wofür ich Herrn Prof. Ziegler, Träger des Literaturpreises für Menschenrechte, sehr dankbar bin. Der Inhalt des Buches wurde hier bereits umfassend in den übrigen Rezensionen beschrieben, aber aus meiner Sicht verdient ein in dieser Zeit so wichtiges Werk so viele gute Rezensionen wie möglich, um noch mehr darauf aufmerksam zu machen.
Der Autor blickt auf eine lange persönliche Erfahrung als Sonderberichterstatter bei den Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung, sowie als Mitglied des beratenden Ausschusses des UNO - Menschenrechtsrates zurück.
Er schildert aus diesen Erlebnissen die Praktiken, wie die Kapital besitzenden Staaten, Großspekulanten und Moloch-Riesenfirmen, die potentiell auszubeutenden Länder, die über nicht genügendes Kapital verfügen, um sich dagegen wehren zu können, durch die verschiedensten, teils hoch raffinierten Druckmittel beim Zaum halten, um ein weiteres Abschröpfen der dort vorkommenden Ressourcen in Form von wertvollen Bodenschätzen, Ernten und billigsten Arbeitskräften zu gewährleisten.
Wenn man bei diesem Buch anfängt, anläßlich der geschilderten kriminellen Energie den Kopf zu schütteln, tut einem sehr schnell der Nacken weh. Ich selbst war vor allen Dingen überrascht, wie wenig ich von dem Geschilderten vorher durch die Medien erfahren hatte. Da wird anscheinend doch eine Menge Unangenehmes totgeschwiegen.
Ein Beispiel, das mich persönlich besonders berührte, war die Art des geschilderten Selbstmords eines von 125.000 (!) indischen Bauern, die in der Zeit zwischen 2001 und 2007 den Freitod wählten, weil diese den meist stark überhöhten Preis von Düngemitteln der ansässigen transkontinentalen Chemieunternehmen nicht in der Lage sind aufzubringen und dadurch ihre Ackerböden nicht ausreichend aufbereiten können um nenneswerte Ernten einbringen zu können. Geschildert am Beispiel des qualvollen Todes eines dieser Bauern nach Austrinken eines Kanisters mit Pestiziden, weil er sich auf diese Weise selbst dafür bestrafen wollte, das er nicht dazu im Stande war, seine Familie ausreichend ernähren zu können...
Im Buch gibt es viele solcher Beispiele, die unter die Haut gehen. Es ist wohl kein Buch, das man lesen sollte, wenn man danach noch etwas vorhat, bei dem man gut gelaunt sein will oder muß.
Besonders interessant fand ich auch die Erklärung, warum es für fast alle armen, ausgebeuteten, meist in der südlichen Hemisphäre befindlichen Staaten so schwer ist, aus der niederhaltenden Unterdrückung auszubrechen. Der Autor berichtet hier aus mehreren Sitzungen verschiedener Ratsorganisationen, Gipfel und Kommissionen, an denen er selbst teilgenommen hat. Wie hier unverhohlen mit der Streichung von Entwicklungshilfen nicht nur gedroht, sondern bei nicht wohlwollendem Verhalten des sich gegen zukünftige Schröpfungen wehrenden Staates ohne Rücksicht auf das dadurch verursachte immense menschliche Leid der Hahn einfach zugedreht wird, ist bedrückend, macht wütend.
Herr Ziegler schildert die Doppelmoral des Westens, dessen Aussagen und Bekenntnisse zu gerechtem, die Menschen aller Nationen achtendem Handeln, für die Bewohner der betroffenen Staaten regelmäßig durch deren tatsächliches, Nachkoloniales, rein am Profit orientiertes Vorgehen als bloße Lüge enttarnt wird.
Gut finde ich auch Zieglers Abgrenzung zum wachsenden pathologischen Hass in Form von steigender Anzahl terroristischer Akte. Der Meinung des Autors, dass sich der ideologische Hass im Idealfall in eine erneuernde, positive Kraft bündeln sollte, die Früchte für alle Menschen dieser Welt bringen kann, schliesse ich mich gerne an, denn die möglichen Folgen einer weitergehenden Ignoranz dieses neu erwachenden Bewußtseins der Betroffenen könnte verhängnisvoll sein.