Das Sachbuch 'Der Generationenpakt. Warum die Alten nicht das Problem, sondern die Lösung sind', versammelt in 23 Artikeln zahlreiche Fakten, aufgehoben in kleinen Geschichten. Herbert Henzler, Wirtschaftsprofessor und ehemaliger Leiter der Unternehmensberatung McKinsey, und Lothar Späth, früherer Ministerpräsident Baden-Württembergs, leben es mit diesem Text vor: sie sitzen nicht im Schaukelstuhl, sondern engagieren sich. Für ein besseres Deutschland, so anspruchsvoll soll es sein. Unzählige Beispiele aus den alten Bundesländern zeigen, wie das gelingen könnte. Spätestens im ausführlichen Anhang eines Buches, das knapp 21 Jahre nach der Wiedervereinigung erscheint, dürfen auch die Ostdeutschen sich wiederfinden ' tun sie aber nicht. Rentendauer und 'höhe dokumentieren west-deutsche Gegebenheiten; vielleicht passen die neuen Länder nicht ins hübsche Bild der wohlhabenden Rentner.
Die Autoren mühen sich, das Bild der älteren Generation differenziert zu zeichnen. Es gibt die Pflegebedürftigen und diejenigen, die Kreuzfahrten buchen, die Frau, die jemanden zum Bäume beschneiden braucht, weil ihre Kräfte nachlassen, und die Frau, die jemandem die Fenster putzt ' und alle sind gleich alt. Schwarzarbeit ist nicht gleich Schwarzarbeit ' der Gedanke ist gut aber folgenlos vor dem Gesetz, ohne Ehrenamt würde manches zusammenbrechen ' das ist richtig, aber längst bekannt. Drei grundlegende Ideen werden präsentiert, die näheres Beleuchten verdienen. Zum ersten plädieren die Autoren für einen einjährigen Freiwilligendienst für alle Jugendlichen zwischen 16 und 25, in dem sie Sozialkompetenz erwerben. Den Plan gab es allerdings schon Mitte der neunziger Jahre, in der Zeitung 'Das Parlament' der Bundeszentrale für Politische Bildung auf mehreren Seiten ausführlich dargestellt. Als zweites fordern Herbert Henzler und Lothar Späth eine Beitragszahlung zur Rentenversicherung abhängig vom Einkommen. Die Beitragsbemessungsgrenze sollte dazu angehoben werden. Weshalb nicht gleich aufgehoben, wird nicht erläutert, trotz eines Hinweises auf die Schweiz, die dieses System ' gleicher Prozentsatz für alle Einkommenshöhen ' seit über 60 Jahren praktiziert. Die dritte große Idee schließlich benennt Freundeskreise als neue Familien, Nachbarschaftshilfen, alternative Wohnformen, Füreinanderdasein in heutiger Zeit. Um das finanzieren zu können, wollen die Autoren eine vierte Säule des Rentenmodells einführen: die Zeit. Zentral organisiert (Caritas, Diakonie) aber regional wirksam sollen ältere Menschen, die rüstig sind, ihre Zeit für weniger agile Nachbarn spenden. Für die geleisteten Stunden erhalten sie eine Zeitgutschrift, die sie später bei eigenem Bedarf wieder einlösen können. Allerdings ginge es auch einfacher: Seit mehr als fünfzehn Jahren wird auch auf Bundesebene darüber diskutiert, ehrenamtliche Tätigkeit in Rentenpunkte umzurechnen.
Was wir brauchen, ist ganz sicher eine entspannte Sicht auf die Alten in unserer Gesellschaft, und dazu dienen all die Beispiele in diesem Buch. Sie ermuntern, Ideen aufzugreifen oder neue zu entwickeln, die im regionalen Radius initiiert oder umgesetzt werden können. Vielleicht wird es tatsächlich möglich, das in sich selbst verhedderte System von unten aufzudröseln. Ob wir dazu jedoch eine neue Währungseinheit 'Zeit' benötigen?