Bereits anno 1930 erschien unter der Regie von Richard Eichberg ein gleichnamiger Film mit Hans Albers in der Titelrolle. Bei dem hier vorliegenden Werk handelt es sich hingegen um die Produktion aus dem Jahre 1957/58, die aber keinesfalls ein Remake des damaligen Stoffes beinhaltet. In diesem spannenden Kurt Ulrich-Film steckt Autor Curt J. Braun den gereiften Albers in die Rolle des Kriminal-Oberkommissar Otto-Friedrich Dennert, der ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt pensioniert wird, als er mitten in den Ermittlungen eines großen Falles steckt. Den bekommt nun sein Sohn Harry (Hansjörg Felmy) übertragen, was prompt auch zu familiären Konflikten führt. Der Senior verfolgt nämlich privat und mit seinen eigenen Methoden die Spuren weiter, die er in seiner Dienstzeit bereits aufgenommen hatte. Dabei gerät nicht nur der "alte Hase" selber in gefährliche Situationen.......
Regisseur Eugen York setzte das Gespann Albers/Felmy in der Vater/Sohn Kombination bereits in dem nur wenige Monate zuvor uraufgeführten Streifen DAS HERZ VON ST.PAULI (1957) ein. Mit DER GREIFER gelingt abermals ein wunderbares Werk, in dem Elemente des klassischen Krimis mit der atmosphärischen Dichte eines typischen Hans Albers-Film verschmelzen. Neben den beiden Protagonisten glänzen weitere hochkarätige Mimen, wie z.B. Susanne Cramer, Horst Frank, Siegfried Lowitz, Werner Peters und die unübertroffene Agnes Windeck. Für mich zählt dieser Film zum besten cineastischen Spätwerk in der Karriere von Hans Albers, auch wenn es damals an den Kinokassen nicht den ganz großen Erfolg einspielte. Bleibt zu hoffen, daß KINOWELT auch die dritte Regiearbeit von Eugen York mit Hans Albers noch nachschiebt und DER MANN IM STROM (1958) ebenfalls veröffentlichen wird.
Die DVD-Umsetzung ist befriedigend gelungen. Das Material wurde zwar nicht aufwändig restauriert, zeigt sich aber immerhin etwas nachbearbeitet. Dennoch verbleiben Passagen, in denen das Bild gehäuft weiße Blitzer aufweist oder stärker grieselt. Der Schwarzweiß-Kontrast ist hingegen durchweg ausgezeichnet, auch am Ton gibt es nichts zu mäkeln. Kaum Nebengeräusche oder stärkeres Rauschen. Dennoch kein zerfiltertes Klangbild, das Audio kommt gut verständlich und ohne nennenswerte Zerrungen rüber. Neben kurzen Biografien und Vorschau auf andere DVD-Titel bietet das Bonusmaterial den Original-Kinotrailer des Films. Und der ist in seiner speziellen Machart ein ganz besonderes Zeitdokument für alle Cineasten dieser Epoche. Wer sich auf den Film einstimmen möchte, kann übrigens genau diesen Trailer (zumindest derzeit noch) auf der HP von KINOWELT anschauen.
Fazit: Mit diesem Klassiker ist erneut eine Lücke bei den Hans Albers Filmen auf DVD geschlossen. Ein Pflichtkauf für die zahlreichen Verehrer des blonden Hans, und allen Liebhabern des älteren deutschen Films sei er ebenfalls ans Herz gelegt. Von der Gesamtbewertung dürfte ich objektiv nicht mehr als 4 Sterne vergeben, doch DER GREIFER gehört zu meinen Lieblingsfilmen von Albers. Deshalb sehe ich über die leichten Mängel der Bildqualität befangen hinweg und punkte mit 5 Sternen ;-)