Sehr eigenwillig inzenierte Mixtur aus Hörbuch und Hörspiel. Die Version wirkt auf jenen Interessenten, der Originalbuch oder eine der besseren Spielfilmversionen kennt, ein wenig befremdlich. Leisten sich doch die Macher des Hörspiels kreative Ausflüge ins fiktive wie folgt: Da wird aus dem weisen Abbé Faria, Edmont Dantès Zellengenosse während der Haft auf Chateau d'If, im weiteren Verlauf des Hörspiels eine Jenseitsgestalt, die post mortem Einschätzungen und Ratschläge an den Grafen von Monte Christo erteilt. Der Graf selbst wird zum mutmaßlichem Giftmörder herabgewürdigt, was dem Autor des Originalstoffes wohl doch eher einer Fledderei seiner eigenen Idee gleichkäme. Alexandre Dumas würde im Grabe rotieren, erführe er von den Veränderungen, die sich das Hörspiel leistet. Die Mittel und die Moral, die Dumas in seinem Werk als angemessen darstellte, sind Herzstücke des Originalkonzepts und Dumas gab sich alle Mühe, für den Helden der Geschichte eine rechtfertigende Instanz zu schaffen. Denn der erbarmungslose Rachefeldzug des Grafen von Monte Christo wurde im Originalbuch mit fast ehrenwerter Gesinnung durchgeführt und in der Absicht, dem Leser zu vermitteln, daß Ungerechtigkeit Rache nach sich ziehen kann und daß die Inzenierung der Rache zu einer Sache werden kann, der sich selbst ein geläuterter Gentleman oder Chevalier bedienen darf, wenn die Grundlage dazu gegeben ist. Raffiniert waren die Mittel des Protagonisten im Originaltext, aber niemals hinterhältig oder meuchelnd wie hier in diesem Hörbuch angedeutet. Die Hauptverschwörer erhielten ihre Strafe, weil sie der Schmeichelei verfielen oder der Habgier oder der Geltungssucht oder auch wegen der eigenen Verfehlungen innerhalb der eigenen Vergangenheit. Diese wichtigen Merkmale und auch die Vielschichtigkeit des Originalstoffes können auf keinen Fall in so ein kurzes Hörspiel hineingepresst werden. Die Erzählweise wirkt - vermutlich auch wegen der Masse des zu bewältigenden Textes - eher gehetzt und selbst wenn man mit dem Stoff vertraut ist, dürfte man - aufgrund des Tempos - Probleme damit bekommen, dem Leitfaden und Teilen der Handlung dieses Hörspiels folgen zu können. Zwei prominente Sprechstimmen habe ich herausgehört, dafür den einen Stern in meiner Bewertung. Die Kapitel werden marginalisiert von Musikeinlagen, die sehr an den Nerven zerren. Barocke Musik (wie bei "Die Schatzinsel" aus dieser Hörspielreihe) wäre sicherlich die bessere Wahl gewesen. Die verwendete Musik wird hier zum Ärgernis, weil zu nervenaufreibend. Insgesamt eher enttäuschend, weil Kapitel für Kapitel fast wirken, wie eine Aneinanderreihung von Inhaltsangaben.