Regelkreisläufe des Körpers zu erklären, ist meist durchzogen von komplizierten chemischen Bezeichnungen, bei denen man nach 3 Sätzen und 5 Begriffen den Überblick verliert. Dieses Buch enthält ebenfalls sehr viele dieser Definitionen und Worte, aber tatsächlich wird der Wald gelichtet und man beginnt zu begreifen.
Glutamat verstärkt den Eigengeschmack von Lebensmitteln und wird von uns deshalb so sehr geliebt. Es täuscht die Zunge, die Soße schmeckt so, als seien Unmengen Fleisch drin, tatsächlich aber enthält sie nur wenige Bröckchen. Hersteller können so Produkte billiger anbieten und wir diese günstiger erwerben.
Gerichte ohne Glutamat werden also für Industrie und Konsumenten teurer und schmecken leider nicht besser. Wenn man es weglässt, schmeckt das Essen zunächst mal fad und trocken. Aber man kann hier mit gesunden, frischen Gewürzen, Obst und Gemüse gut gegensteuern.
Langfristig und im Übermaß genossen (Glutamat ist als natürliche Substanz auch in vielen Lebensmitteln enthalten, z.B. in Tomaten) bringt Glutamat unsere Appetit- und Hungerregulation durcheinander, wir wollen immer mehr und immer öfters von diesem gefährlichen Stoff. Also, wie so oft, die Menge macht es! Wenn Sie sich wundern, warum Sie nach einem üppigen Essen immer noch Hunger haben, dann könnte sehr wahrscheinlich (auch) an der Gewöhnung an Glutamat liegen.
Wir haben nach diesem Buch - vgl. auch
Die Ernährungsfalle: Wie die Lebensmittelindustrie unser Essen manipuliert - Das Lexikon und wikipedia - die Zufuhr von Glutamat aufs Notwendigste reduziert und lassen Fertiggerichte, Fertigsoßen und Fast Food einfach weitgehend außen vor. Frische Marktprodukte, angereichert mit natürlichen Gewürzen und eigenen Ideen können den intensiven Glutamat-Geschmack ausgleichen. Es ist wie eine Rückkehr zu einem gesunden Appetit-Hunger-Gefühl.
Wenn man den Autoren glauben kann - und vieles spricht klar dafür - dann sind Diäten im Grunde kontraproduktiv, weil man in den ewigen Kreislauf des Jo-Jo-Effektes kommt. Man muss tiefer ansetzen und unnötig zugeführte inudstrielle Inhaltsstoffe einfach weglassen.
Ein wichtiges Körperhormon (Serotonin) bleibt in diesem Buch leider unerwähnt. Man weiß von Serotonin, dass es eine entscheidende Wirkung auf unser Hunger- bzw. Sättigungsgefühl hat. Die Forschungen der Pharmaindustrie in diesem Hinblick laufen auf Hochtouren und man kann gespannt sein, wann hier ein Durchbruch erzielt wird. Es würde allerdings eine gewachsene Diätindustrie erheblich schädigen, so dass ich in diesem Hinblick wenig Hoffnung habe. Auf der anderen Seite sollte nicht eine Tablette, sondern das eigene Verhalten zur Umkehr bringen: Frisches Gemüse und Obst vom Markt, vom regionalen Anbieter, unverarbeitete Lebensmittel, kein Junk Food - im Grunde wissen wir alle Geheimnisse und jetzt auch, dass wir den Entzug von der Droge Glutamat schnellstens einleiten sollten.