... ist Jürgen Luhs neuestes Werk "Der Große. Friedrich II. von Preußen." Luh entwirft ein neues, sehr deutlich von bisherigen Darstellungen abweichendes Bild des Preußenkönigs, über das nachzudenken wirklich lohnenswert ist. Auf die hieraus erwachsende Diskussion unter Historikern über Luhs Thesen darf man schon jetzt gespannt sein.
Luhs Werk ist keine Biographie im klassischen Sinne. Dem Autor geht es darum, die wesentlichen Züge der Persönlichkeit Friedrichs aufzuzeigen und hieraus dessen Leben, Handeln und Werk zu erklären. Auf breiter Quellenbasis fußend bringt Luh seine Charakterisierung des Preußenkönigs sehr eloquent, zielsicher argumentierend und sehr unterhaltsam vor. Er zieht in seiner Argumentation vor allem die schriftlichen Selbstzeugnisse Friderichs und Darstellungen zahlreicher Zeitgenossen heran. Der Leser kann der Argumentation des Autors jederzeit leicht folgen, auch wenn die Verwendung der Nachweise etwas von der üblichen Form der Fuß- bzw. Endnoten abweicht. Luh gelingt es durchgehend, seine aufgestellten Thesen durch entsprechendes Heranziehen von Quellen bestechend zu untermauern.
Luh hat die Kapitel seines Buches nach den seiner Meinung nach hervorstechenden Eigenschaften Friedrichs benannt. Er beginnt sein Werk mit dem Kapitel Ruhmsucht", zugleich das umfangreichste aller Kapitel. Aus Luhs Sicht war die Ruhmsucht die treibende Kraft im Leben Friedrich des Großen. Anhand der Schriften Friedrichs sowie der Äußerungen zahlreicher Zeitgenossen des Königs, kommt der Autor zu dem Schluss, dass Friedrich zielstrebig und konsequent den Ruhm gesucht hat und diesen sowohl als Feldherr, als auch als Philosoph erwerben wollte, um seinen Namen im Gedächtnis der Nachwelt für immer festzuschreiben. Diesem Ziel ordnete er alles andere unter. Daher nahm Friedrich auch sofort die sich bietende Gelegenheit zur Kriegseröffnung 1740 war und führte den Angriff auf Schlesien, um den eigenen Ruhm zu mehren. Er befehligte dabei persönlich seine Truppen im Feld, um auch den persönlichen Status als erfolgreicher Feldherr zu erlangen.
Nach dem zweiten Schlesischen Krieg galt Friedrich II. als erfolgreicher Feldherr. Ein Ruf, den es im siebenjährigen Krieg zu verteidigen galt, denn Friedrich war klar, sollte er Schlesien wieder verlieren, würde auch sein Ruhm darunter leiden. So war der Angriff auf Sachsen und die Eröffnung des Krieges nur die logische Konsequenz aus Friedrichs Streben nach Ruhm. Um sich selbst zu glorifizieren, schrieb Friedrich dann auch seine Geschichte des Siebenjährigen Krieges nieder. Aus Luhs Sicht war dies eine weitere Tat mit Berechnung, konnte Friedrich doch so das von ihm geschaffene Bild des Krieges verbreiten, seinen eigenen Ruhm mehren und seine eigenen Fehler minimieren.
Auch in den folgenden Kapiteln zitiert und interpretiert Luh kritisch und intensiv die Quellen. Er geht dabei auf die aus seiner Sicht weiteren, den Preußenkönig Friedrich II. im Besonderen kennzeichnenden Eigenschaften ein. Dies sind zunächst die Hartnäckigkeit, eine Friedrichs Handeln stetig bestimmende Größe und der Eigensinn, die wohl größte Schwäche des Preußenkönigs. Als sehr positive Eigenschaft bewertet Luh die Einsicht in eigene Fehler und Fehleinschätzungen, die Friedrich zwar aus königlichem Selbstverständnis heraus nicht öffentlich zeigen konnte, die sich aber in vielen seiner Schriften wiederfindet und für viele Äußerungen innerhalb eines kleinen Kreises Vertrauter belegt ist. Diese Einsicht in eigene Fehler unterscheidet Friedrich nach Ansicht des Autors deutlich von der Masse der übrigen Herrscher seiner Zeit.
Auch in diesen drei Kapiteln versteht es Luh seine Thesen zielgerichtet zu untermauern und mit den notwendigen Zitaten zu unterfüttern. Allerdings möchte ich nicht zuviel vorwegnehmen, denn dieses Buch sollte man unbedingt selbst lesen.
Für mich war es ein Genuss, die scharfsinnige und klare Argumentation Luhs nachzuvollziehen, seine feinsinnige Kritik an anderen Werken über Friedrich den Großen und die zahlreichen, natürlich in den Zusammenhang passenden, Zitate zu lesen. Gute Kenntnisse über Friedrich den Großen sind für das Verständnis des Buches äußerst hilfreich, solide Grundkenntnisse auf jeden Fall die Voraussetzung. Wie bereits an anderer Stelle festgestellt, handelt es sich bei diesem Buch nicht um eine Lebensbeschreibung des Preußenkönigs, sondern ein, und das kann vorweg gesagt werden, gelungenes Persönlichkeitsbild dieses außergewöhnlichen Menschen.