Dieser Fortsetzungsroman in sechs Büchern aus den Jahren 1787-1789 ist nicht nur Fragment, sondern auch in sich uneins geblieben. Im ersten Buche erzählt ein Graf von O. als Freund des Prinzen von ... dem Leser ein temporeiches, schwarzromantisches, spannendes Abenteuer in Venedig. Gegen Ende des ersten Buches wird der Graf von O. plötzlich und ohne Plausibilisierung seines Erzähleramtes enthoben und ein ungenannter Anderer dirigiert auf höherer Ebene weiter, indem er sagt, dass dies der Graf weiter erzähle (!). Das nachfolgende zweite Buch bremst Spannung und Tempo aus und die Erzählebene wird auf die Briefe einer bis dahin unwichtigen Nebenfigur - dem Baron von F. - verlagert. Nach neun solcher Briefe beginnt das dritte Buch und der erste Erzähler - der Graf von O. - sitzt wieder auf dem Sessel des Erzählers. Formal gesehen erscheint alles geheimnisumwoben bis wirr; inhaltlich gesehen scheint der Roman nicht recht zu wissen, was er werden wolle: ein Abenteuerroman oder ein gesellschaftskritischer, mit halbgaren philosophischen, religionstheoretischen und pädagogischen Erwägungen? Am Ende stirbt der Prinz zufällig oder absurder Weise durch einen Blitzeinschlag.
Schiller bekennt sich nicht zur Wahrheit, sondern immer nur zu einer weltlichen Tatsächlichkeit, die er 'Wahrheit' nennt. Das ist zwar sein gutes Recht, jedoch entlarvt es sein christliches Bekenntnis als hohl, denn dem Christen ist allein der Christus die Wahrheit, wenn er die Sache schon ernst zu nehmen bereit ist. So erstaunt es denn auch nicht, dass angebliche Christen zu ihrer Unterhaltung einer okkultistischen Veranstaltung beiwohnen und einen Gespenstersichtigen als "Geisterseher" erachten, der den Geist weder sieht noch zu schauen vermag. So, wie leider auch sein Dichter.