Wirklich schade! Wieder einmal wurde dieser Film mit tollen Kulissen, Kostümen, Schauspielern, Dialogen und Musik durch den Einfluss des typisch amerikanischen "Mainsdream-Publikums" zerstört.
Doch gehen wir das ganze differenzierter an.
Der Film vermag insgesamt (trotz TV-Produktion) durch eine gute Ausstattung (Innenszenen Notre Dames) und gelungener Atmosphäre zu begeistern. Von den schauspielerischen Leistungen überzeugt vor allem Derek Jacobi als, gar nicht mal so finsterer Domprobst Claude Frollo.
Sehr gelungen finde ich, dass der Film verstärkt auf die guten Seiten des "armen Priesters" eingeht, was in anderen Filmen (Charles Laughton-Version) oft vergessen wird. Jacobi spielt schlichtweg grandios.
Besonders die Szene als er Esmeralda das erste mal sieht und es ihm die Sprache verschlägt... Genial!
Lesley-Anne Down überzeugt als Esmeralda (ungeschlagen bleibt weiterhin Salma Hayek). Sie vermag es, die Traurigkeit Esmeraldas nach dem Mord an Phoebus (zu oberflächlich der Auftritt Robert Powells) und ihre seelische Zerissenheit in Bezug auf Quasimodo sehr gut in Szene zu setzen. Eher schwach gerät aber die Darstellung des "flatterhaften Schmetterlings in Gestalt eines jungen Mädchens" (Victor Hugo).
Gänzlich flach bleibt die Darstellung des Clopin Trouilfou, welcher hier als sabernder Tyrann dargestellt wird, welcher nur auf Diebereien und Schurkereien aus ist. Die tiefergehende Bedeutung und Personifizierung dieses Anführers der "Sans-papiers" bleibt unbeachtet.
Gerry Sundquist spielt einen guten Pierre Gringoire, aber seine Darstellung geht leider an der völlig idiotischen Handlung und Entwicklung des Films, sowie der Beziehung Gringoires zu Esmeraldas flöten. Doch dazu später.
Dann wäre da noch Anthony Hopkins: Er überzeugt auf ganzer Linie (wenn man den Film in der Orginalsprache ansieht, denn die Synchronisationsstimme Quasimodos ist wirklich furchtbar.).
Warum der Film nur drei Sterne bekommt liegt an der, dem Roman Hugos völlig widersprechenden Handlungsentwicklung.
1) Gringoire und Esmeralda werden keinesfalls am Ende ein Paar (im Orginal lässt Gringoire Esmeralda im Stich, anstatt, wie in diesem Film, sie heroisch der Kirche zu entreißen.).
2)Esmeralda gelingt ihre Flucht nicht (schon gar nicht mit Gringoire).
3) Frollo wird nicht von Quasimodo an einem Nagel "aufgespießt", sondern wird von ihm vom Turm gestürzt.
4) Quasimodo stirbt nicht auf der Flucht vor Soldaten durch einen Sturz vom Turm. Er stirbt friedlich neben Esmeraldas Leiche in Montfaucun.
Insgesamt ein Film mit guten Ansätzen, welcher aber durch die vollkommen unsinnige happy-end-Handlung zerstört wird. Hugo würde sich im Grab herumdrehen bei dieser Verdrehung der von ihm so sorgfältig durchdachten Handlungstränge.
P.S: Wegen des Kurzauftrittes von John Gielgud als Jacques Charmolue hätte ich gerne noch einen halben Stern mehr gegeben, aber da dies nicht geht bleibt es nei drei. ;-)