Siegfried Lenz beherrscht es, mit subtilem Witz und zarter Ironie Charaktere zu schildern. Es sind unterhaltsame Stories aus jenem Bollerup nicht ohne geistreiche Tiefe. Oft ist es weniger die Geschichte als vielmehr die Erzählsweise, die die Geschichten zu einem Erlebnis macht. Man muß sich sicher zuerst damit anfreunden, eine Spürnase entwickeln. Aber dann wird es einem zum Gewinn. Der Rezensent ist übrigens geneigt, sich durch Bollerup an das im Kreis Schleswig-Flensburg, nördlich von Kiel und südlich von Apenrade/DK an der Ostseeküste gelegene Dorf Dollerup samt seiner maßvoll überzeugenden Busverbindungen, 3x täglich und so von Lenz moniert, erinnert zu fühlen. Dort heißen zwar nicht alle Leute Feddersen, sondern nur ein paar. Aber Lenz dürfte ähnliches vor Augen gehabt haben. Ein Grund mehr, dieses Buch nicht nur lesen, sondern auch besitzen zu wollen, ist jener leicht patriotische Zug, daß ein ins studentische Exil verbannter Angeliter Heimatgefühle bei der Lektüre empfindet.