Die Werbung für diese Ausgabe des "Gelben Kaisers" und das hier veröffentlichte inhaltliche Werkprofil sind eher irreführend, weil sachlich unvollständig und falsch:
Die Gelbe-kaiser-Ausgabe von Maoshang Ni mit seinen 81 Kapiteln deckt nämlich nur den ersten Band, das Suwen, des insgesamt dreiteiligen Gesamtwerkes des Gelben Kaisers, ab. Wer also dieses Werk liest, hat nur die vollständige Suwen-Ausgabe als ersten Band vor sich liegen und nicht den wesentlich wichtigeren Rest, der vor allem im zweiten Band, dem Lingshu (dort ebenfalls 81 Kapitel) zu finden ist (mit einer ausführlichen Darstellung der Meridiane und der Akupunkturtechnik, die im Suwen nicht enthalten ist). Da in der Verlagswerbung/beschreibung nicht darauf hingewiesen wird, wird der Leser hier eher irregeführt. Und wenn dem so ist, so spricht dies auch nicht gerade für eine profunde Kenntnis der Materie durch den Verlag, der eine solche irreführende Werbung veranlasst (hat).
Das Suwen ist in dem klassischen dreibändigen Klassiker-Kanon in China seit Jahrtausenden immer als eine Art Vorkurs angesehen worden, der vor allem den "geistigen Überbau" (philosophisches Weltbild) der Traditionellen Chines. Medizin vermitteln sollte, während die für TCM-Therapeuten eigentliche Theorie der Meridiane und ihre Klinik in dem zweiten Band, dem Lingshu, in 81 kapiteln vermittelt wird. Dieser Teil, und nicht das Suwen, dessen deutschen Text der Verlag hier als "Grundlagenwerk der Traditionellen Chinesische Medizin" anpreist, wäre dann das eigentliche "Grundlagenwerk".
Auch zur Übersetzung muss noch etwas gesagt werden: laut Verlagsangaben ist der deutsche Text aus dem amerikanischen Englisch "übersetzt" worden (also keineswegs aus dem eigentlichen Urtext des Klassischen Chinesisch), den der Übersetzer Maoshang Ni in den USA ursprünglich auf Englisch dort vorgelegt hatte.
Es steht außer Zweifel, dass bei einer Übersetzung von einer anderen Übersetzung sehr viel vom autentischen Flair des eigentlichen klassisch-chinesischen Originals verloren gehen muss und hier folglich so0 etwas wie eine zweitklassige Übersetzung vorgelegt wird. Daran ändert sich auch nichts, wenn tatsächlich (wie der Verlag in seiner Werbung behauptet) gelegentlich während der Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche auf den klassisch-chinesischen Originaltext zurückgegriffen wurde.
Warum soll man sich mit einer Kopie zufriedengeben, wenn man das Original auch auf Deutsch haben kann (nämlich meine eigene vollständige dreibändige Übersetzung direkt aus dem klassisch-chinesischen Otiginaltext, die im Viademica-Verlag erschienen ist)? Diese hat allerdings ihren gerechten Preis, und da wird man mit rd. 10 Euro nicht auskommen.