Aus der Amazon.de-Redaktion
Dieses "Finstre und Kalte" holt den Helden im Verlauf der Handlung schließlich ein. Inzwischen ist er ein gefragter Ideengeber geworden, ein "Geschichtenverkäufer", der weniger begnadete Autoren mit spannenden, interessanten oder auch anrührenden Plots versorgt. Nun aber scheint die Tätigkeit dieser "Spinne", die die klebrigen Fäden des Literaturbetriebs gezogen hat, durch journalistische Recherche endgültig aufzufliegen. Der Autor wird zum Opfer seiner eigenen Geschichten. Und sein Leben scheint ernsthaft in Gefahr.
In Der Geschichtenverkäufer des 50-jährigen norwegischen Autors Gaarder (Sofies Welt) erzählt Petter endlich einmal seine eigene, "biografische" Geschichte. Aber auch da verwischen Dichtung und Wahrheit, "erinnerte Wirklichkeit" und "erinnerte Fantasie" immer wieder. Herausgekommen ist ein spannendes Buch, das sich nur oberflächlich als Kritik am Literaturbetrieb lesen lässt. Unter der Oberfläche des Eises aber ist Der Geschichtenverkäufer ein philosophisch tiefsinniger Roman auch über Identitätsstiftung und die Kraft der Imagination. --Stefan Kellerer
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Das Geschäft floriert: Klassenaufsätze gegen Süßigkeiten, später gegen weibliche Zuneigung. Ihm fliegt zu, was vielen Schriftstellern ständig ausgeht: Geschichten. Der Gedanke, selbst Schriftsteller zu werden, erscheint ihm absurd. Es drängt ihn einfach nichts ins Licht der Öffentlichkeit. Und so entscheidet er sich für eine Karriere hinter den Kulissen des Literaturbetriebs. Er wird Geschichtenverkäufer. Die Geschäftsidee ist neu, der Erfolg überwältigend. Seine Kundenkartei reicht vom Gelegenheitsdichter bis zum internationalen Großschriftsteller, doch jeder glaubt, der einzige Kunde des Geschichtenverkäufers zu sein. Eines Tages aber tauchen Gerüchte auf. Von der »Spinne« ist die Rede, einem geheimnisvollen Manipulator ganzer Autorenbiographien. Urplötzlich findet sich der Ideenlieferant in eine Geschichte verstrickt, die von ihm stammen könnte. Doch diesmal ist sie bitterböse Wirklichkeit. Und das Ende liegt keineswegs auf der Hand. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Der Verlag über das Buch
»Jostein Gaarder besitzt die wunderbare Gabe, ernste Gedanken federleicht zu verpacken [...] Der Geschichtenverkäufer ist nicht nur ein intelligentes, sondern auch ein spannendes Buch.« Heide Soltau, NDR Info/Kultur
»Der neue Gaarder ist eine amüsante, sanfte Satire auf den Literaturzirkus und die Kulturindustrie, die Raubbau mit dem Rohstoff Fantasie treibt.« tz
»Jostein Gaarder verstrickt Phantasie und Realität so geschickt miteinander, daß man eigentlich dafür ein neues Wort erfinden müsste. Die überschäumende Phantasie seiner Hauptfigur mag für ihn selbst ein Fluch sein - für den Leser ist sie das Gegenteil. Eine amüsante und überaus kurzweilige Lektüre, clever durchdacht und wunderschön geschrieben.« buchtips.net
»Ein Meisterwer!k« Mach mal Pause -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Über den Autor
Auszeichnungen in Deutschland/österreich:
1993 Luchs 84 (für »Sofies Welt«)
1994 Deutscher Jugendliteraturpreis (für »Sofies Welt«)
1995 Preis der Deutschen Schallplattenkritik (für »Sofies Welt«)
1995 Jugendbuch des Monats März der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur (für »Das Kartengeheimnis«)
1996 Jugendbuch des Monats September der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur (für »Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort«)
1996 Das Goldene Kabel (für »Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort«)
1996 Platz 2 der Jungen Jugendbuch Jury (für »Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort«)
1997 Preis der Deutschen Schallplattenkritik (für »Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort«)
1997 österreichischer Jugendbuchpreis der Jury der jungen Leser (für »Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort«)
1997 Buxtehuder Bulle (für »Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort«) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Auszug aus Der Geschichtenverkäufer. von Jostein Gaarder. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Heute ist der junge Mann mit der John-Lennon-Brille einer der führenden Autoren des Landes, vor nicht allzu langer Zeit wurde sein fünfzigster Geburtstag gefeiert. Ich bin ihm später noch viele Male begegnet, inzwischen fließen mir zehn Prozent der Honorare aus seinen Buchverkäufen zu. Aber das wissen nur er und ich.
In Aurlandsdalen blieb ich lange vor einem großen Hexenkessel stehen, der Vetlahelvete genannt wird, Kleine Hölle; hier ging mir zum ersten Mal auf, daß ich mir mit meinen vielen Ideen vielleicht doch meinen Lebensunterhalt verdienen könnte. Mit ihnen besaß ich etwas, das vielen anderen nicht gerade zuflog. Ich war nicht eitel und wollte auch nicht berühmt werden, aber ich brauchte Geld und hatte nicht vor, mir einen Sommerjob zu suchen. Nach dem 15. September würde ich zudem über keinerlei Einkommen mehr verfügen, das hatte mein Vater absolut klargestellt. Ich würde sicher studieren, hatte er gesagt, und alle Studenten hätten Anspruch auf ein Studiendarlehen. Vater wußte nicht, daß ich von einem Studiendarlehen niemals würde leben können, schon die Kosten für die Mädchenbesuche sprengten den Rahmen dessen, was ich von der staatlichen Darlehenskasse erwarten konnte. Wenn ich kein Geld hätte, könnte ich mich außerdem nicht mehr frei bewegen. Diese Vorstellung sagte mir überhaupt nicht zu.
Meine plötzliche Eingebung streifte mich eigentlich nur kurz, so, wie Eingebungen eben durch unser Bewußtsein jagen. Wenn ich es überhaupt erwähne, dann nur, weil ich so genau Zeit und Ort des ersten Auftauchens meiner Idee nennen kann. Sie kam mir, als ich in die Vetlahelvete hinunterstarrte. Ich weiß noch, daß ich sie gut fand, mehr noch: ich hielt sie für eine Metaidee, eine Idee, die alle anderen Ideen, die ich je gehabt hatte, umfaßte und ihnen den gebührenden Platz zuwies.
Heute läge es nahe, diese Wanderung durch Aurlandsdalen als Ausgangspunkt für meinen Pakt mit dem Teufel zu betrachten.