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Der Geist von Turin: Pavese, Ginzburg, Einaudi und die Wiedergeburt Italiens nach 1943
 
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Der Geist von Turin: Pavese, Ginzburg, Einaudi und die Wiedergeburt Italiens nach 1943 [Gebundene Ausgabe]

Maike Albath
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 189 Seiten
  • Verlag: Berenberg; Auflage: 1 (1. März 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3937834370
  • ISBN-13: 978-3937834375
  • Größe und/oder Gewicht: 22,9 x 16,3 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 459.841 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Maike Albath
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„… bestechendes Buch … Mit ihrer Chronik der Dynastie Einaudi legt Maike Albath ein ´Familienlexikon´ von exemplarischer Bedeutung vor. (…) Amüsante Anekdoten lockern die detailliert beschriebene Verlagsgeschichte mit ihren wechselnden Protagonisten auf …“ --Isabella Pohl, Der Standard, 10./11. April 2010

„… ein schmales, elegantes und überaus lesbares Buch …“ --Julia Schröder, Stuttgarter Zeitung, 08. April 2010

„Albath … zeigt in ihrer Tour d´Horizon Routen durch die italienische Sozial- und Geistesgeschichte, die sich für ein deutsches Publikum zurück- und weiterzuverfolgen lohnen.“ --Ambros Waibel, die tageszeitung/Literataz, 18. März 2010

„… eine elegante Studie …“ --Andreas Schäfer, Der Tagesspiegel, 13. April 2010

Kurzbeschreibung

In Mussolinis Italien, im Schatten der Fabriken von Fiat und Olivetti, begegneten sich in den Dreißiger Jahren in Turin ein paar gebildete junge Leute. Sie gründeten Zeitschriften und Verlage, schrieben kritische Artikel, nahmen Verbannung und Gefängnis auf sich und fühlten sich als Avantgarde. Und das waren sie: Aus dem Kreis um Cesare Pavese, Leone und Natalia Ginzburg und den Verlag Einaudi kam jener Geist, der nach 1945 das Klima intellektueller Freiheit in Italien wesentlich geprägt hat. Maike Albath, die Italien kennt und liebt, beschwört in ihrem Buch die Stadt in der diese stolze Episode aus Italiens jüngerer Vergangenheit ihren Lauf nahm, und ihre einmalige geistige Landschaft. Selten haben Intellektuelle einen so nachhaltigen Einfluss auf die Geschicke eines ganzen Landes genommen.

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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ulrich Gellermann TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Hallo. Wer ist da?
Hier ist der Fiat-Sowjet.
Ah!... Entschuldigung... Ich rufe wieder zurück.
Telefonat, Turin 1920

Was macht eigentlich die Toskana-Fraktion? Jetzt, wo das Berlusconi-Bündnis auch in der traditionell linken Toskana Fuß fasst? Natürlich gibt es immer noch den vorzüglichen Wein aus San Gimignano und die aromatische Fenchelsalami, aber das Italien der linken Kultur, der Unita-Feste, der eurokommunistischen Hoffnungen und der gerühmten Wagenbach-Reise-Literatur scheint an ein Ende gekommen zu sein. Auch in Piemont, mit der einst roten Hochburg Turin, hat sich das Berlusconi-Bündnis durchsetzen können. "Der Geist von Turin", so lautet der Titel des Buches von Maike Albath, dieser Geist, geprägt von Schriftstellern wie Cesare Pavese, den Ginzburgs und Italo Calvino, rund um den Verlag Einaudi, ist vorerst verloren.

Zwei "Dynastien" sieht Maike Albath, diesich im Turin der 20er Jahre auf den Weg in eine neue Zeit machen: Die Agnellis, deren FIAT-Werke wesentliches Symbol der Industrialisierung Italiens wurden und ein Bund junger Männer - Cesare Pavese, Leone Ginzburg und Giulio Einaudi - die den Kern des 1933 gegründeten Einaudi-Verlages bildeten. Und während sich Giovanni Agnelli den Faschisten zuneigte, ihnen sogar ein Auto, den "Balilla" widmete, formierte sich der Widerstand gegen Mussolini rund um die Zeitschrift "La Cultura", in der Hitlers "Mein Kampf" verrissen und amerikanische wie russische Schriftsteller erstmalig in Italien bekannt gemacht wurden. Die Einaudianer stießen, mitten im faschistischen Italien, ein Fenster zur Welt auf.

Mit Fleiß und Sympathie trägt Maike Albath die Fakten rund um den Einaudi-Verlag zusammen. Zuweilen fragt man sich allerdings, wie sich ihre politische Analyse mit ihren Sympathien verträgt. Wenn sie an die Kompromisse der jungen italienischen Intellektuellen erinnert, die Scheinmitgliedschaft Paveses in der faschistischen Partei zum Beispiel, um dann einen Unterschied zwischen deutschem und italienischem Faschismus zu betonen, wäre ein wenig Begründung nützlich: Lag der Unterschied in der Größe der Verbrechen? Oder verbirgt sich dahinter die neue Begrifflichkeit von der "sanftmütigen Diktatur", die dem italienischen Ministerpräsidenten ebenso glatt wie verlogen von der Zunge glitscht? - Leone Ginzburg, der sich nach Jahren der Haft dem italienischen Widerstand anschloss und 1945 nach schwerer Folter in einem römischen Gefängnis starb, wird von der Autorin eindeutig zitiert: "Eine Maske, die man zu lange trägt, löst sich am Ende nicht mehr vom Gesicht."

Als der italienische Widerstand gesiegt hatte, begann auch der Siegeszug des Verlags Einaudi: Weltliteratur wir Carlo Levis "Christus kam nur bis Eboli", Bassanis "Die Gärten der Finzi-Contini" oder Elsa Morantes Kriegsepos "La Storia" wurden verlegt und erfolgreich verkauft. Gramsci und Brecht, Adorno und Borges, Goethe und Gogol sie alle erschienen bei Einaudi. Mit ihnen prägte der Verlag die italienische Kulturdebatte. Maike Albath vergisst nicht, die Wurzeln des "Geist von Turin" auch in seiner zeitweilig mächtigen Arbeiterbewegung zu sehen, wenn sie Antonio Gramsci zitiert, der über die neuen Organisationsformen der FIAT-Kollegen schrieb: "Der Arbeiterrat in der Fabrik ist das Modell für den proletarischen Staat." Die lange Linie dieser dritten Turiner "Dynastie" - von den "Biennio rosso" den zwei roten Jahren der mächtigen Turiner Rätebewegung (1910/20) bis zum heißen Turiner Herbst 1969, in dem sich die FIAT-Arbeiter deutlich bessere Lebensbedingungen und eine Teilhabe an der Macht erkämpften - spielt bei Albath nur eine marginale Rolle.

Nur wenig macht den Niedergang der italienischen Linken deutlicher, als der Verkauf des Einaudi-Verlages 1994 an die Verlagsgruppe Mondadori, den Hausverlag Berlusconis. Maike Albath nimmt an, dass "Im grellen und spektakulär vulgären TV-Italien Berlusconis . . . . die Schrift an Bedeutung verloren (hat)." Wer hat wann die Massen, das Volk der Simplifizierung überlassen? Wo steht heute, nicht nur in Italien, die Intelligenz? Ist der rapide Verfall gewerkschaftlicher Milieus und die parallele Sinnentleerung der Kultur ein zusammenhängender Prozess? Fragen, die der "Geist von Turin" zwar nicht beantwortet aber zwingend aufwirft. Dem Berenberg-Verlag ist, mit dem Blick auf ein fast vergessenes Italien, erneut eine Entdeckung gelungen. So ist der Geist von Turin nicht als Nachruf, sondern als ein Echo aus der Geschichte zu begreifen: La Lotta continua.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses bemerkenswerte Buch über die Geschichte des von Leone Ginzburg und Cesare Pavese 1933 gegründeten Einaudi Verlages zeigt ein bis in die Gegenwart leuchtendes anderes Italien, ein Italien mit einer aufklärerischen Kultur, ein nachdenkliches und intellektuelles Italien. Seit den vielen innenpolitischen Krisen und dem Verfall der öffentlichen politischen Kultur in den Berlusconi-Jahren ist von der widerständigen und intellektuellen Kultur, die hauptsächlich durch die beiden Gründer des Einaudi Verlages und dessen viele Autoren vor und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt wurde, leider nicht mehr viel zu sehen.

Wenn man allerdings der 1966 geborenen Literaturkritikerin Maike Albath, einer der profiliertesten Kennerinnen der italienischen Gegenwartskultur, auf ihren Spuren durch die italienischen Sozial- und Geistesgeschichte folgt, erfährt man nicht nur viel Wissenswertes über den im Mittelpunkt des Buches stehenden Verlag, seine Geschichte und seine Bedeutung für die intellektuelle Kultur Italiens nach dem Krieg, sondern das Buch vermittelt zwischen den Zeilen auch so etwas wie Hoffnung darauf, dass auch eine Ära wie die durch die Medienherrschaft und die Inszenierungen Berlusconis geprägte, irgendwann zu Ende gehen und man an den immer noch spürbaren und lebendigen Wurzeln, die unter anderem durch Einaudi ( der Verlag gehört mittlerweile auch dem Medienzar) getrieben wurden, wieder anknüpfen kann. Vielleicht wird Italien aus dem Taumel um Berlusconi wieder zu alter auch intellektueller Größe aufwachen.
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Ungewöhnliche Monographie 30. September 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Es ist entschieden ein ungewöhnliches Ereignis, aus deutscher Feder ein Stück italienischer Verlagsgeschichte dargestellt zu sehen; zumal wenn es sich um ein so entscheidendes Stück handelt, das zudem so farbig, lebhaft und kenntnisreich dargestellt ist.

Maike Albath erzählt, wie der Einaudi-Verlag und seine spezifische Verlagskultur aus der von Unternehmen wie Fiat und Olivetti geprägten Turiner Industrielandschaft hervorging. Ich fühlte mich oft an die linke und zugleich wohlhabende Kulturschickeria wie in Hamburg erinnert.

Die Ginzburgs und Cesare Pavese stehen im Mittelpunkt, aber auch Elsa Morante und anderen gilt der äußerst kenntnisreiche Blick der Autorin. Man müßte wissen, wie diese bekannten Autoren als Lektoren gewesen sind. Dazu erfahren wir nicht viel. Wir hören nur, daß Pavese Lampedusa ablehnte, daß Calvino Vorbehalte gegen Pasolini hatte. Solche Rotten Rejections erinnern an Gides Urteil über Proust. Gide war Lektor, lehnte Proust's Manuskript ab und bereute dies später.

Abgesehen von der mangelnden Analyse der Lektoratstätigkeiten dieser Einaudi-Prominenz bietet die Autorin jedoch scharfsinnige Analysen der Persönlichkeiten. Auch sie freilich vermag Pavese's Selbstmord nicht zu erklären, gibt aber eine Lesart. Scheinen sich auch ihre Reflexionen über Pavese's Sexualität auf den ersten Blick naiv auszunehmen (S. 113), heißt es vier Seiten später bündig und überzeugend: »'er hatte alles geschrieben, was er schreiben wollte.«

Weniger zutreffend, aber unvergeßlich ist folgende Bemerkung von Elsa Morante: »Pavese war geizig, er war so geizig, daß er sogar mit seinem Samen geizte.«

Mir ist nicht klar, was es bringen soll, die italienischen Zitate in dt. Übersetzung wiederzugeben (bei Gedichten mit Original, immerhin). Will sich die Autorin als Übersetzerin aus dem Italienischen empfehlen? Niemand bezweifelt, daß sie das kann, aber der Geschmack des Originals geht verloren, der isb. bei Pavese sehr spezifisch ist.

Die Wahl der staatlich oktroierten »Neuen Rechtschreibung« müßte nicht sein. Als ich auf's Gymnasium kam, wollte man mich auch umschulen. Ich habe mich geweigert, »Schifffahrt«, »Schloss«, »dass« und ähnlichen Unsinn zu schreiben und schlechte Noten kassiert, bis meine Lehrer es aufgegeben haben.

Den falschen Genitiv auf S. 31 (Abs. 2, Z. 7) hätte aber auch mein Deutschlehrer Günter Fischer angestrichen.

Und da wir gerade dabei sind: »Man regiere ein Land nicht mit dem Vaterunser, sondern ebenso mit Repression'« (S. 35) Fehlt hier das »nur«? Jedenfalls ergibt der Satz keinen Sinn. Grammatische Fehler können tödlich sein; (etwa wenn sie sich in Protokollen von Zeugenaussagen in Staaten befinden, in denen es noch die Todesstrafe gibt).

Ebenfalls keinen Sinn ergibt ein Satz auf S. 100: »Ähnlich wie für Faulkner, D. H. Lawrence und T. S. Eliot war er stark von James Frazer's The Golden Rough (1890) geprägt.«

Mme sprich von sich selbst nur im pluralis majestatis. Und meist von Konjunktionen läßt sie sich zu Scheinanalogien und logischen Sprüngen verleiten, manche Textpassagen folgen unvermittelt aufeinander. So erkennt man nur mit Mühe, warum auf SS 45f Pavese's Brieferl an eine Soubrette eingefügt ist. Diese Amoure, die keine war, wirkt in das Kapitel hineinforciert, ohne daß aus dem Zusammenhang hervorginge, warum das so sein muß. Hier wirkt die Schreibart der Autorin vom Journalismus ausgeleiert. Widmete sie sich allein der Kulturhistoriographie, könnte sie große Leistungen vollbringen, wenn sie zugleich auf journalistische Arbeit verzichtete.

Nicht ganz frei ist Meike Albath zudem von einem Übel, dem viele Autoren erliegen: Der retrospektiven Intentionszuschreibung. »Es muß diese atomsphärische Mischung gewesen sein, die Ginzburg, Einaudi und Pavese bewog, selbst etwas auf die Beine zu stellen.« (S. 38) Muß es? Forse che sì, forse che no.

»177 kamen während der Verbannung ums Leben.» (S. 64) Nicht besonders viel bei 17.000 Verbannten; vor allem bleibt offen, ob es sich schlicht um Sterbefälle oder mit der Verbannung zusammenhängende gewaltsame Tode handelte. »Ums Leben kommen« bezeichnet doch im dt. Sprachgebrauch den gewaltsamen Tod, dies wird hier aber nicht klar.

Und dann spricht die Autorin von einer »Schlüsselfigur« (S. 83) die durch ihre Kontakte zum Verlegerverband Papierzuteilung im Krieg ermöglicht. Hier teilt sie uns aber nicht mit, um wen es sich handelt und wirft damit die Frage auf, ob hier bewußt ein Name verschwiegen wird.

Zeittafel und Register fehlen, wären aber vonnöten. Dafür ist das Buch wunderbar gedruckt, gebunden und ausgestattet. Ästhetisch, schlicht und geschmackvoll. Man muß auch loben, daß die Autorin unter 200 S. bleibt und ihr Thema prägnant abhandelt.

Gut unterhalten und angeregt habe ich dies Buch in einem Zug gelesen und hoffe, die Autorin wird noch weitere Monographien dieser Art veröffentlichen.

Ich mußte aber fragen: What''s the point? Worum ging es ihr überhaupt? Warum hat sie das Buch geschrieben? Es wird rein dokumentiert oder erzählt, ohne daß eine These dieser interessanten Monographie eine plausible Stichrichtung verliehe.

Dennoch ist dieser Band zweifellos ein Ereignis und wird hoffentlich bald auch ins Italienische übersetzt, denn im dt. Sprachraum dürfte es nur Spezialisten interessieren, während es für Italiener einen wichtigen Teil ihrer Kulturgeschichte darstellt. Es wird in Italien zehn Mal mehr Leser finden als in Deutschland. Denn in Deutschland ist es ein Minderheitenprogramm, hier in Italien jedoch ein nationales Thema.
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