Aus der Amazon.de-Redaktion
Die amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt hatte in ihrem 1993 erstmals erschienenen Buch Denying the Holocaust: The Growing Assault on Truth and Memory Irving vorgeworfen, er hätte Quellen gefälscht oder bewusst ausgeblendet, um seine Sicht der nationalsozialistischen Geschichte, vor allem die verharmlosende Beurteilung ihrer Protagonisten, abzustützen. "Die Leugnung historischer Tatsachen," so Lipstadt, "ist das Ergebnis einer politischen Voreingenommenheit und eines politischen Extremismus, die in der Welt der historischen Forschung keinen Platz haben." Irving sei "einer der gefährlichsten Wortführer der Holocaust-Leugnung." Eine seiner Thesen bestand in der Tat darin, Hitler hätte bis 1943 vom Holocaust nichts gewusst und anschließend versucht, die schlimmsten Auswüchse zu verhindern. Im darauf folgenden Verleumdungsprozess zwischen dem Ankläger Irving und der Beklagten Lipstadt fiel Richard J. Evans, Geschichtswissenschaftler an der Universität Cambridge, die Rolle eines Hauptgutachters der Verteidigung zu, wobei er sich der Frage nach der historischen Objektivität anzunehmen hatte.
Akribisch geht Evans das Thema an, am Ende steht ein über 700 Seiten umfassendes Gutachten und der eindeutige Beweis für den recht "freizügigen" Umgang Irvings mit historischem Quellenmaterial. Das Buch beruht in weiten Teilen auf dem Text des Gutachtens, was der Lesbarkeit aber keinesfalls schadet. Evans eröffnet einen profunden Einblick in die "jüdische Weltverschwörungstheorie" Irvings, in seine Selbststilisierung als Historiker-Desperado und in seinen bedenklichen Umgang mit historischen Quellen. Dieses Buch verdeutlicht eindringlich die Notwendigkeit, Geschichtsverklärung und -klitterung an den Pranger zu stellen -- und zwar nicht nur, wenn sie ideologischen Zielen dient, sondern prinzipiell. --Dr. Manfred Schwarzmeier
Pressestimmen
zum Artikel
01.01.2002 / Literaturen: David Irving, der Holocaust und die Methoden derìGeschichtsfälschung "Dem unaufgeregt, fast unterkühlt argumentierenden Evans gelingt zweierlei: Er macht seine Leser mit den wichtigsten Quellen zur NS-Forschung und mit den Hilfsmitteln zu deren Interpretation vertraut. Und er zeigt Schritt für Schritt, welches Schindluder Irving mit diesen Quellen treibt."
21.01.2002 / Der Tagesspiegel: Geschichtsfälscher vor Gericht "Ein Buch, das für lange Zeit ein einzigartiges Werk über die diskursive Strategie eines prominenten Geschichtsleugners sein wird."
25.03.2002 / Frankfurter Rundschau: Wahrheit mit Methode "Das anschaulich und klar geschriebene, präzise übersetzte Buch bietet die schlüssige Widerlegung eines führenden revisionistischen Autors."
Der Verlag über das Buch
Kein Holocaust-Prozess seit dem Eichmann-Prozess in Israel hatte so viel öffentliche Resonanz wie der David-Irving-Prozess. Richard J. Evans rollt diesen Fall auf, um exemplarisch die grundsätzlich schwierige Unterscheidung zwischen historischer Wahrheit und Fälschung zu beschreiben. Wie läßt sich in der Geschichtswissenschaft zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden? Richard J. Evans behandelt dieses Problem am Beispiel des Verleumdungsprozesses, den der britische Schriftsteller David Irving im Frühjahr 2000 in London gegen die amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt und ihren Verlag Penguin Books angestrengt hatte.
Lipstadt hatte Irving in einem Buch die Fälschung historischer Quellen bezüglich des Holocaust sowie dessen historischer Dimension vorgeworfen. Das Gericht schmetterte Irvings Klage seinerzeit ab und bescheinigte ihm, er sei ein Antisemit und ein Leugner des Holocaust. Er wurde zur Zahlung der Prozesskosten in Höhe von mehr als zwei Millionen Pfund verurteilt und gilt seither als zahlungsunfähig.
In Evans' Prozessbericht problematisiert er grundsätzliche Fragen der Geschichtsschreibung. Ist es beispielsweise nicht denkbar, dass letzten Endes alle Historiker ihre Quellen subjektiv interpretieren? Könnte es sein, dass Irving den Prozess wegen seiner politischen Ansichten und nicht wegen der Manipulation der Quellen verloren hat?
In einer Reihe kurzer und prägnanter Kapitel stellt Richard J. Evans Irvings Herangehensweise den historischen Fakten gegenüber, um den Unterschied zwischen einer verantwortlichen und unverantwortlichen Geschichtsschreibung zu verdeutlichen. Das Ergebnis ist ein ebenso überzeugendes wie gelehrtes Lehrstück über das Vorgehen des Historikers.
Der Autor
Richard J. Evans, Professor für Neuere Geschichte an der Cambridge University, gehörte letztes Jahr zum Aufgebot renommierter Gutachter, denen es vor dem britischen High Court gelang, David Irving der Fälschung historischer Quellen zu überführen. Bei Campus erschien von ihm Fakten und Fiktionen. Über die Grundlagen historischer Erkenntnis (1998).