Von Cäsar Claudius bis Titus zeichent Philipp Vandenberg ein Zeitbild der römischen Bevölkerung aus der Sicht des Gladiatoren Vitellius, der mit 17 Jahren als Kesselflicker nach Rom kommt um sein Glück zu versuchen. Doch kaum angekommen erfährt er schon, dass Rom keine Kesselflicker mehr braucht, dafür nimmt sich ihm sehr schnell die schönste Hure der Stadt an, die sich als keine geringere als Messalina, die nymphomanisch veranlagte Frau des Cäsaren Claudius entpuppt. Diese ist es auch, die ihn dazu drängt Gladiator zu werden, denn Brot und Spiele sind es, nach denen das Volk verlangt und mit denen ein Gladiator sein Glück machen kann.
So unwahrscheinlich diese Geschichte auch beginnt, so spannend geht sie weiter. Vitellius erlebt Höhen und Tiefen in der verruchten Stadt Rom die wohl nicht zu Unrecht den Beinamen Babylon erhielt. Von Orgien und blutigen Spielen, inszenierten Seeschlachten bei denen alle Beteiligten zur Freude der Massen ihr Leben lassen über Verschwörungen zum brennenden Rom unter Nero bis zu Massenhinrichtungen von Christen führt Philipp Vandenberg mit seinem moderaten Erzählstil durch turbulenteste Geschehnisse, bei denen man dennoch nie den Faden verliert. Durch die üblich akribischen Recherchen beschwört er ein sehr lebendiges Bild von Rom herauf bis er einen am Ende mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurücklässt.
Ich hielt es ja kaum für möglich, dass Philipp Vandenberg nicht nur informative sondern auch noch spannende historische Bücher schreiben könnte, aber mit diesem hier ist es ihm zweifelsfrei gelungen. Was in "Augustus Die geheimen Tagebücher" noch plattes Papier blieb, ersteht hier zu einer lebenden Stadt die verruchter und blutgieriger kaum sein könnte. Mit Vitellius, den es tatsächlich gegeben hat, entleiht sich Philipp Vandenberg einen Protagonisten aus der Geschichte, mit dem man mitfiebern kann. Wollte er doch anfangs gar kein Gladiator werden, hatte sogar Angst davor, wurde er schon bald süchtig nach dem Gejohle der Massen. So erkunden wir Rom durch die Augen eines "Dorfbewohners", mit der gleichen naiven Art mit der wir heute vielleicht vor einer Stadt wie New York stehen würden, nur mit dem Unterschied, dass Rom eben doch ein Dorf ist, in der man bald viele einflussreiche und interessante Charaktere kennen lernt.
Kurz sei noch erwähnt, wenn ich nur die ersten zehn Seiten dieses Buches zusammenfassen sollte, so bräuchte ich dazu wenigstens 9 Seiten, so angefüllt mit Handlung und neuen Eindrücken ist es, deshalb empfehle ich dringlichst, bei Interesse sich selbst ein Bild über das Buch zu verschaffen, da ihm keine Rezension auch nur halbwegs gerecht werden könnte.
Das einzige was ich wirklich zu bemängeln haben an diesem Buch ist, dass der Rückentext zu "Die Tochter der Aphrodite", also einem anderen Buch von Philipp Vandenberg, gehört. Ein erstaunlicher Fehler, bei dem es mich wundert, dass das Buch trotzdem so in den Verkauf gelangt ist, aber den Fehler kann man wohl nicht dem Autor anlasten.