Bei dem vorliegenden Film handelt es sich um Paul Wegeners dritten, im Jahr 1920 erschienenen "Golem"-Film mit dem Titel "Der Golem, wie er in die Welt kam". Diesem Film gingen der mit Henrik Galeen als Co-Regisseur gedrehte "Der Golem" (1914) und "Der Golem und die Tänzerin" (1917) voraus.
Wegeners Film liegt die jüdische Legende vom Golem zugrunde, jenem Geschöpf aus Lehm, das durch kabbalistische Magie zum Leben erweckt wird. Mit überirdischen Kräften ausgestattet, verheisst er einem Volk, dem Unheil droht, Hoffnung und Heil. Jedoch hat der nicht unmittelbar göttliche, sondern durch magische Formeln abgeleitete Geist des Golems auch dämonische Züge. Gerät er ausser Kontrolle, wird aus dem vormals treuen Diener und Heilsbringer ein unberechenbares Monstrum.
Der Film spielt im Prag des 16. Jahrhunderts, wo Rabbi Löw, der geistliche Führer der jüdischen Gemeinde, in den Sternen liest, dass seinem Volk Unheil droht. Er beschliesst, einen Golem zu erschaffen, der das kommende Schicksal abwenden soll. Das Unheil nimmt bald Gestalt an, als der Junker Florian, ein Abgesandter des Kaisers, erscheint und verkündet, die Juden hätten binnen eines Monats wegen unchristlicher Bräuche die Stadt zu verlassen. Junker Florian ist beeindruckt von der Schönheit von Löws Tochter Miriam und bemüht sich ungeniert um ihre Gunst, während der Rabbi und sein Famulus (Assistent) den Golem vollenden und ihn mit einem magischen Amulett, dem Schem, auf dessen Brust zum Leben erwecken. Zum Fest der Rosen zieht der Rabbi mit seinem Geschöpf zum kaiserlichen Hof, um Verständnis und Sympathie für sein Volk zu wecken. Die Visionen und Warnungen des Rabbis sorgen nur für Gelächter, aber die Lacher werden bestraft: der Palast erzittert in seinen Grundfesten und beginnt einzustürzen. Dank der übermenschlichen Kräfte des Golems kann das Leben des Kaisers gerettet werden, der daraufhin seinen Erlass zurücknimmt. Wegen einer folgenden ungünstigen Sternenkonstellation muss der Rabbi seinen treuen Diener wieder zu einer leblosen Statue werden lassen, da dieser mordlüstern zu werden droht. Doch sein Famulus, der die vom Junker Florian umworbene Miriam anbetet, erweckt ihn in rasender Eifersucht wieder zum Leben. Der nicht mehr kontrollierbare Golem tötet daraufhin den verhassten Nebenbuhler, steckt das Ghetto in Brand und schleift Miriam an den Haaren hinter sich her. Erst ein kleines Kind, das dem Golem einen Apfel schenkt und ihm den Schem von der Brust nimmt, wird zum Retter in der Not und Erlöser des Ungetüms.
Der Film lebt vom ausdrucksstarken Spiel seiner Darsteller, allen voran der "Golem" Paul Wegener (Regie und Titelrolle), und den expressionistischen, teils jugendstilartigen Filmbauten Hans Poelzigs, die die suggestiven Bilder und unheilvolle Atmosphäre massgeblich unterstützen. Poelzigs aus Lehm geknetete, organisch anmutende Ghettostadt mit den windschiefen Häuschen, bizarren Dächern und engen Gassen ist eine architektonische Ausgestaltung des Themas "Golem", der die mit ihm verbundene Umgebung geradezu zu atmen scheint. Die hohe Virtuosität dieser "Architektur-Dichtung" im 1920er "Golem" ist wohl bis heute einzigartig in der Filmgeschichte.
Mit dem 1920er "Golem" fügen die Murnau-Stiftung/Transit Film ihrer "Transit Classics" DVD-Reihe ein weiteres Glanzlicht des deutschen (Stumm-)Films hinzu. "Der Golem" kommt, wie die anderen Filmklassiker der Reihe, in edler Verpackung mit Pappschuber und informativem Beiheft, sowie einer ausführlichen filmhistorischen Dokumentation und Bildergalerie auf der DVD. Die Bildqualität des Films dieser DVD erreicht zwar nicht das hohe Niveau der Restaurierung des Welthit-Klassikers "Metropolis" aus gleichem Hause, ist aber angesichts seines Alters auf jeden Fall als gut zu bezeichnen.
Diese "Golem"-DVD ist ein echter Kauftipp für alle Klassiker-Freunde, sowie für alle, die das zeitlose Thema "Golem" und künstliche Menschen generell interessiert - Zugreifen und geniessen!