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Der Hase mit den Bernsteinaugen: Das verborgene Erbe der Familie Ephrussi [Gebundene Ausgabe]

Edmund de Waal , Brigitte Hilzensauer
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (51 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

29. August 2011
264 Netsuke, Miniatur-Schnitzereien aus Holz und Elfenbein aus Japan, liegen in der Vitrine des britischen Keramikkünstlers Edmund de Waal, Nachkomme der jüdischen Familie Ephrussi. Wie sie dorthin gelangten, erzählt de Waal in einem Erinnerungsbuch, das vom Paris der Belle Époque ins Wien des Fin de siècle führt und vom Tokio der 1950er Jahre über Odessa nach London. Die Ephrussi, einst an Reichtum und Einfluss den Rothschilds ebenbürtig, erlebten mit dem „Anschluss“ 1938 den Niedergang - ihr gesamtes Vermögen wurde arisiert. Eine außergewöhnliche Familiengeschichte, eine Wunderkammer, eine brillant geschriebene Erkundung über Besitz und Verlust, über das Leben der Dinge und die Fortdauer der Erinnerung.

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Pressestimmen

"Weniger ein Erinnerungs- denn ein Einfühlungsbuch, zeigt diese Spurenlese in der Geschichte einer sehr vermögenden Familie, dass in der eigenen Bescheidenheit zu jeder Zeit die größte Eleganz liegt. ... Eine unbedingt zu erlesende Kostbarkeit." Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.11

"Ein hinreißendes Leseerlebnis! Ein bescheidenerer, diskreterer und feinsinnigerer Chronist als de Waal ist nicht denkbar." Julia Kospach, Die Presse, 20.08.11

"Einzigartig in seiner Mischung aus akribischer Recherche und ungewöhnlicher Liebe zu Details. (…) Seine Sprache ist nüchtern, elegant und präzise, sein Interesse an Details lässt einen die Vergangenheit sinnlich erfahren." Johanna Adorján, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.08.11

"Edmund de Waals Buch, in England sofort auf den Bestsellerlisten, verführt wie ein japanischer Garten im Detail, das immer auf ein unsichtbares Ganzes verweist. Es ist unbedingt zu lesen - nicht nur von Sammlern." Anja Hirsch, WDR3 Passagen, 29.08.11

"Es fängt winzig an. Edmund de Waal hält eine aus Kastanienholz geschnitzte Mispel, eine Rosenfrucht, in seinen Händen. […] Und am Ende wird aus dem Kleinen, Winzigen etwas ganz Großes: ein Buch über die Geschichte Asiens und Europas, die Dekadenz des Bürgertums, den Antisemitismus der vergangenen beiden Jahrhunderte, die Kunst des Impressionismus, auch über Liebe, Angst und Verlust, und vor allem beschreibt de Waal den Niedergang dieser, seiner Familie." Johan Dehoust, Der Spiegel, 12.09.11

"Das Buch hat einiges von einem Netsuke: es ist so kompakt wie fein ziseliert, so charismatisch wie subtil. Der Blick darauf schärft das Auge gleichermaßen für das Detail wie er die Vorstellungskraft entzündet und seinen Gegenstand in den Wunsch hinein erweitert, mehr und immer mehr erfahren zu wollen." Gudrun Hamböck, Ö1 ex libris, 18.09.11

"Ein Buch, das man nicht genug preisen kann – für seine Liebe und seine Neugier, für seine Sorgfalt und Souplesse im Umgang mit tragischen Wirklichkeiten; dafür, dass es in Hinblick auf scheinbar Bekanntes ungeahnte Horizonte aufreisst; dass es die Grösse der versunkenen jüdisch-europäischen Kultur belegt, das Sinn-Universum der Familie beschwört und daran erinnert, dass wir Menschen nicht allein sind. Denn es gibt den Trost von Dingen, die uns als Zeugen begleiten und uns in eine Ordnung rücken, ohne dass wir es ahnen. (...) Selten ist einem eine Kartografie jüdischer Erinnerung so unter die Haut gefahren wie diese." Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung, 20.09.11

"In de Waals Darstellung wird eines der finstersten Kapitel europäischer Historie aus der Perspektive der Urgroßeltern so lebendig wie wohl kaum je sonst. (…) Eines der schönsten Bücher der Gegenwart". Peter Stephan Jungk, Die Welt, 08.10.11

"De Waal ist ein ästhetisch sensibler, sorgfältiger, künstlerisch gebildeter und leicht melancholischer Familienerzähler. Gerade seine zurückhaltende, noble Erzählweise gibt den finsteren Kapiteln der Enteignung, Misshandlung und Vertreibung der Wiener Ephrussis eine herzzerreißende Intensität. Eines der bewegendsten Bücher dieses Herbstes." Sigrid Löffler, rbb, 10.10.2011

Über den Autor

Frans de Waal, geboren 1948 in Den Bosch, Niederlande, lehrt Primatenverhalten u.a. an der Emory University in Atlanta und zählt aufgrund seiner Bücher zu den bekanntesten Primatologen der Welt. Bei Hanser erschien zuletzt: Primaten und Philosophen. Wie die Evolution die Moral hervorbrachte (2008). -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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64 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Th. Leibfried TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe|Amazon Vine™ Rezension (Was ist das?)
Wie häufig kommt es vor, dass man als Leser gar nicht weiß, auf was man sich bei einem Buch einlässt und dann vollkommen überrascht wird, positiv nämlich? So ist es mir gegangen bei dieser Familiengeschichte von Edmund de Waal, einem britischen Professor für Keramik mit britisch-niederländisch-österreichisch-russischen Wurzeln, die einen Zeitraum von 1871 bis 2009 umfasst und uns nach Paris und Wien, in die Tschechoslowakei und nach England, nach Odessa und Tokio führt. Und ich wurde nicht nur positiv überrascht, sondern bin restlos begeistert von diesem Werk, aus dem man vieles lernen und viel Wissen auffrischen kann.

Der rote Faden dieser Familienbiographie sind 264 Netsuke, einer japanischen Kunstform kleiner, handgefertigter Gegenstände aus Holz, Elfenbein, Horn oder Bambus. Diese Handschmeichler stellen Götter, Tiere, Blumen oder Szenen aus dem Alltag dar. Ein Urgroßonkel de Waals hatte diese Sammlung 1871 als Ganzes erworben: Charles Baron Ephrussi. Unter diesen 264 Kunstgegenständen, die Charles im Hôtel Ephrussi, dem Familienstammsitz des nach Frankreich ausgewanderten Zweigs der Familie, in einer Glasvitrine ausstellte, ist auch der "Hase mit den Bernsteinaugen".

Charles, als dritter Sohn geboren und damit von vorne herein in der wohlhabenden, nein reichen Familie Ephrussi vom Arbeiten befreit, beschäftigte sich als Kunstsammler und -historiker. Der erste Teil des Buches handelt von Charles, vom Paris im fin de siècle, dem ausgehenden 20. Jahrhundert und von unzähligen, mit Charles und der Familie Ephrussi bekannten und befreundeten Berühmtheiten: Manet, Monet, Renoir, Degas, Proust, Goncourt, der gesamte Pariser Hochadel und viele andere mehr.

Die Ephrussi waren neben den Rothschilds die einflussreichste und vermögendste jüdische Dynastie, deren Reichtum ihren Ursprung in Getreidegeschäften im russischen Odessa am Schwarzen Meer hatte. Ein weiterer Zweig der Familie ließ sich in Wien nieder, wohin die Netsuke gekommen war, als Charles die Vitrine samt Inhalt Viktor und Emmy Ephrussi, dem Urgroßvater und der Urgroßmutter Edmunds, zur Hochzeit geschenkt hatte. Teil 2 und Teil 3 beschreiben die Zeit von der Jahrhundertwende bis zum Anschluss Österreichs an Deutschland im Jahr 1938. Dort treffen wir neben der Familie auf Namen wie Rilke, der eine Brieffreundschaft zur jungen Elisabeth, Edmunds Großmutter, pflegte, Schnitzler, Wassermann, Karl Kraus, Gustav Mahler. Nach der Schilderung der Ausreise Viktors aus der Slowakei und seiner Ankunft bei London schreibt de Waal: "Er ist Emigrant. Sein Land der Dichter und Denker ist zum Land der Richter und Henker geworden."

Wer immer noch glaubt, dass Antisemitismus eine rein deutsche und hier wieder eine ausschließliche Sache der Nationalsozialisten gewesen war, sieht sich eines Besseren belehrt. Auch im Paris des 19. Jahrhunderts wurde Stimmung gemacht gegen Juden. Subtil und ganz offensichtlich. Auch Künstler wie Renoir waren nicht frei von antijüdischen Ressentiments. Ebenso im Wien des beginnenden Jahrhunderts, lange Jahre vor dem Anschluss und der Machtübernahme der Nazis in Wien. Hitler und Schergen nutzten Stimmungen, die lange vorhanden waren, zur Verfolgung ihrer grausamen Ziele und Neigungen. Das ist sicherlich keine neue Erkenntnis, wird hier aber noch einmal behutsam und dennoch eindringlich geschildert.

Der letzte Teil des Buches macht dann einen Sprung nach Japan, schlägt den Bogen also zurück in das Herkunftsland der Netsuke, wo sich Iggie, ein Großonkel Edmunds niederlassen wird und die kleinen Kunstwerke mit den Worten "Japan wird's werden. Ich bringe sie zurück." mitnahm.

Vergleichen möchte ich dieses Buch mit Stefan Zweigs "Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers". Die inhaltlichen Parallelen liegen auf der Hand, in beiden Büchern geht es um das Sammeln von Kunstgegenständen, um Begegnungen mit großen Persönlichkeiten, die sich teilweise überlappen. "Absolut empfehlenswert!" ist das Mindeste, was ich potenziellen Leserinnen und Lesern zurufen kann. Fünf Sterne, mehr geht leider nicht.
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86 von 96 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Leben der Menschen und Dinge 31. August 2011
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Ein Buch, wie es einem selten unterkommt. Geschrieben von Edmund de Waal, Nachkomme der jüdischen Getreidehändler- und späteren Bankiersfamilie Ephrussi. Und damit ist ein literarisches Ereignis erster Güte zu vermelden; ein Familienroman, eine Kunst-, Kultur- und Zeitgeschichte und vieles mehr. Eine Geschichte des Geschmacks auch und der Gefühle. Vor allem aber ist "Der Hase mit den Bernsteinaugen" eine fantastische, eine höchst spannende und dramatische Erzählung - wie sie, beginnend im Europa des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis ins Heute hinein, beispielhaft ist.

De Waal, Professor für Keramik an der Universität London, hat sich auf die Spur seiner illustren Familie begeben Mit dieser Familiengeschichte eng verbunden sind 264 Netsukes, kleine japanische Figuren. Sie sind der Leitfaden, an dem entlang Edmund de Waal erzählt und schreibt. Ihm war daran gelegen zu zeigen, wie über Objekte Erinnerungen bewahrt und transportiert werden können. Und das ist ihm bestens gelungen.

Von Tokio kamen diese wunderbaren Figürchen, darunter der titelgebenden "Hase mit den Bernsteinaugen", einst zu Charles Baron Ephrussi nach Paris. Dieser Charles, geboren in Odessa, Kunstsammler und -historiker, Freund von Künstlern und Literaten und nicht zuletzt Lebemann und Vorbild für Charles Swann in Marcel Prousts "Recherche", ist eine der interessantesten Figuren in diesem Buch. Wer sich über die faszinierende Schilderung de Waals hinaus ein Bild von ihm machen möchte: Charles Baron Ephrussi ist auf Renoirs Gemälde "Déjeuner des canotiers" zu erkennen.

Höchst abenteuerlich ist der weitere Weg dieser japanischen Miniaturen durch Zeiten und Länder. Von den Pariser Salons nach Wien, wo Viktor und Emmy Ephrussi im Palais in der berühmten Ringstraße residierten. Kultiviert wie alle Ephrussis, vor allem aber schwer reich und mehr an den materiellen Dingen interessiert sind die Odessaer Abkömmlinge wie ihre Vorfahren berühmt, aber nicht immer geliebt. Theodor Herzl hat sie als "Spekulanten" beschimpft. Und auch Isaak Babel war ihnen nicht besonders freundlich gesinnt. Nicht zuletzt "erscheinen" sie "literarisiert" bei Joseph Roth.

Zu ihnen also kamen die 264 Netsukes - und fanden Platz im Ankleidezimmer von Emmy. Hier wurden zum Spielzeug der Kinder. Hier waren die kleinen Kunstwerke "Zeugen" intimer Verrichtungen, wurden sie ein weiteres Mal zu Objekten der Erinnerung. Elisabeth, die Großmutter des Autors, weiß davon zu "erzählen". Auch von der weiteren und nun schrecklichen Geschichte der Familie. Die Ephrussis musste den politischen Ereignissen und Entwicklungen ihren Tribut zahlen. An dieser Stelle wird Weltgeschichte zur Familiengeschichte. Durch den ersten Weltkrieg verursacht verliert die Familie an Einfluss und Renommé. Wenig später sollte für die Juden Ephrussi der Anschluss Östeerreichs an das Nazideutschland sogar lebensgefährliche Folgen haben.

Edmund de Waal hat gründlich geforscht und akribisch recherchiert: in Archiven, Museen und wo immer sich etwas über seine Familie finden ließ. Das entspricht seiner Intension. Er wollte "...keine nostalgische Familiengeschichte über verlorenen Glanz und Ruhm schreiben". "Es sollte nicht sentimental im Tonfall sein, ich hasse nämlich solche Bücher. Mein Anliegen war es, die Geschichte meiner Familie so realitätsnah wie möglich festzuhalten, ohne dabei peinlich zu werden". So der Autor.

Das ist er in keiner Zeile - weder nostalgisch noch sentimental. Auch nicht, wenn er von der "Rettung" der Netsukes erzählt. Obwohl die Nazihorden das Wiener Palais verwüsten und plündern, entgehen ihnen die kleinen Kunstwerke - dank des alten Hausmädchens Anna, die "war damals so mutig und hat die Netsuke-Sammlung vor den Nazis cversteckt, aufbewahrt und meiner Familie wieder zurückgegeben".

Und damit - der Kreis schließt sich - gelangen die Miniatur-Kunstwerke, die Familie ist mittlerweile in aller Welt verstreut, wieder nach Tokio, zum Herkunftsort. Bis sie jetzt in London ihren hoffentlich endgültigen Platz gefunden haben.

Edmund de Waal schreibt in einem höchst eleganten Stil, brillant und wortmächtig. So ist ihm eine wunderbare, ja unvergleichliche Familienchronik gelungen - durch die Zeiten hinweg, über das Leben der Dingen und der Menschen, die sie besitzen; und über die bleibende Erinnerung daran.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bei den Dingen 17. Dezember 2012
Format:Gebundene Ausgabe
Edmund de Waal ist Keramikkünstler. Täglich ist er mit Dingen beschäftigt, die man mit Händen gestaltet, in den Händen halten und fühlen kann. Eine solche Obsession kann nicht ohne Wirkung bleiben auf den Blick, mit dem jemand in die Welt schaut: Er interessiert sich für die Gegenstände, die vor ihm liegen, in Reichweite seiner Hände. Er ist kurzsichtig im besten Sinne.

Es ist dieser Blick, der über weite Strecken dominiert in "Der Hase mit den Bernsteinaugen", dem ersten Buch von Edmund de Waal. Von Anfang an ist er auf eine Sammlung von 264 japanischen Holz- und Elfenbeinschnitzereien gerichtet, die Charles Ephrussi, ein Vorfahr de Waals, Ende des 19. Jahrhunderts erstand, um damit die Kunstsammlung seines noblen Pariser Salons zu bereichern. Über mehr als 100 Jahre folgt der Autor dem Weg der Netsuke, bis diese schließlich in einer Vitrine seines eigenen Hauses in einem Londoner Vorort landen. Die Geschichte der Netsuke ist eng verwoben mit der Geschichte von de Waals Vorfahren, den Ephrussis, einer im Getreide- und Bankgeschäft reich gewordenen jüdischen Familie mit Wurzeln in Odessa. Und auch wenn de Waal vor allem die Geschichte dieser Familie erzählen will: Man spürt, dass der Autor diese kleinen Dinge wirklich liebt, dass sie für ihn mehr sind als nur ein literarischer Kniff zur Ausschmückung der eigenen Biografie. Geradezu programmatisch schreibt er am Anfang: "Ich möchte wissen, welche Beziehung es gab zu diesem hölzernen Ding, das ich in meinen Fingern wende - hart und knifflig und japanisch -, und wo es gewesen ist. ... Ich möchte in jeden Raum gehen, wo dieses Objekt existiert hat, möchte sein Volumen spüren, wissen welche Bilder an der Wand hingen, wie das Licht aus den Fenstern einfiel. Und ich möchte wissen, in wessen Händen es war, was jemandem daran lag, was er darüber dachte - falls er es tat. Ich möchte wissen, wovon es Zeuge war."

Und so ist de Waal immer wieder "bei den Dingen", beschreibt akribisch einzelne Netsuke, impressionistische Gemälde, japanische Schmuckkästchen, prunkvolle Gebäude, Salons, Möbelstücke, Räume - die ganze dingliche Welt, in der sich seine Vorfahren bewegt haben. Von dort geht sein Blick zu denen, "in deren Händen es war", zu den Besitzern und Bewohnern all dieser Pretiosen: dem Pariser Lebemann Charles, den Wiener Statthaltern Victor und Emmy, seiner Großmutter Elisabeth und seinem Großonkel Iggie. Hier zeigt sich dann eine Eigentümlichkeit dieses Buches, die manchen Leser enttäuschen mag: So innig die Beziehung de Waals zur gestaltenden Kunst, zu den Gegenständen ist, so blass bleiben die Menschen, die er beschreibt. Charakterstudien, literarische Figurengestaltung, Dialoge, episches Erzählen - all das ist seine Sache nicht. Der Erzählstil bleibt stets der eines nüchternen Chronisten.

Fairerweise muss man sagen, dass de Waal selbst betont, er habe gerade keine "sepiagetönte Familiengeschichte" schreiben wollen. De Waal ist mehr Sachbuchautor als Romancier. Die meisten Geschichten handeln von Menschen, die von Dingen umgeben sind. "Der Hase mit den Bernsteinaugen" ist eine Geschichte von Dingen, in der auch Menschen vorkommen.

Und doch kann man dieses Buch mit großem Gewinn lesen. Denn nebenbei wird hier auf eine angenehm zurückhaltende Weise Zeitgeschichte vermittelt, vom irritierenden Müßiggang eines reichen Pariser Connaisseurs im Fin-de-siecle, vom Leben im grandiosen Palais Ephrussi am Wiener Schottenring (der heute ein Casino beherbergt), und, dramatischer Höhepunkt der Geschichte, vom österreichischen Anschluss an den Nationalsozialismus im März 1938. Die abscheuliche, plumpe Gewalt, mit der ganz Wien und das Palais Ephrussi "arisiert" werden, die abstoßende Dummheit der sinnlos euphorischen Masse, die ordinäre Bürokratie, mit der Menschen innerhalb weniger Stunden enteignet und bestohlen werden, all dies schlägt unvermittelt auf den Leser ein, und hier ist de Waals ruhiger, sachlicher Erzählstil genau der richtige: Die primitive Bösartigkeit der Nazis verträgt keine Stilisierung.

Die FAZ-Literaturkritikerin Felicitas v. Lovenberg nannte das Buche "eine unbedingt zu erlesende Kostbarkeit". Auch wenn man immer misstrauisch sein darf gegenüber Zitaten, mit denen die Verlage ihre Bücher zukleben: Die Formulierung "zu erlesen" passt gut auf dieses Buch, weil darin etwas von "erarbeiten" steckt. Man muss sich dieses Buch erarbeiten, muss sich anfangs durch die spröde Gegenständlichkeit, durch die staubtrockenen Detailbeschreibungen kämpfen, um dann mit zunächst kleinen, dann immer größeren und schwungvolleren Schritten in die Geschichte einer faszinierenden Familie einzutreten, die am Ende nicht nur auf unfaufdringliche Art bildet, sondern auch sehr bewegt.
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5.0 von 5 Sternen Der Hase mit den Bernsteinaugen: Das verborgene Erbe der familie
Ein schönes Buch, hat unsere Tochter zu Weihnachten bekommen: Guter Roman, nett geschrieben, hat unserer Tochter gut gefallen; wir würden es wieder kaufen.
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Vor 2 Monaten von Schröder, M. veröffentlicht
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... und entsprechend trocken. Was angesichts der Profession des Autors kein wunder ist: Der Mann ist Professor für Keramik und kein Schriftsteller.
Vor 7 Monaten von Omi Sibrandt veröffentlicht
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