Wie man (auch) an der schieren Zahl der Rezensionen sehen kann: das Buch lässt einen nicht kalt. Das liegt sicher am Thema - aber auch am, vor allem zu Anfang, recht flüssigen Stil des Autors. Und so seltsam das auch klingen mag: sowohl die positiv als auch negativ Urteilenden meiner Vorrezensenten haben recht. Um nicht zu wiederholen möchte ich lediglich noch einige Stichpunkte anführen:
- Leider krankt das Buch daran, dass der ziemlich reißerische Titel nicht das zusammenfasst, worum es in dem Buch hauptsächlich geht. Wer Analyse und Systematik erwartet, wird enttäuscht werden. Stattdessen einige Personen und deren Geschichten - allerdings fehlt der Nachweis dafür, wie repräsentativ diese für die gesamte "Szene" am Everest sind. Das ist meines Erachtens ein gravierender Mangel - denn in Kodas Buch tauchen immer wieder dieselben (Handvoll) Namen auf.
- Auch ich finde das Buch vor allem im zweiten Teil schon arg an der Grenze zu Selbstmitleid und persönlicher Abrechnung. Der Autor berichtet hauptsächlich von zwei Expeditionen, die er beide als gescheitert ansieht. Durch die zunehmend konfusere Parallelerzählung der Ereignisse mit diversen Zeitsprüngen setzt er aber Dinge einander gleich, die das nicht hergeben: einerseits die Expedition des Autors, bei der sich die Leute aus diversen Gründen übelst zerstreiten, schlimm genug, andererseits aber eine Expedition mit Todesfolge. Deren genauen Ablauf will er rekonstruieren, schafft das aber zunehmend nicht ohne in permanente Wiederholungen abzudriften und sich auf den einzuschießen, den er für den Hauptverantwortlichen hält: den menschlich und technisch überforderten Bergführer Lisi. Leider Gottes ist Kodas beileibe nicht frei von Schwarz-Weiß-Denken und disqualifiziert zunehmend den Journalisten in ihm: der Kunde, ok - über Tote soll man nichts Schlechtes sagen - wird von jeder Selbstverantwortung freigesprochen, der Bergführer ist der Böse. Diesem Muster folgt der Autor immer wieder: hier die edlen Helden, dort die egomanischen Schurken. Das ist aber für ein Buch mit diesem Anspruch zu einfach.
- Ab und an fallen Unstimmigkeiten auf: angeblich soll die offizielle Expeditionsleiterin Lhakpa Sherpa nie an buddhistischen Zeremonien vor dem Aufbruch teilgenommen haben, auf einem beigegebenen Foto aber ist sie ganz vorne dran zu sehen - was ist also richtig?
- Last but not least ein übler Mangel: der Verlag hat ganz offenbar den Lektor eingespart. Was einem hier für 18 EUR (!) zugemutet wird, ist schlichtweg eine Unverschämtheit. Relativpronomen stimmen nicht, Sätze beginnen, dann folgen Einschübe, dann hat man offenbar vergessen, wie der Satz angefangen hat und beendet ihn ganz anders oder auch mal überhaupt nicht. Sowas ist schlichtweg unzumutbar.
Fazit: Im Vergleich zu Krakauers Buch ließt sich Kodas Werk, anfänglich zumindest, zwar ähnlich flott, bringt aber nichts wirklich Neues und löst den Anspruch des deutschen Titels nicht wirklich ein.