Ich bin auf diesen Roman gestoßen, weil ich "der Brief für den König" und "der Wilde Wald" gelesen hatte, und nun weitere Bücher von Tonke Dragt lesen wollte. Das war schätze ich, als ich 9 oder 10 Jahre alt war.
Die Geschichte ist bekannt:
Die Zwillingsbrüder Jiacomo und Laurenzo sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Als Jiacomo und Laurenzo schließlich so weit sind, sich zu entscheiden was sie ihr Leben über tun wollen, werden die Unterschiede zwischen ihnen deutlich:
Laurenzo tritt in die Lehre bei einem Goldschmied, während der abenteuerlustige Jiacomo von einem Meisterdieb lernt. Weiterhin entstehen Verwechselungen, was bei solch unterschiedlichen "Berufen" natürlich interessant wird.
Mit viel Humor, Moral und Spannung werden die Abenteuer der beiden erzählt.
Ich möchte mal einen beispielhaften Auszug präsentieren:
"Jiacomo ging mit seinem Hund über den Marktplatz. Er sang ein lustiges Lied. Er war mit seinem Plan sehr zufrieden. Laurenzo und er würden abwechselnd in die Schule gehen; dann lernten sie genug und konnten auch noch draußen spielen. In der Schule würde man denken, dass es nur einen Jungen gäbe, der Laucomo hieße. Ja, das hatte er sich gut ausgedacht. Er überlegte, was er jetzt tun sollte. Er konnte überall spielen - nur nicht zu nahe am Elternhaus oder an der Schule. Wie mochte es wohl Laurenzo jetzt gehen? Er vermisste ihn;
bis jetzt hatten sie immer zusammen gespielt...
Eine Woche später sagte Bruder Thomas zu Bruder Augustinus, der die höheren Klassen unterrichtet: <<Dieser Laucomo ist ein netter Junge; aber ich weiß noch nicht so recht, woran ich mit ihm bin. Einmal benimmt er sich so, und einmal so. Und er kann oft so vergesslich sein! Manchmal weiß er sogar nicht mehr, was ich am Tag zuvor gesagt habe.>>"
Der Aufbau des Romans ist wirklich interessant. Der Roman ist in zwölf Geschichten unterteilt. Eingeleitet wird eine solche immer mit einem netten passenden Zitat aus anderer berühmter Literatur (nicht nur hier werden die Fähigkeiten und ihr Wissen deutlich). Dann folgt die Geschichte und abgeschlossen wird das Kapitel dann mit einer Art biographischen Zusammenfassung des Lebens (bis zu dem Zeitpunkt des Kapitels) der beiden Brüder.
Der Erzählstil ist der eines Märchens.
Zur Ausgabe an sich: Ich habe eine ältere Ausgabe, aber auch vom Verlag Freies Geistesleben. Ich denke es sind Rückschlüsse auf die derzeit aktuelle Auflage möglich. Mein Buch ist jedenfalls sehr schön, fast jede fünfte Seite wartet mit einer stimmigen Illustration auf. Der Einband ist ebenfalls einfach klasse. Also wer sich für die gebundene Version entscheidet, hat nicht nur ein gutes sondern auch schönes Buch fürs Regal.
Fazit: Eine süße, nette und lehrreiche Geschichte für Kinder.
Weitere Bücher von Tonke Dragt, die ich empfehlen kann: "Brief für den König", "Der wilde Wald", "Das unheimliche Fenster".