Helen wächst in Poughkeepsie mit ihrer Mutter auf, die beiden vermieten Sommerhäuser an Touristen. Jetzt, nach dem Tod des Vaters, schickt die Mutter ihre Tochter nach New Orleans. Angeblich, um die Schwester Lulu zu überreden, ebenfalls nach Poughkeepsie zu ziehen.
Doch Lulu hat nicht die geringste Lust aus dem Quarter, dem Boheme-Viertel New Orleans in die Provinz des Staates New York zu ziehen. Helen findet in New Orleans eine Stelle, ein Zimmer bei einem Künstlerehepaar und erlebt voll Staunen die ihr fremde Welt der Boheme des Südens. Lulu, die säuft, ihr Freund Lem, der sie magisch anzieht und Nina, die ihre beste Freundin wird. Nicht zu vergessen Claude, der aus bester Südstaaten-Familie kommt und schwul ist. Doch darüber redet man nicht, nicht mal in der Boheme konnte das damals direkt angesprochen werden. Überhaupt gibt es auch dort vieles, was besser unausgesprochen bleibt. Selbst der Ausbruch des zweiten Weltkriegs scheint sich hinter den Kulissen abzuspielen.
Paula Fox ist eine Meisterin der Beschreibung, der Andeutung, kann die alltäglichsten Szenen schildern und lässt gleichzeitig ahnen, was dahinter schwelt. Auch in diesem Buch zeigt sie ihre Meisterschaft. Sie zieht die Leser in den Roman hinein, nicht wie in einen Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen kann, eher wie ein Stilleben, das bei jedem Betrachten immer neue Aspekte und unerwartete Einblicke zeigt. Fox schreibt Bücher, die langsam gelesen werden wollen.
Leider stehen in diesem Band aber auch viele Szenen, in denen ihre sonst so sichere Hand für Beschreibungen versagt. Da liest man plötzlich Metaphern, die nur hingeschrieben scheinen, um den Leser zu blenden, Beschreibungen, die so gar nichts zur Stimmung beitragen, L'art pour l'art, höchst ungewöhnlich für die sonst so geniale Autorin.
Auch der Schluss, der in den Sechziger Jahren spielt, misslingt ihr zur Farce. So hinterlässt der Roman zwiespältige Gefühle. Wer Paula Fox kennen lernen möchte - und das lohnt sich unbedingt! -, sollte jedenfalls mit einem anderen Roman von ihr beginnen, vielleicht "Luisa" oder dem Essayband "Der kälteste Winter".
(C) Hans Peter Roentgen