Ob ein Hörspiel eine Erzählerin oder einen Erzähler braucht, ist letztlich eine Frage, wie gut sich das Geschehen und die Gefühle in Dialoge verpacken lassen. Gerade hier bewegt sich das Gruselkabinett in letzter Zeit des öfteren an der Grenze dessen, was ohne Erzählstimme zu bewältigen ist.
Hier haben wir nun ein offensichtliches Beispiel dafür, dass Grusel und Horror durch Worte dermassen banalisiert wird, dass die Atmosphäre deutlich darunter zu leiden beginnt. Zwar macht Titania Medien nicht den offensichtlichen Fehler mit Dialogen wie: "Ich schlage jetzt von rechts zu und du fliegst in hohem Bogen nach links" oder ähnliches. Nichtsdestotrotz quasseln der verängstigte Vater und sein Sohn in Sequenzen von höchstem Stress und Todesängsten stets bildsprachlich genau, was jetzt exakt geschieht. Als ob es in Wirklichkeit den Betroffenen nicht vor Panik fast die Sprache verschlägt, sie atemlos vor Schrecken macht, etc. Das Problem ist: wenn man realistischere Dialoge führen würde, die der gespielten Situation gerecht werden, würde man die Abläufe kaum mehr verstehen. Dieses scheinbare Dilemma liesse sich wiederum wunderbar mit einer Erzählstimme lösen, die das, wofür den Protagonisten fast die Worte fehlen, problemlos kompensieren kann, ohne dass die "Glaubwürdigkeit" darunter zu leiden hätte.
Nun, man hat sich auch hier wieder dagegen entschieden, obschon nicht jede Geschichte dafür geeignet ist, ohne Erzähler auszukommen. Insofern erscheinen vor meinem geistigen Auge beim Hören stets die Schauspieler, die schauspielern, dass jetzt etwas Schreckliches vor sich geht. Anstatt dass die fiktive Realität mich völlig in ihren Bann zieht, lässt sie mich kalt - und nervt zeitweise sogar, weil dieser Effekt sonst eher bei schlechteren Produktionsschmieden auftaucht. Da findet bei Titania ein Qualitätsabbau statt, echte Ermüdungsserscheinungen, die sich in letzter Zeit häufen. Ein Blindkauf wie früher ist heutzutage nicht mehr möglich, und die Rezensionen hier sind mehrheitlich positiv, was mich überrascht. Denn alleine deswegen habe ich mir die CD gekauft - und bin doch einigermassen enttäuscht über das mittelmässige Ergebnis.
Nicht zum ersten Mal muss ich auch hier festhalten: es ist nicht die technische Produktion, die ich bemängle. Das Drehbuch und teilweise auch die Regie, welche die Schauspieler zum gewünschten Ergebnis führen soll, sind Ursache für die Qualitätseinbusse. Weniger verunglückte Sherlock-Holmes-Ausflüge und vermehrte Konzentration auf das, was dem Gruselkabinett gebührt, wären hilfreich. Erfinden sie sich neu, meine Herren. Sie haben Grosses für den Hörspielbereich geleistet - ich bin überzeugt, der Funke ist noch da. Lassen sie ihn wieder neu erstrahlen!