Selbst wer den Politbestseller "
Ghost" von Robert Harris kennt, dürfte bei diesem Film einige Überraschungen erleben. Denn obwohl der Regisseur Roman Polanski bei diesem Projekt eng mit dem Autor zusammengearbeitet hat, steht der Film auch für sich selbst, was man auf jeden Fall positiv bewerten kann. Ewan McGregor ("
Big Fish") spielt einen jungen Briten, der von seinem Manager den gutbezahlten Job vermittelt bekommt, als Ghostwriter für die Memoiren des ehemaligen Premierministers Adam Lang zu arbeiten. Allerdings hat der Job einen unübersehbaren Haken, denn die Leiche seines Vorgängers wurde erst kürzlich an den Strand gespült. War es Selbstmord oder ein tragischer Unfall? Als der neue Ghost im Strandhaus des Politikers ankommt, erkennt er schnell, dass er in ein Schlangennest getreten ist. Jeder scheint hier etwas zu verbergen. Und was hat es mit dem Manuskript von McAra, seinem Vorgänger auf sich, welches anscheinend eine dunkle, höchst brisante Wahrheit ans Licht bringen sollte?
Ewan McGregor beschreibt den Charakter seiner Rolle als unbeeindruckt. Er spielt einen professionellen Ghostwriter, für den die Person oder der Stellung seines Auftraggebers nicht besonders ins Gewicht fällt. Ob Popsternchen oder Politiker möchte er den Unterhaltungswert der persönlichen Geschichte seines Gegenübers in Worte fassen, die den Leser nicht auf den ersten paar Seiten einnicken lassen. Als er jedoch das Manuskript seines Vorgängers im Büro von Lang ein erstes Mal durchgeht, fallen ihm bald die Augen zu. Misstrauisch beäugt von Langs persönlicher Betreuerin Amelia Bly (ziemlich sexy: Kim Cattrall) und von der Ehefrau des Politikers, Ruth Lang (Olivia Williams, "
An Education") ermuntert, versucht er einen eigenen Eindruck von Adam zu erhalten. Allerdings spitzt sich die Lage in dem ohnehin ziemlich abgeschotteten Domizils der Langs zu, als in einem Fernsehinterview gefordert wird, den ehemaligen Premierminister wegen Kriegsverbrechen anzuklagen. Gegen seinen Willen wird der Ghost, der bisher der einzige Gast im Hotel des sonst so verlassenen Ortes war, in das ehemalige Zimmer von McAra im Strandhaus einquartiert, um den eingetroffenen Demonstranten und Journalisten keine Angriffsfläche zu bieten. Als er den Kleiderschrank ausräumt, stößt er auf einen Umschlag mit verwirrenden Informationen. McAra, der jahrelang als treuer Berater von Lang tätig war, schien tatsächlich an einer geheimnisvollen und brisanten Geschichte aus der Politvergangenheit seines Arbeitgebers dran gewesen zu sein. Hat ihn diese Sache letztlich auch das Leben gekostet? War dieser ominöse Unfall in Wirklichkeit Mord? Was hat der erste Ghostwriter herausgefunden? Wird sich sein Schicksal an seinem Nachfolger wiederholen, oder wird die Wahrheit ans Licht kommen?
In dem Film dominieren kalte Farben und klare Linien, die eine bedrohliche und spannende Atmosphäre schaffen. Das Strandhaus ist nicht heimelig mit Holzdach und wärmenden Kaminfeuer, sondern gleicht von außen einem kastenförmigen Gefängnis und ist innen sehr modern und distanziert eingerichtet. Von Anfang an fordert der Film die Aufmerksamkeit des Zuschauers, der die selbstironische Art des namenlosen Helden schätzen lernt und mit ihm die Bewohner der neuen Umgebung in Augenschein nimmt. Die Dialoge sind geistreich und unterschwellig von den Empfindungen des einzelnen geprägt. Da sich der Fokus hauptsächlich auf vier Personen beschränkt, fällt die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Charakteren relativ leicht. Obwohl fast permanent eine gefährliche und aufgeladene Stimmung herrscht, kommt die Geschichte fast völlig ohne Gewalt aus, was sehr angenehm ist. Wie Robert Harris in einem Interview zugibt, ist er von der Energie und der Dynamik von Hitchcocks Werken schwer beeindruckt, was auch die filmische Umsetzung des Ghostwriters beeinflusst haben mag.
Leser des Romans können sich bestimmt noch an eine gewisse Schlüsselszene erinnern, die hier nicht näher beschrieben werden soll, um die Spannung nicht zu verderben. Daher soll nur angemerkt werden, dass diese Szene im Film aufgegriffen und phantastisch ausgeleuchtet wurde. Auch wenn die Figuren etwas verändert wurden und zum Beispiel Adam Lang längst nicht so charismatisch herüberkommt, wobei Pierce Brosnan sich manchmal nicht in der Lage zu fühlen scheint, die dargestellte Person eindeutig als gierigen Machtmensch oder als engagierten Gutmenschen zu spielen, ist die filmische Erzählung in sich sehr stimmig und macht den Zuschauer zum mündigen Beobachter.
Die zum Teil sehr sehenswerten und erfrischend straff gehaltenen Extras sind hier besonders erwähnenswert. Robert Harris sitzt eindeutig der Schalk im Nacken wenn er berichtet, dass ihn ein Fernsehinterview von 2006 inspiriert hat, in dem gefordert wurde, Tony Blair für Kriegsverbrechen zu belangen und er im nächsten Atemzug betont, dass Adam Lang aber natürlich kein Abziehbild des realen Vorbilds ist. "Der Ghostwriter: Fiktion oder Realität?" sowie die Interviews mit den Schauspielern gehen auch auf das ungewöhnliche Ende des Films ein. Außerdem wird auf die Bedeutung des Manuskripts eingegangen, welches im Film fast die Bedeutung einer realen Figur erhält. Diese Informationen sind faszinierend und ergänzen sehr gut die eigenen Seheindrücke.
Nicht so beachtenswert ist das Featurette "Der Ghostwriter: Die Besetzung", weil hier vor allem Lobeshymnen der einzelnen Schauspieler auf die Kollegen oder auf den Regisseur gesungen werden, die offenbar für unverzichtbar gehalten wurden.
Fazit: Eine gelungene Literaturverfilmung, die für anspruchsvolle und spannende Unterhaltung sorgt!