Als er ins Kino kam, habe ich ihn leider verpasst. Er ist unverständlicherweise kaum beworben worden, weshalb auch nur wenige auf ihn aufmerksam wurden. Er lief auch nur recht kurze Zeit im aktuellen Kinoprogramm. Um so mehr habe ich mich über den DVD-Release gefreut. Denn dieser Trickfilm gehört mit zu den besten, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Er schlägt dabei viele andere Produktionen um Längen, auch das, was der Disney-Konzern uns in erschlagender Fülle präsentiert. Damit will ich Disneys Trickfilme nicht schmälern, unter denen sich unzweifelhaft einige große Highlights befinden wie etwa "Alice im Wunderland", "Bernhard und Bianca", das "Dschungelbuch" oder aus der neueren Zeit "Lilo & Stitch". Was den "Giganten" gegenüber den Disneyproduktionen jedoch stark hervorhebt, ist die Auseinandersetzung mit kritischer Thematik sowie der Verzicht auf tränenrührigen Kitsch.
Die Handlung des Films spielt in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in einer amerikanischen Kleinstadt. Ein riesenhafter Roboter aus dem All, der von dem halbwaisen Jungen Hogarth im nahegelegenen Wald gefunden und geistesgegenwärtig versteckt wird, sorgt für rätselhafte Ereignisse und einiges Durcheinander, wodurch schließlich der Geheimdienst auf den Plan gerufen wird. Dieser ahnt etwas von der Existenz des Metallungetüms und sieht in dem durch und durch friedfertigen Giganten eine Bedrohung, die vernichtet werden muss. Doch gerade erst dadurch erwächst die wirkliche Gefahr.
Mit einem schmunzelndem wie einem kritischen Auge wird hierbei die amerikanische Gesellschaft zu Beginn des Kalten Krieges betrachtet. Nicht nur die Paranoia gegenüber allem Fremden, hinter dem man als erstes immer den "bösen Russen" vermutet, wird hier auf die Schippe genommen. Unvergesslich bleibt wohl vor allem die Szene, die sich in Hogarths Schulklasse abspielt: Im Unterricht sehen die Kinder einen "Aufklärungs"-Spot über das richtige Verhalten beim Einschlag einer Atombombe (legt euch hin, kriecht unter einen Tisch, dann kann euch nichts passieren). Dieser Schwarze Humor ist dann schon eher was für Ältere, die dies nicht für bare Münze nehmen und von Dokumentationen her wissen, dass mit solchen Spots in der Vergangenheit tatsächlich derartige Verdummungspropaganda betrieben wurde - mit dem heutigen Abstand schon wieder lächerlich, aber doch auch erschreckend.
Der Film besitzt einige solcher Anspielungen, die an älteres Publikum gerichtet sind, die aber meines Erachtens so eingebettet sind, das jüngere Zuschauer dadurch nicht verschreckt werden. Ich würde ihn nicht unbedingt einem Sechsjährigen vorsetzen, vor allem auch, da gegen Ende des Films noch einiges an Action passiert, wodurch ruhigere Gemüter sicherlich stark aufgewühlt werden. Allerdings muss dann auch gesagt werden, dass unter der Altersfreigabe ab 6 - in vielen Fällen völlig unverständlicherweise - unseren Kindern noch wesentlich "härteres" zugemutet wird (etwa Star Wars Episode I). Letztendlich muss man als Eltern da selbst entscheiden, inwieweit ein Kind reif für bestimmte Inhalte ist - beim "Giganten aus dem All" ist es sicherlich stark von der seelischen Entwicklung des Kindes abhängig, ob man es diesen Film bereits mit sechs Jahren sehen lassen will.
Abschließend noch etwas über den Stil des Films und der Qualität der DVD:
Die Zeichnungen und Animationen überzeugen absolut. Auch hier wurde Zeichentrick mit Computeranimetion verbunden, jedoch ohne, dass der Computer hierbei in den Vordergrund gerückt wäre. Die Zeichnungen machen die optische Stärke des Films aus, der Computer unterstützt dies in angenehm unaufdringlicher Weise.P>Unterm Strich ein lohnenswerter Film für die ganze Familie, lustig und unterhaltsam, aber auch nachdenklich stimmend.