Matti Rönkä ist Medienmensch und Nachrichtensprecher, kein Schriftsteller. So kommt sein erster Roman um den Privatdetektiv Viktor Kärppä auch etwas unentschlossen daher. Er vereinigt Elemente der klassischen Pulp Novel (die Länge von nur 220 Seiten; der alleingängerische Detektiv, der aus der Ich-Perspektive erzählt; der konsequent chronische Ablauf der Geschehnisse), des aktuellen Politthrillers (das Durcheinander nach dem Zusammenbruch der UdSSR; die Verzahnung von Geheimdienst, Polizei und organisiertem Verbrechen) und des modernen (skandinavischem?) Kriminalromans, der dem Leser auch immer etwas über die herrschenden Verhältnisse, hier die schwierige Konstellation zwischen Esten, Russen und Finnen im Dreiländereck, erzählen will.
Und auch stilistisch kann Rönkä sich nicht so ganz entscheiden, so verfolgt er einige viel versprechende Fäden nicht weiter (der erzreaktionäre Buchhändler), mit dem durchaus positivem Effekt die Geschichte schlank zu halten, andererseits werden andere Sachverhalte so schlampig bis gar nicht erklärt (Sirje und ihre Familie; Wer hat nun genau wen warum bestohlen?), dass ich mich frage, warum der Autor es überhaupt so kompliziert gemacht hat.
Nur ein kleines Detail, aber passend zu seiner Unentschlossenheit hat der Autor der konsequenten Ich-Perspektive einen Prolog vorangestellt, der aus der 3.Person erzählt vier verschiedene Protagonisten an unterschiedlichen Schauplätzen vorstellt. Warum auch immer.
Aber genug der Meckerei. Trotz aller Unzulänglichkeiten ist das ein kurzweiliges Buch, ich habe es an einem Tag durchgelesen. Das Buch folgt durchaus einem roten Faden, die Charaktere sind relativ glaubwürdig und die Atmosphäre des täglichen Wahnsinns im Dreiländereck wird gut dargestellt, ohne dass sie mit einem hanebüchenem Overkill (Atombombenschmuggel oder ähnlichem) überladen wird. Das liest sich so weg und ist durchaus spannend.
Ein Gedanke noch zum Schluss: Das Wissen um die Animositäten zwischen Finnen, Russen und Esten wird vorausgesetzt, nicht etwa erklärt. Ein Zeichen vielleicht, dass der Autor gar nicht daran gedacht, für ein internationales Publikum zu schreiben? Wenn es so wäre, fände ich das gar nicht unsympathisch.
'Zur Wertung: "Der Grenzgänger"' ist kein großes Buch und auch kein verstecktes Juwel. Aber so gut, dass ich beizeiten mal den Nachfolger zur Hand nehmen werde, ist es doch. 3 Sterne.