Harold ist bleich wie ein Laken und halb blind: ein Albino. Ein eingeschüchterter und verbitterter Junge - die anderen Kinder nennen ihn „Made" und „Geist", den Tod seines Vaters und das Verschwinden seines Bruders hat er nie überwunden. Bis eines Tages ein Wanderzirkus durch das verschlafene Nest mitten in der Prärie kommt: Hier lernt Harold andere Freaks kennen und erlebt zum ersten Mal in seinem Leben Freundschaft. Doch im Zirkus ist nichts so, wie es scheint...
Fein erzählte Geschichte um die Masken, die wir alle tragen, und die Frage, welche Verrücktheit eigentlich die schlimmere ist - äußerliche oder innerliche. Nebenbei macht Harold auch einen Entwicklungssprung und reift zum jungen Mann. Die Erzählung weist oft bittersüße Momente auf und gefällt mit der Darstellung ungewöhnlicher Figuren, deren „wahrer" Charakter erst nach mehrmaligem Hinschauen offenbar wird. Lawrence versteht es wunderbar, wirklich starke Bilder zu erzeugen. Das Ende fand ich allerdings ernüchternd: „Es kommt ungeheures Leid", hatte die Zigeunerin prophezeit, und so geschieht es dann auch. Musste es so ungeheuer sein, um die Vergänglichkeit aller Illusion zu unterstreichen? Musste es gerade ein Moment der idealen Gemeinsamkeit sein, der zerstört wird? Offenbar; von mir gibts dafür jedenfalls einen Stern Abzug. Ein oft schönes und letztlich schonungsloses Buch für Lesende nicht unter 12.