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Der Gulag [Gebundene Ausgabe]

Anne Applebaum , Frank Wolf
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 736 Seiten
  • Verlag: Siedler Verlag (18. September 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3886806421
  • ISBN-13: 978-3886806423
  • Originaltitel: Gulag: A History
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,6 x 5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 387.268 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Die amerikanische Journalist Anne Applebaum hat für ihr monumentales Werk "Der Gulag" den Pulitzer-Preis erhalten. So weit die Nachricht. Jetzt das Wichtigste: Anne Applebaum hat diesen Preis auch verdient." (Hannes Stein, Die Welt )

"Auf der Grundlage von umfangreichen Quellenmaterial aus sowjetischen Archiven, das erst in jüngster Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, jahrelangen Recherchen vor Ort und zahllosen Häftlingserinnerungen und Gesprächen rekonstruiert die Autorin das Gulagsystem von seinen Ursprüngen in den Revoltionsjahren bis zu seiner Auflösung 1987 unter Michael Gorbatschow. [...] ein überaus wichtiges Votum gegen das Vergessen und die immer noch verbreitete Weichzeichnung und Verharmlosung der kommunistischen Verbrechen." (Ulrike Ackermann, Merkur )

"Jede Art seröser Zeitgeschichtsforschung muß versuchen, ihrem Leben, Leiden und Sterben gerecht zu werden. Der Autorin gelingt dies in zweifacher Hinsicht: Sie hat nicht nur die zahlreichen Erinnerungen und Memoiren, die vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten in Rußland, Amerika, Osteuropa und anderswo erschienen sind, fast vollzählig ausgewertet, ohne dabei jemals die kritische Distanz gegenüber diesen schwierigen, weilch höchstsubjektiven Quellen zu verlieren. Sie hat erstmals auch Akten aus dem Archiv der Zentrale sowie einzelner Lagerkomplexe auswerten können. [...] Daß es Anne Applebaum gelungen ist, dieses aufwühlende Thema umfassend und sine ira et studio darzustellen, ist ein Vermächtnis für die Opfer und eine Mahnung zugleich." (Günther Heydemann, Frankfurter Allgemeine )

Kurzbeschreibung

Wie entwickelte sich aus dem Chaos der Revolutionszeit ein weit verzweigtes, geregeltes, zentral gesteuertes und in seinem Umfang bis dahin beispielloses System zur Ausbeutung von Zwangsarbeit? Welche Bedeutung hatten Zwangsarbeit und Gulag für das sowjetische System? Wie gestaltete sich das Leben in den Lagern?
Dies sind nur einige der Fragen, denen die renommierte amerikanische Journalistin Anne Applebaum in ihrem neuesten Buch nachgeht. Gestützt auf umfangreiches Quellenmaterial aus sowjetischen Archiven, das erst in jüngster Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, und auf zahllose Häftlingserinnerungen und Gespräche mit Überlebenden zeichnet die Autorin das Gulagsystem von seinen Ursprüngen in den Revolutionsjahren bis zu seiner Auflösung in den achtziger Jahren nach.
Applebaum untersucht die wirtschaftliche und politische Bedeutung des Zwangsarbeitssystems, das unter Stalin seinen Höhepunkt erlebte, und gibt zugleich den Opfern eine Stimme. Sie beschreibt den Lageralltag und die Überlebensstrategien der Häftlinge, die besonderen Erfahrungen von Frauen und Kindern in den Lagern, sexuelle Beziehungen und Eheschließungen zwischen Häftlingen, erzählt von Rebellion, Streiks und Flucht.
»Durch die Kombination äußerst sorgfältiger Forschung mit den Erzählungen von Überlebenden erhellt ›Gulag‹ eine Welt, die bislang im Schatten lag«, urteilte Henry Kissinger. Applebaums Werk gilt schon jetzt als Standardwerk und wird in sieben europäische Sprachen übersetzt.



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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Nicht überall, wo es Vernichtungslager und Gulags gibt, herrschen die Kommunisten, aber überall dort, wo die Kommunisten an die Macht kommen, kann man sich darauf verlassen, dass über kurz oder lang ein Gulag-System entsteht. Das ist in aller Kürze die Moral des vorliegenden Standardwerkes über den sowjetischen Gulag, jene neben den Nazi-KZs schrecklichste Vernichtungsinstitution der Menschheitsgeschichte.
:"In den Gulag kommt man nicht, weil man etwas getan hat, sondern weil man etwas ist.", schreibt die Autorin und verdeutlicht damit das Monströs-Unentrinnbare, das dieses System anhaftete. Schon seit Lenin bedeutete das: ab in den Gulag weil man Adliger, Bürger, Kulak, Offizier, Pole oder Balte war - ganz gleich, was man getan hatte. Stalin hat diese Kategorie dann noch ins Absurde gesteigert: auf S. 135 des vorliegenden Buches ist eine Tabelle abgedruckt, in der für das Jahr 1937 genau definiert wurde, wielviel Menschen aus jeder Sowjetrepublik in den Gulag zu überführen seien - wo man sie sich herholte, war gleich. Sie wurden in der Straßenbahn, auf der Straße, in den Betrieben oder einfach nur deswegen verhaftet, weil sie einem Tschekisten über den Weg liefen. Deswegen kennt der sowjetische Gulag auch keine regelrechten Vernichtungslager wie etwa Auschwitz oder Treblinka, sie Kommunisten bevorzugten die hemmungslose Ausnutzung jeder Arbeitskraft bis an den Rande des Todes, und wenn die Häftlinge eines Lagers dann wirklich keine Hand vor Entkräftung mehr heben konnte, wurden sie einfach in Massenexekutionen erschossen. Wie viele erfroren sind, wie viele verhungert, erschlagen, totgeprügelt oder einfach nur bei Arbeitsunfällen ums Leben kamen, wird man nie erfahren. Sicher ist nur eines: es waren Millionen.
Unter alle den schrecklichen und ergreifenden Geschichten, die das Buch nachzeichnet, gibt es eigentlich nur zwei erfreuliche: die erste ist natürlich die Aufhebung des Gulagsystems unter im Jahre 1987 unter dem neuen Generalsekretär Gorbatschow. Die zweite besteht in dem Umstand, dass am Ende der großen Säuberung in den Dreißiger Jahren die Henker des Gulags selbst entweder in den Gulag mussten oder erschossen wurden.
Weniger erbaulich ist, dass nach der Meinung der Autorin eine Aufarbeitung dieser totalitären Gulag-Epoche bis heute in Russland unterblieben ist. Zu viele Menschen sind zu lange von dem System korrumpiert worden, als dass ein Interesse an einer Aufarbeitung bestehen könnte. Möglicherweise liegt in dieser moralischen Proletarisierung, mit der der Kommunismus die Völker unter seiner Herrschaft infiziert, eines der noch viel zu wenig beachteten Spätfolgen dieses totalitären Herrschaftsystems. Die weltanschauliche Einäugigkeit des Westens unterstützt diesen historischen Autismus leider auch noch in verhängnisvoller Weise. Die Autorin vermerkt mit Recht, wie sehr dem Philosophen Heidegger seine Parteinahme für die Nazis geschadet hat. Niemand aber käme auf die Idee, einen kritischen Blick auf Sarte zu werfen, der noch, als das Gulag System und der Sowjetterror europaweit bekannt war, das totalitäre Russland verteidigte.
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35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Volkmar Weiss TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
An meinem ersten Arbeitstag 1970 in Berlin lernte ich einen jungen Kollegen kennen, der - zusammen mit seinen wolgadeutschen Eltern - seine gesamte Kindheit und Jugend im Gulag verbracht hatte. Äußerlich war der Kollege intakt, psychisch aber schwer geschädigt und wurde schließlich zum Mörder an einem alten Mann. Ähnlich verworrene Schicksale haben dann noch mehrfach meinen Weg gekreuzt. Immer drehten sich ihre Erinnerungen um das nackte Überleben in sowjetischen Lagern. Angefangen hatten diese Begegnungen schon um 1950, als in der sowjetischen Besatzungszone seit 1945 tot geglaubte Nachbarn wieder auftauchten und nicht erzählen durften, woher sie kamen. Sachsenhausen, sagte man, und hielt dabei die Hand vor den Mund. Oder Workuta. - Bisher kannte man nur subjektive Erlebnisberichte oder literarisch veredelte, wie Solschenizyns „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch". Das Buch von Anne Applebaum ist die erste herausragende Darstellung des Gulag-Systems von einem eher übergeordneten Standpunkt aus. Die Verfasserin hat umfangreiche Materialien der sowjetischen Archive und die internen Berichte und Statistiken der Lager ausgewertet. Die Vielfältigkeit der möglichen Existenzen wird deutlich, von Dantes Hölle bei den Frauentransporten zur Kolyma bis zu durchaus erträglichen Lebensformen. Allein die Auswertung der Fluchtstatistiken und der Aufstände, das gäbe schon Stoff für mehrere Filme. Dabei hat die Verfasserin nicht alles erfassen können: Bei den Fluchtgeschichten vermißt man z.B. „Soweit die Füße tragen". - Aber erst mündlich weitergegebene Erfahrungen (noch leben ja Personen, die diese Lager überlebt haben), gedruckte subjektive Berichte - am besten ist wohl „Wieso lebst du noch?" von Georg Hildebrandt - und Bücher von der Qualität wie dieses hier von Applebaum geben zusammen einen umfassenden Eindruck von dem, was die Kehrseite der sozialistischen Gemeinschaft in „Der Farm der Tiere" war.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Anne Applebaum beschreibt die Geschichte des sowjetischen GULAG-Systems von seinen chaotischen Anfängen in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts über die volle Entfaltung bis zu Stalins Tod 1953 und darüber hinaus. Zum Unterschied von Werken Solschenyzins oder Warlam Schalamows geht es in dem Buch nicht vorrangig um Schilderungen einzelner Erlebnisse, sondern um eine umfassende Darstellung der Lager und der Wege, die in die Lager führten. Auch gut eingelesene und vorinformierte LeserInnen erfahren veil Neues, z.B. dass die Lager im nordöstlichen Sibirien (Kolyma) auf dem Landweg gar nicht erreichbar waren, sondern dass die politischen Häftlinge zuerst wochenlang in den fernen Osten nach Wladiwostok transportiert wurden und dann per Schiff an Japan vorbei nach Norden an die Kolyma verbracht wurden. Die Beschreibungen sind sehr exakt und oft berührend, gleiten aber nie in Sensationsjournalismus ab. Es gelingt der Autorin, ein umfassendes und realistisches Bild eines unmenschlichen und unglaubliche Menschenmassen verschlingenden Lagerkomplexes zu zeichnen, der über mehr als 50 Jahre ein Sechstel der Landmasse der Welt mit mehr als 200 Millionen EInwohneren beherrscht hat.
Der GULAG hat sich tief in das kollektive Bewusstsein und Unterbewusstsein der Menschen der ehemaligen Sowjetunion eingegraben und ist auch heute noch stark tabuisiert. Wie die Autorin selbst schreibt, steht die Geschichte des GULAG erst am Beginn der Aufarbeitung und darüber hinaus fehlt in den nicht betroffenen Teilen der Welt (z.B. Mittel- und WEsteuropa) ein realistisches Bewusstsein über die Dimension dieses jahrzehntelangen Grauens noch heute.
Wer sich für die Geschichte des 20. Jahrhunderts interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Sehr lesenswert und auch als Geschenk zu empfehlen !
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