Mit dem "Hühnerdieb" ist Béatrice Rodriguez eines der schönsten Bilderbücher der letzten Jahre, ja, vielleicht gar eines der schönsten Bilderbücher überhaupt gelungen, das ganz ohne Worte auskommt und sich für Erwachsene ebenso gut wie für Kinder eignet.
Die Idylle, in der ein Bär, ein Kaninchen und diverse Hühner in einem Haus im Wald leben, wird jäh durchbrochen, als ein Fuchs eines der Hühner stiehlt. Der Fall scheint klar zu sein, und Bär, Kaninchen und Hahn nehmen empört die Verfolgung auf - doch als sie Fuchs und Huhn endlich eingeholt haben, erwartet sie eine überraschende Wendung, die mit viel Charme und Humor die Geschichte zu einem glücklichen Ende führt.
Die ausdrucksstarken, mit viel Liebe zum Detail gestalteten Bilder, auf denen es auch beim zehnten Lesen noch neue Einzelheiten zu entdecken gibt, nehmen einen vom ersten Augenblick an gefangen und bestechen mit viel Situationskomik, die aber nie in platten Klamauk abgleitet. Die Tierfiguren sind sympathisch gezeichnet und wachsen einem schnell ans Herz, besonders, da jede Gestalt ihre ganz eigene Persönlichkeit erhält (man beachte etwa die unterschiedlichen Reaktionen von Hahn, Kaninchen und Bär auf die große Enthüllung gegen Ende!).
Kurz und gut: "Der Hühnerdieb" ist ein Buch, das "Lesern" (oder besser: Betrachtern) in jedem Alter gute Laune macht und einen heiter und beschwingt zurücklässt.