Vikram Chandra erzählt in seinem Roman zwei Lebensgeschichten. Die eine ist die des Polizisten Sartaj Singh, der seine tägliche Polizeiarbeit in einer weitgehend korrupten Gesellschaft verrichtet. Alle bereichern sich, und auch Singh bildet dabei keine Ausnahme – dass er keine größeren Summen an sich nimmt, unterscheidet ihn schon von seinen Kollegen. Parallel dazu erzählt der Autor den Aufstieg des Gangsterbosses Ganesh Gaitode, der sich die Unzulänglichkeiten des indischen Systems skrupellos zu nutze macht: innerhalb von wenigen Jahren baut er eine riesige Organisation auf, die mit Schutzgeldern, Waffen- und Drogenhandel viel Geld und Macht gewinnt.
Chandra gelingt es in seinem spannenden Roman, die extrem gegensätzlichen gesellschaftlichen Verhältnisse Indiens zu beleuchten: hier Armut, dort schillernder Reichtum, hier modernes High-Tech-Business, dort strenge Kasten-Schranken und Reste britischen Kolonialgehabes. Immer wieder geht er dabei auch auf den pakistanisch-indischen Konflikt ein, der vom Religionskampf zwischen Hindus und Moslems überlagert wird und die Region bereits mehrfach an den Rand eines Krieges führte – obwohl die Menschen untereinander oft gar keine Probleme miteinander zu haben scheinen. Ein spannender Krimi, nicht nur für Interessierte der schillernden Metropole auf dem indischen Subkontinent. Fortsetzung folgt.