zum Abgewöhnen bereit halten kann, bricht auf diesen ein. Die Spionage-Nachbarn, die alles wissen, alles sehen und alles erzählen. Die Perfektionsnachbarn, bei denen alles das mit Leichtigkeit gelingt, das bei Breuers mit Crescendo schiefgeht. Die Katze, die wie es Katzenart ist, dem Katzenhalter den Status des neuen Hausherrn durch allerlei drastische Aktionen schon noch abgewöhnen wird. Das die Breuer-Kinder, so liebenswert sie auch sind, täglich neue Probleme mit nach hause bringen, muss eigentlich gar nicht erwähnt werden. Und das Namibia teilweisen nur hinter dem nächsten Maisfeld liegt und Rockstars grill-saunieren wollen, macht das Leben von Ben Breuer auch nicht leichter.
Dieser täglich neue Kampf, die kleinen Erfolgserlebnisse, das Scheitern, das Wiederaufstehen, die teilweise skurrilen Problemlösungen, immer in bester Controllermanier (oder -manie) sind dermaßen witzig geschildert, dass ich teilweise von meiner Frau des Wohnzimmers verwiesen worden bin, weil ich bei den Pilcher-Schnulzen an den tränenreichsten Stellen lauthals lachen musste. Ich hätte es auch nicht unterdrücken können, es traf mich zu unvorbereitet.
Obwohl in die Kölner Gegend gelegt, funktioniert das Buch per Kopf-Kino in jedem Landstrich mit Vorstädten, Lokalkolorit und Fußballverein. Der beste Freund Gregor, der nach 13 Jahren aus dem "Eheknast" ausgebrochen ist und Ben unbedingt vor der drohenden Assimilierung in das Hausfrauen-Kollektiv retten will, spricht für mich "Ruhrpott", er funktioniert aber sicher auch mit St. Pauli, den Bayern oder sonst einem Kultclub. Hauptsache man ist dort Macho und trinkt viel. Wegen der 100 Kisten Wetteinsatz ums Scheitern.
Alles in allem ein sehr lesenswerter Roman, um einen Familienvater, der es nicht akzeptiert, vor dem Alltag zu kapitulieren, koste es was es wolle. Zwischen den vielen Lachern verbirgt sich aber immer auch ein bisschen tiefer Sinn und Seitenhiebe auf das echte, nicht überzeichnete Leben. Aber auch die tiefer gehenden Probleme werden von Ben Breuer auf seine beharrliche Art gleich mitgelöst. Sie müssen im echten Leben nur noch von jemandem aufgegriffen werden.
5 Sterne, zwei Daumen hoch und die Aufforderung an Wilko Weiss, mehr von Familie Breuer zu berichten. Ich freue mich schon drauf!