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Der Gefangene
 
 
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Der Gefangene [Audiobook] [Audio CD]

John Grisham , Charles Brauer
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (103 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Halt! Bevor Sie Ihren neuen Grisham bestellen, haben wir eine wichtige Nachricht für Sie: Das ist kein Grisham, wie Sie ihn kennen! Denn Der Gefangene ist das erste Sachbuch des Bestsellerautors. Doch das ist natürlich kein Grund, dieses Buch nicht zu kaufen -- ganz im Gegenteil!

Mehr als 20 Jahre liegt der bestialische Mord an einer jungen Frau zurück. Tatort ist eine Kleinstadt im beschaulichen Oklahoma, wo Recht und Ordnung noch etwas gelten. Im Zentrum der Ermittlungen findet sich ein junger Mann wieder, der einst die Hoffnung des örtlichen Baseballteams gewesen ist. Psychische Probleme und seine Alkoholsucht verhindern allerdings, dass Ron Williamson zum Stolz der Kleinstadt wird. In einer haarsträubenden Herleitung und durch unglaubliche Versäumnisse von Ermittlern, Staatsanwälten und Richtern wird Ron des Mordes "überführt". Zusammen mit einem alten Freund wird er zum Tode verurteilt und sitzt zuletzt in der "Death Row", der Todeszelle. Mit viel Glück gelingt eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Und der -- neu eingeführte -- DNA-Test beweist: Ron und sein "Komplize" sind unschuldig!

Mit Ron Williamson stellt Grisham einen Menschen in den Mittelpunkt, der wie er in einer Kleinstadt aufgewachsen ist und Baseballstar werden wollte. Das hatte Grisham fasziniert, als er zum ersten Mal von dem Fall hörte. Er, selbst Anwalt, hat sich einen Fall vorgenommen, der die Schwächen des amerikanischen Justizsystems zeigt. Schwächen, die tödliche Folgen haben können für unschuldig Verdächtigte ....

Der Gefangene berichtet von ohnmächtigen Einwohnern einer Kleinstadt, die mit einem brutalen Mord klarkommen müssen. Das Buch porträtiert sowohl die Angehörigen des Opfers, die die Schwere des Verbrechens fast erdrückt, als auch die der "Täter", die mit der vermeintlichen Schuld kaum leben können. Es stellt zynische Polizisten vor, die einen "Fahndungserfolg" erzwingen wollen. Es erzählt von Richtern, die Unschuldige zu "Tätern" machen.

John Grishams Buch beweist, dass die Wirklichkeit bisweilen schlimmer sein kann als die Fantasie. Der Gefangene ist ein beklemmendes Buch. Es ist spannend zu lesen und öffnet einem die Augen. Ob das Buch in Amerika selbst etwas bewegen kann, bleibt abzuwarten. Der Leitende Richter, der für die Verurteilung von Ron Williamson verantwortlich ist, ist jedenfalls noch im Amt. --Mathias Voigt, Literaturtest -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

Unschuldig verurteilt Diesen Albtraum erlebte Ex-Basketballspieler Ron Williamson, der wegen Mordes in der Todeszelle saß. Grisham widmet sich diesem erschütternden Fall, der Zeugnis über die Ungerechtigkeit eines modernen Rechtssystems ablegt. Brillant und mit großer Sympathie für seinen Helden erzählt er Williamsons Geschichte als packenden Thriller, der nicht mehr aus der Hand zu legen ist. Altmeister Charles Brauer leiht John Grishams mitreißender Story seine vielseitige, versierte Stimme. In der Tradition von Truman Capotes Kaltblütig .

Klappentext

"Kurzum: ergreifende Story mit einem Charles Brauer in Bestform."
Allgäu Live In

"... ein fesselnder Justizkrimi in bewährter Grisham-Manier, wie immer genial gelesen von Charles Brauer."
Radio Gong 96,3

"Brilliant und mit Sympathie erzählt er Williamsons Geschichte als packenden Thriller."
KielerLeben

Über den Autor

John Grisham wurde am 8. Februar 1955 in Jonesboro, Arkansas, geboren. Er studierte in Mississippi und ließ sich 1981 als Anwalt nieder. Der Aufsehen erregende Fall einer vergewaltigten Minderjährigen beeindruckte ihn nachhaltig und brachte ihn zum Schreiben. In Früh- und Nachtschichten wurde daraus sein erster Thriller, "Die Jury", der in einem kleinen, unabhängigen Verlag erschien - der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. 2007 erhielt John Grisham den "Lifetime Achievement Award".Charles Brauer, geboren 1935 in Berlin, wurde in den 50er Jahren von Gustaf Gründgens an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg geholt. In der Folge spielte er auf allen großen Deutschen Bühnen und drehte zahlreiche Filme. Eine seiner bekanntesten Fernsehrollen ist die des Kommissar Brockmöller, die er an der Seite von Manfred Krug in über 30 Tatort-Folgen spielte.

Auszug aus Der Gefangene von John Grisham. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

In sanften Wellen erstrecken sich die Hügel des südöstlichen Oklahoma von Norman bis nach Arkansas. Wenig erinnert hier an die Ausbeutung der riesigen Ölvorkommen, die einst unter der Erde lagen. Da und dort sind noch einige träge, alte Ölförderpumpen in Betrieb, doch der Vorbeikommende fragt sich, ob sich der Aufwand lohnt. Viele andere wurden irgendwann stillgelegt, und ihre reglosen, rostigen Skelette erinnern an die glorreichen Tage, als man hier bei Erstbohrungen Springquellen entdecken und im Handumdrehen ein Vermögen machen konnte.
Solche Ölförderpumpen finden sich auch gelegentlich noch in der Umgebung von Ada, einer Stadt mit sechzehntausend Einwohnern, einem College und dem Gericht der County. Aber diese Pumpen sind nicht mehr in Betrieb, die Ölvorkommen ausgebeutet. Heute werden die Einwohner nach Stunden bezahlt und sind in Fabriken, der Tierfutter oder Holzverarbeitung beschäftigt.
Ada ist eine geschäftige Stadt. An der Main Street finden sich keine unbewohnten Häuser mit zugenagelten Fenstern. Der Einzelhandel hat überlebt, obwohl viele Geschäfte an den Stadtrand umgezogen sind. Die Lokale im Zentrum sind um die Mittagszeit sehr gut besucht.
Das Gerichtsgebäude von Pontotoc County ist ein altes, schmales Haus, in dem sich die Anwälte und ihre Mandanten drängen. In der Nachbarschaft findet man die übliche Ansammlung von Kanzleien und kommunalen Einrichtungen.
Das Gefängnis, ein flacher, fensterloser, an einen Bunker erinnernder Bau, wurde aus irgendeinem vergessenen Grund auf dem Rasen vor dem Gericht errichtet. Die Schwemme synthetischer Drogen sorgt dafür, dass es immer gut belegt ist.
Die Main Street endet am Campus der East Central University, an der viertausend Studierende eingeschrieben sind, von denen viele zwischen Ada und ihrem Wohnort pendeln. Die jungen Menschen tragen zur Vitalität und Vielfalt des Lebens in Ada und im südöstlichen Oklahoma bei.
Den aufgeweckten Journalisten der Ada Evening News entgeht nur wenig - die Tageszeitung der Region gibt sich viel Mühe, im Konkurrenzkampf mit dem Oklahoman zu bestehen, der größten Zeitung des Bundesstaates. Auf der Titelseite finden sich internationale und nationale Nachrichten, gefolgt von Neuigkeiten aus dem Staat, der Region und wichtigen örtlichen Themen - Highschool-Sport, Lokalpolitik, Veranstaltungen, Nachrufe.
In der Bevölkerungsstruktur Adas und der Pontotoc County mischen sich auf sympathische Weise Einflüsse des kleinstädtischen Südens und des freiheitsliebenden Westens. Der Akzent mit den lang gezogenen Vokalen erinnert an den von Osttexas oder von Arkansas. Es ist das Land der Chikasaw. In Oklahoma gibt es mehr Nachfahren amerikanischer Ureinwohner als in jedem anderen Bundesstaat, und nach einhundert Jahren der Vermischung fließt auch in den Adern vieler Weißer indianisches Blut. Heutzutage ist das längst kein Makel mehr; tatsächlich ist man zunehmend stolz auf dieses Erbe.
Ada liegt mitten im »Bible Belt«. In der Stadt gibt es fünfzig Kirchen und ein Dutzend verschiedene christliche Glaubensgemeinschaften. Die Gotteshäuser sind gut besucht, nicht nur an Sonntagen. Es finden sich eine katholische Kirche und eine für die Episkopalen, aber weder ein Tempel noch eine Synagoge. Viele Einwohner sind Christen oder geben vor, es zu sein. Dass man zu einer Glaubensgemeinschaft gehört, wird mehr oder weniger erwartet. Oft ist die gesellschaftliche Stellung von der religiösen Zugehörigkeit abhängig.
Mit seinen sechzehntausend Einwohnern gilt Ada im ländlichen Oklahoma fast schon als Großstadt, und die Beschäftigten und Kunden vieler Fabriken und Discounter kommen aus mehreren Countys hierher. Ada liegt hundertzwanzig Kilometer südöstlich von Oklahoma City und drei Autostunden nördlich von Dallas. Alle kennen jemanden, der in Texas lebt oder arbeitet.
Der größte Stolz der Einwohner ist das Quarter-Horse-Business. Viele der besten Pferde stammen von Züchtern aus Ada. Und wenn die Ada High Cougars wieder einmal die Footballmeisterschaft des Bundesstaates gewinnen, ist das noch lange ein Grund zum Prahlen.
Es ist ein angenehmer Ort, in dem die Menschen miteinander reden, Fremden gegenüber aufgeschlossen und stets hilfsbereit sind. In den schattigen Vorgärten spielen Kinder. Tagsüber stehen die Haustüren offen. Die Teenager machen nachts kaum einmal Ärger.
Wären nicht die beiden berüchtigten Morde zu Beginn der Achtzigerjahre gewesen, hätte die Welt nie von Ada Notiz genommen. Was den Einwohnern der Pontotoc County ganz recht gewesen wäre.
Als hätte ein ungeschriebenes Gesetz der Stadtverwaltung existiert, befanden sich in Ada die meisten Kneipen und Bars am Stadtrand, damit ihre zweifelhafte Klientel, die nur Unglück bringen konnte, die rechtschaffenen Bürger nicht behelligte. Einer dieser Läden war das Coachlight. In dem schummrig beleuchteten, höhlenartigen Metallschuppen gab es billiges Bier, Jukeboxes, eine Tanzfläche und Liveacts am Wochenende. Auf dem großen, mit Kies bestreuten Parkplatz vor dem Eingang standen deutlich mehr staubige Pick-ups als gepflegte Pkw. Die Stammkundschaft entsprach den Erwartungen - Fabrikarbeiter, die nach Feierabend einen Drink kippten, Landjugendliche auf der Suche nach Spaß, Endzwanziger, die spät nachts kamen, Musikliebhaber und Tanzwütige, die sich von den Liveacts angezogen fühlten. Im Frühstadium ihrer Karriere hatten auch die Countrysänger Vince Gill und Randy Travis hier gespielt.
Das Coachlight war beliebt und gut besucht, und die Inhaber beschäftigten etliche Teilzeitkräfte - Barkeeper, Rausschmeißer und Kellnerinnen. Eine von ihnen war Debbie Carter, eine einundzwanzigjährige Frau aus der Stadt, die vor ein paar Jahren in Ada die Highschool abgeschlossen hatte und das Leben als Single genoss. Sie hatte zwei weitere Teilzeitjobs und arbeitete gelegentlich auch als Babysitterin. Debbie besaß ein Auto und lebte allein in einer Drei-Zimmer-Wohnung über einer Werkstatt in der Eighth Street nahe der East Central University. Sie war ein gut aussehendes, dunkelhaariges Mädchen, schlank und athletisch, bei den Jungs beliebt und sehr auf ihre Unabhängigkeit bedacht.
Ihre Mutter, Peggy Stillwell, war der Ansicht, Debbie verbringe zu viel Zeit im Coachlight und anderen Bars. Sie hatte ihre Tochter nicht nach den Vorschriften des Glaubens großgezogen, damit sie so ein Leben führte. Doch nach der Highschool war sie abends immer häufiger ausgegangen und spät nach Hause gekommen. Gelegentlich führte ihr neuer Lebensstil zu Streit. Debbie beschloss, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu führen, suchte eine Wohnung und zog aus, ohne jedoch das sehr enge Verhältnis zu ihrer Mutter aufzugeben.
Am Abend des 7. Dezember 1982 arbeitete Debbie im Coachlight. Während sie Drinks servierte, schaute sie immer wieder auf die Uhr. Es war nicht viel los, und sie fragte ihren Chef, ob sie ihre Schicht beenden und sich zu ein paar Freunden setzen könne. Er hatte nichts dagegen, und bald saß sie mit einem Drink bei einigen Bekannten am Tisch, unter ihnen Gina Vietta, eine Freundin von der Highschool. Ein Freund aus dieser Zeit war auch Glen Gore, der kurz darauf hereinschneite und Debbie zum Tanzen aufforderte. Sie willigte ein, hatte aber nach der Hälfte des Songs die Nase voll und ließ Gore wütend stehen. Später sagte sie auf der Damentoilette, sie würde sich sicherer fühlen, wenn eine ihrer Freundinnen bei ihr übernachte, aber über den Grund ihrer Besorgnis äußerte sie sich nicht.
Das Coachlight machte zeitig dicht, etwa um halb eins, und Gina Vietta lud einige aus der Gruppe auf einen Drink in ihre Wohnung ein. Die meisten stimmten zu, aber Debbie sagte, sie sei müde und hungrig und wolle nach Hause. Sie verließen das Lokal ohne besondere Eile.
Als das Coachlight schloss, sahen mehrere Leute, wie sich Debbie auf dem Parkplatz mit Glen Gore unterhielt. Tommy Glover kannte Debbie gut, weil beide bei einer örtlichen Glasfirma arbeiteten. Auch Gore kannte er. Als er in seinen Pick-up stieg, sah er, wie Debbie auf der Fahrerseite die Tür ihres Autos öffnete. Wie aus dem Nichts tauchte Gore auf. Sie redeten ein paar Sekunden miteinander, dann stieß Debbie ihn weg.
Mike und Terri Carpenter arbeiteten im Coachlight, er als Rausschmeißer, sie als Kellnerin. Auf dem Weg zu ihrem Wagen kamen sie an Debbies Auto vorbei. Sie saß hinter dem Steuer und sprach mit Glen Gore, der neben der Tür stand. Einen Monat zuvor hatte Debbie Mike erzählt, Gore mache ihr wegen seines Charakters Angst.
Toni Ramsey arbeitete als Schuhputzerin im Coachlight. Im Jahr 1982 boomte das Ölgeschäft in Oklahoma noch, und in Ada wurde jede Menge hübsches Schuhwerk spazieren geführt. Irgendjemand musste es auf Hochglanz polieren, und Toni verdiente auf diese Weise dringend benötigtes Geld. Sie kannte Gore gut. Als sie in dieser Nacht Feierabend machte, sah sie Debbie hinter dem Lenkrad ihres Autos sitzen. Gore kauerte vor der offenen Tür auf der Beifahrerseite. Sie unterhielten sich auf eine offenbar zivilisierte Weise. Alles schien in Ordnung zu sein.
Gore, der kein eigenes Auto besaß, hatte sich von einem Bekannten namens Ron West zum Coachlight mitnehmen lassen. Als sie gegen halb zwölf eingetroffen waren, hatte West Bier bestellt und sich mit seinem Glas an einen Tisch gesetzt, während Gore eine Runde durch den Laden machte. Er schien jeden zu kennen. Als die letzte Bestellung angekündigt wurde, zog West Gore am Ärmel und fragte ihn, ob er mit ihm mitfahren wolle. Gore bejahte, und West trat auf den Parkplatz hinaus, um auf ihn zu warten. Ein paar Minuten später kam Gore angestürmt und stieg ein.
Da beide Hunger hatten, fuhr West zu Waffler, einem Lokal im Zentrum, wo sie ein Frühstück bestellten. West bezahlte, wie schon im Coachlight. Er hatte den Abend im Harold's begonnen, wo er ein paar Geschäftsfreunde gesucht hatte, stattdessen aber über Gore gestolpert war, der dort gelegentlich als Barkeeper und Discjockey arbeitete. Die beiden kannten sich kaum, doch als Gore fragte, ob West ihn zum Coachlight bringen könne, wollte dieser nicht Nein sagen.
West war glücklich verheiratet und Vater zweier junger Töchter. Normalerweise trieb er sich nicht zu später Stunde in Bars herum. Er wollte eigentlich nach Hause, blieb aber in Gores Gesellschaft hängen, die ihn stündlich teurer kam. Als sie das Waffler verließen, fragte West Gore, wohin er wolle. Zum Haus seiner Mutter, antwortete Gore, sie wohne an der Oak Street, nur ein paar Straßen weiter nördlich. West kannte die Stadt gut und fuhr in diese Richtung, doch bevor sie die Oak Street erreichten, überlegte Gore es sich plötzlich anders. Nachdem er stundenlang mit West herumgefahren war, wollte er nun plötzlich laufen. Die Temperatur war eisig, es ging ein scharfer Wind. Eine Kaltfront näherte sich.
West hielt in der Nähe der Oak Avenue Baptist Church, nicht weit entfernt von der Straße, wo Gore zufolge dessen Mutter wohnte. Gore sprang aus dem Wagen, bedankte sich für alles und ging in westlicher Richtung davon.
Von der Oak Avenue Baptist Church waren es etwa eineinhalb Kilometer bis zu Debbie Carters Wohnung.
Gores Mutter wohnte auf der anderen Seite der Stadt, mitnichten in der Nähe der Kirche.
Gegen halb drei erhielt Gina Vietta, die noch einige Freunde zu Gast hatte, zwei Anrufe, beide von Debbie Carter. Beim ersten Telefonat bat Debbie Gina, sie mit dem Auto zu holen, weil in ihrer Wohnung ein Besucher sei, in dessen Gesellschaft sie sich unbehaglich fühle. Gina fragte, wer bei ihr sei. Das Gespräch wurde unterbrochen, unverständliche Stimmen und Geräusche ließen darauf schließen, dass um das Telefon gekämpft wurde. Gina war aufrichtig besorgt und fand die Bitte merkwürdig. Debbie hatte ein Auto - ein Oldsmobile Baujahr 1975 - und konnte an sich doch selbst fahren, wohin sie wollte. Als Gina ihre Wohnung gerade eilig verlassen wollte, klingelte das Telefon erneut. Es war Debbie, und sie sagte, sie habe ihre Meinung geändert. Bei ihr sei alles in Ordnung, Gina brauche sich keine Sorgen zu machen. Als diese erneut fragte, wer bei ihr sei, wechselte Debbie das Thema, ohne den Namen zu nennen. Sie bat Gina, sie am Morgen durch einen Telefonanruf zu wecken, damit sie nicht zu spät zur Arbeit komme. Eine seltsame Bitte, die Debbie noch nie geäußert hatte.
Sie fuhr dennoch los, überlegte es sich unterwegs aber anders. In ihrer Wohnung waren noch Gäste. Es war sehr spät. Debbie Carter konnte gut allein auf sich aufpassen, und wenn ein Mann bei ihr war, wollte sie nicht stören. Irgendwann ging sie ins Bett, und ein paar Stunden später hatte sie vergessen, dass sie bei Debbie anrufen sollte.
Am 8. Dezember hielt Donna Johnson um elf Uhr morgens vor Debbies Wohnung, um Hallo zu sagen. Bevor Donna nach Shawnee gezogen war - etwa eine Autostunde entfernt -, waren die beiden auf der Highschool eng befreundet gewesen. Donna war nach Ada gekommen, um ihre Eltern und ein paar Freunde zu besuchen. Als sie die schmale Außentreppe zu Debbies Wohnung über der Werkstatt hinauf lief, hielt sie inne, nachdem ihr bewusst geworden war, dass sie auf Scherben trat. Die Scheibe des kleinen Fensters in der Tür war zerbrochen. Aus irgendeinem Grund kam ihr zuerst der Gedanke, dass Debbie sich ausgesperrt hatte und gezwungen gewesen war, das Fenster einzuschlagen, um in die Wohnung und an die Schlüssel zu gelangen. Donna klopfte. Keine Reaktion. Dann hörte sie von drinnen Musik aus einem Radio. Sie drehte den Türknauf, es war nicht abgeschlossen. Sobald sie in der Wohnung stand, war ihr klar, dass etwas nicht stimmte.
Das kleine Wohnzimmer war ein einziges Chaos - auf den Boden gefallene Sofakissen, herumliegende Kleidungsstücke. Auf die Wand zu ihrer Rechten hatte jemand mit einer rötlichen Flüssigkeit geschrieben: »Als Nächstes stirbt Jim Smith.«
Donna rief Debbies Namen; keine Reaktion. Da sie schon einmal in der Wohnung gewesen war, wusste sie, wo das Schlafzimmer war. Sie ging dorthin, noch immer rufend. Das Bett war verrückt, Bezüge und Laken waren heruntergerissen worden. Plötzlich sah sie einen Fuß, dann Debbie - sie lag auf der anderen Seite des Betts auf dem Boden, mit dem Gesicht nach unten, nackt, blutverschmiert. Und auf ihrem Rücken stand etwas geschrieben.
Donna erstarrte, vor Entsetzen wie gelähmt. Fassungslos sah sie auf ihre Freundin hinunter und wartete darauf, dass sie zu atmen begann. Vielleicht, dachte sie, war alles nur ein Traum.
Sie wich zurück und trat in die Küche, wo der Mörder auf dem kleinen weißen Tisch eine weitere Nachricht hinterlassen hatte. Er könnte noch hier sein, dachte sie plötzlich. Sie stürmte aus der Wohnung, sprang in ihren Wagen, raste die Straße hinab und fand einen Eckladen mit einem Münztelefon, von dem aus sie Debbies Mutter anrief.
Peggy Stillwell hörte die Worte, wollte ihnen aber keinen Glauben schenken. Ihre Tochter sollte reglos auf dem Boden liegen, nackt und blutverschmiert? Sie forderte Donna auf, alles zu wiederholen, dann lief sie zu ihrem Auto. Die Batterie war leer. Halb betäubt vor Angst rannte sie ins Haus zurück und rief Charlie Carter an, ihren Exmann und Debbies Vater. Bei der Scheidung vor ein paar Jahren hatte man sich nicht eben freundschaftlich getrennt, und die beiden sprachen selten miteinander.
Bei Charlie Carter nahm niemand ab. Gegenüber von Debbies Wohnung, auf der anderen Straßenseite, lebte eine Freundin namens Carol Edwards. Peggy rief sie an und sagte, es sei etwas Schreckliches passiert, sie solle bitte sofort nach ihrer Tochter sehen. Peggy wartete und wartete. Schließlich rief sie erneut bei Charlie an, und diesmal meldete er sich.
Carol Edwards rannte über die Straße, bemerkte die Scherben und die offene Wohnungstür. Sie trat ein und sah die Leiche.
Charlie Carter war ein stämmiger Maurer, der gelegentlich auch als Rausschmeißer im Coachlight arbeitete. Er sprang in seinen Pick-up und fuhr mit Vollgas zur Wohnung seiner Tochter. Unterwegs bedrängte ihn jeder schreckliche Gedanke, der einem Vater in einer solchen Situation nur kommen kann. Es war schlimmer als alles, was er sich hätte vorstellen können.
Als er sie sah, rief er zweimal ihren Namen, kniete sich dann neben sie und hob behutsam ihre Schulter, um das Gesicht sehen zu können. In ihrem Mund steckte ein blutgetränkter Waschlappen. Für ihn bestand kein Zweifel, dass seine Tochter tot war, und doch wartete er, in der Hoffnung, sie würde irgendein Lebenszeichen von sich geben. Als das nicht geschah, richtete er sich langsam auf und sah sich um. Das Bett war von der Wand weggeschoben, die Bettwäsche abgezogen worden. In dem Zimmer herrschte Chaos. Offensichtlich hatte es einen Kampf gegeben. Er ging ins Wohnzimmer und las den Satz an der Wand, dann trat er in die Küche und blickte sich um. Die Wohnung hatte sich in einen Tatort verwandelt. Charlie schob die Hände in die Hosentaschen und verließ den Raum.
Donna Johnson und Carol Edwards warteten weinend auf dem Treppenabsatz vor der Wohnungstür. Sie hörten, wie Charlie sich von seiner toten Tochter verabschiedete und sagte, wie schrecklich dies alles sei. Als er nach draußen trat, weinte auch er.
»Soll ich den Notarzt rufen?«, fragte Donna.
»Nein«, erwiderte er. »Für den ist es zu spät. Benachrichtigt die Polizei.«
Trotzdem kam zuerst ein Notarztwagen mit zwei Rettungssanitätern. Sie eilten die Stufen hinauf und stürmten in die Wohnung. Innerhalb von Sekunden stand einer von ihnen wieder auf dem Treppenabsatz und übergab sich.
Als Detective Dennis Smith eintraf, drängten sich draußen Streifenpolizisten, Sanitäter und Schaulustige. Selbst zwei Staatsanwälte waren da. Da Smith klar war, dass es sich möglicherweise um Mord handelte, ließ er die nähere Umgebung sichern und absperren.
Als Captain mit siebzehn Dienstjahren beim Ada Police Department wusste Smith, was zu tun war. Ab sofort durften nur noch er selbst und ein anderer Detective sich in der Wohnung aufhalten, und er beauftragte die anderen Polizisten, in der Nachbarschaft nach Zeugen zu suchen. Smith war aufgebracht und musste gegen seine Emotionen ankämpfen. Er hatte Debbie gut gekannt - seine Tochter und Debbies jüngste Schwester waren Freundinnen. Außerdem kannte er Charlie Carter und Peggy Stillwell. Er konnte einfach nicht glauben, dass deren Tochter tot auf dem Fußboden ihrer Wohnung lag. Als seine Befehle zur Sicherung des Tatorts umgesetzt waren, begann er mit der Untersuchung der Wohnung.
Die Scherben der zerbrochenen Fensterscheibe der Eingangstür lagen sowohl draußen auf dem Treppenabsatz als auch im Inneren der Wohnung. Im Wohnzimmer stand links ein Sofa, dessen Kissen im Raum herumlagen. Vor dem Sofa fand er ein neues Flanellnachthemd, an dem noch das Preisschild von Wal-Mart hing. Auf der gegenüberliegenden Wand stand der Satz »Als Nächstes stirbt Jim Smith«, und er sah sofort, dass die Wörter mit Nagellack geschrieben worden waren.
Er kannte Jim Smith.
Auf dem kleinen weißen Tisch in der Küche fand er die nächste Nachricht, diesmal offenbar mit Ketchup geschrieben: »Sucht nicht nach uns, sonst passiert was.« Auf dem Boden vor dem Tisch lagen Jeans und ein paar Stiefel. Bald sollte er erfahren, dass Debbie sie in der Nacht zuvor im Coachlight getragen hatte.
Er ging zum Schlafzimmer, wo das Bett teilweise die Tür blockierte. Die Vorhänge waren zurückgezogen, die Fenster standen offen, es war sehr kalt in dem Raum. Debbies Tod musste ein heftiger Kampf vorausgegangen sein. Auf dem Boden lagen Kleidungsstücke, Bettwäsche, Decken und Stofftiere. Nichts schien mehr an seinem Platz zu sein. Als Detective Smith neben Debbies Leiche niederkniete, fiel ihm die dritte Botschaft des Killers auf. Auf ihrem Rücken stand, anscheinend wieder mit inzwischen getrocknetem Ketchup geschrieben: »Duke Gram«.
Er kannte auch Duke Graham.
Unter der Leiche lagen ein Kabel und ein Gürtel im Cowboystil mit großer Silberschnalle, in deren Mitte der Name »Debbie« eingraviert war.
Während Officer Mike Kieswetter, ebenfalls vom Ada Police Department, den Tatort fotografierte, begann Smith mit der Sicherung von Beweisen. Er fand Haare - auf der Leiche, dem Boden, dem Bett, den Stofftieren -, sammelte sorgfältig jedes einzelne auf, legte es in ein gefaltetes Stück Papier und notierte die genauen Fundstellen.
Danach wandte er sich den Bettlaken, Kopfkissenbezügen und Decken zu, hob schließlich das Kabel und den Gürtel auf. Bevor er die Sachen vorsichtig verstaute, notierte er erneut die Einzelheiten. Auf dem Boden des Badezimmers fand er einen zerrissenen Slip. Er beschloss, einige der Stofftiere mitzunehmen, außerdem ein Päckchen Marlboro nebst Zigarettenstummeln, eine leere 7-Up-Dose, eine Shampooflasche aus Kunststoff, ein Glas aus der Küche, das Telefon und einige weitere Haare, die er unter der Leiche fand. Außerdem entdeckte er neben der Toten, eingewickelt in ein Laken, eine Del-Monte-Ketchupflasche, die ebenfalls behutsam gesichert wurde, weil sie mit den anderen Fundstücken im kriminaltechnischen Labor des Bundesstaates untersucht werden sollte. Von dem Deckel der Flasche war nichts zu sehen; der forensische Pathologe würde ihn später finden.
Als Detective Smith mit dem Sammeln der Beweise fertig war, begann er mit der Sicherung von Fingerabdrücken, eine Prozedur, die er schon an vielen Tatorten durchgeführt hatte. Er stäubte beide Seiten der Wohnungstür ein, die Fensterrahmen, alle hölzernen Flächen im Schlafzimmer, den Küchentisch, die größeren Glasscherben, das Telefon, die gestrichenen Stellen neben Türen und Fenstern und sogar Debbies draußen geparktes Auto.
Gary Rogers war ein in Ada lebender Beamter der Polizeibehörde Oklahoma State Bureau of Investigation, kurz OSBI. Als er gegen halb eins eintraf, informierte ihn Dennis Smith über die Lage. Die beiden waren Freunde und hatten schon bei der Aufklärung vieler Verbrechen zusammengearbeitet.
Im Schlafzimmer fiel Rogers etwas auf, das wie ein größerer Blutfleck aussah - er befand sich unten an der Wand, direkt über der Fußleiste, dicht neben einer Steckdose. Später, nachdem die Leiche aus dem Zimmer gebracht worden war, bat er Officer Rick Carson, ein kachelgroßes Stück aus der Rigipsplatte herauszutrennen, um den blutigen Abdruck, der offenbar von einer Hand stammte, zu sichern.
In einer ersten Einschätzung des Falls waren sich Dennis Smith und Gary Rogers darin einig, dass es mehr als einen Täter geben musste. Das Chaos am Tatort, die Tatsache, dass Debbies Fußknöchel und Handgelenke keine Hinweise darauf verrieten, dass sie gefesselt worden war, die schwere Kopfverletzung, der in ihren Mund gestopfte Waschlappen, die blauen Flecken an ihren Seiten und auf ihren Armen, die mutmaßliche Strangulation mit dem Kabel und dem Gürtel - all das war ein bisschen viel Gewalt für einen einzelnen Täter. Außerdem war Debbie mit einer Körpergröße von einem Meter fünfundsiebzig und einem Gewicht von knapp sechzig Kilogramm keine wehrlose Person gewesen. Sie hatte mit Sicherheit entschlossen um ihr Leben gekämpft.
Schließlich traf Dr. Larry Cartmell ein, der ärztliche Leichenbeschauer aus Ada, um sich die Tote kurz anzusehen. Nach seinem ersten Eindruck war die Todesursache Ersticken durch Strangulation. Er gab die Leiche frei und vertraute sie Tom Criswell an, dem Inhaber des örtlichen Bestattungsinstituts. Debbies sterbliche Überreste wurden zwecks Obduktion in einem von Criswells Leichenwagen nach Oklahoma City gebracht, wo sie gegen halb sieben abends eintrafen und in ein Kühlfach gelegt wurden.
Smith und Rogers kehrten zum Ada Police Department zurück, um sich um Debbie Carters Angehörige zu kümmern. Während sie diese trösteten, erfuhren sie Namen - Freunde, Männer, mit denen Debbie liiert gewesen war, Mitarbeiter, Feinde, ehemalige Chefs. Namen von etlichen Leuten, die Debbie gekannt hatten und eventuell etwas über ihren Tod wussten. Die Liste wurde länger, und schließlich begannen Smith und Rogers, die männlichen Bekannten anzurufen und zu bitten, sich im Police Department zu melden. Sie sollten sich Fingerabdrücke abnehmen lassen, darüber hinaus Kopf- und Schamhaare sowie eine Speichelprobe.
Niemand verweigerte sich der Bitte. Mike Carpenter, jener Rausschmeißer des Coachlight, der Debbie in der vergangenen Nacht gegen halb eins mit Glen Gore auf dem Parkplatz gesehen hatte, fand sich als einer der Ersten ein. Tommy Glover, der Debbie und Gore ebenfalls zusammen gesehen hatte, folgte kurz darauf.
Am Abend des 8. Dezember, etwa um halb acht, tauchte Glen Gore im Harold's auf, wo er Platten auf legen und sich um die Bar kümmern sollte. Es war praktisch niemand da, und als er sich nach dem Grund für das Ausbleiben der Gäste erkundigte, erzählte ihm jemand von dem Mord. Viele Gäste und selbst einige Angestellte hatten sich zum Police Department aufgemacht, um Fragen zu beantworten und sich Fingerabdrücke abnehmen zu lassen.
Kurz darauf fand sich auch Gore dort ein. Er wurde von Rogers und D. W. Barrett befragt, einem Polizisten aus Ada. Er sagte aus, er kenne Debbie Carter seit der Highschool und habe sie in der letzten Nacht im Coachlight gesehen.
Der komplette Polizeibericht über Gores Vernehmung lautet folgendermaßen:
Glen Gore arbeitet als Discjockey im Harold's Club. Dort erfuhr er am 8.12.1982 etwa um 19:30 Uhr durch Susie Johnson von Debbie Carters Tod. Glen hat gemeinsam mit ihr die Schule besucht. Er hat sie am Montag, dem 6.12., im Harold's Club und am 7.12. im Coachlight getroffen. Sie haben sich über eine neue Lackierung für Debbies Auto unterhalten. Sie hat Glen nicht erzählt, ob sie mit irgendjemandem Probleme hatte. Glen traf gegen 22:30 Uhr mit Ron West im Coachlight ein. Die beiden verließen das Lokal gemeinsam um Viertel nach eins. Glen war nie in Debbies Wohnung.
Der Bericht wurde von D. W. Barrett verfasst, im Beisein von Gary Rogers, und anschließend mit Dutzenden anderer zu den Akten genommen. Später sollte Gore seine Aussage ändern und behaupten, er habe gesehen, wie ein Mann namens Ron Williamson Debbie Carter in der Nacht des 7. Dezember im Coachlight belästigt habe. Diese geänderte Version wurde von niemandem bestätigt. Viele der Anwesenden kannten Ron Williamson, einen einigermaßen berüchtigten Zecher mit lautem Mundwerk. Niemand erinnerte sich, ihn in der fraglichen Nacht im Coachlight gesehen zu haben. Tatsächlich behaupteten die meisten Befragten nachdrücklich, er sei nicht dort gewesen.
Wenn Ron Williamson eine Bar besuchte, entging das niemandem.
Seltsam war allerdings, dass Gore der Polizei bei der hektischen Abnahme von Fingerabdrücken und Proben am 8. Dezember irgendwie durch die Lappen gegangen war. Entweder hatte er sich heimlich verdrückt, oder er war versehentlich übergangen worden. Wie auch immer, von ihm gab es weder Fingerabdrücke noch Haar- und Speichelproben.
Über dreieinhalb Jahre sollten vergehen, bis die Polizei das Versäumte nachholte bei dem Mann, der Debbie Carter vor dem Mord als Letzter gesehen hatte.
Am Nachmittag des 9. Dezember um fünfzehn Uhr begann Dr. Fred Jordan, ärztlicher Leichenbeschauer in Diensten des Bundesstaats und forensischer Pathologe, mit der Obduktion von Debbie Carters Leiche. Anwesend waren Gary Rogers und Jerry Peters, ebenfalls vom OSBI.
Dr. Jordan, der schon Tausende von Autopsien vorgenommen hatte, stellte zunächst fest, dass es sich um die Leiche einer jungen weißen Frau handelte, die nichts als weiße Socken am Leib trug. Die Totenstarre war vollständig eingetreten, was bedeutete, dass sie mindestens vierundzwanzig Stunden tot sein musste. Auf ihre Brust hatte jemand offenbar mit Nagellack das Wort »Stirb!« geschrieben. Ihr Körper war mit einer anderen roten Flüssigkeit verschmiert, vermutlich Ketchup, und auf ihrem Rücken stand, ebenfalls mit Ketchup geschrieben, »Duke Gram«.
Es gab mehrere Prellungen und blaue Flecken auf den Armen, der Brust, im Gesicht. Dr. Jordan entdeckte winzige Schnittverletzungen an der Innenseite der Lippen, und der zwischen ihnen hervorschauende, blutgetränkte grüne Waschlappen, den er behutsam entfernte, war tief in die Mundhöhle gepresst worden, bis in den Rachen. Am Hals fanden sich, halbkreisförmig angeordnet, Abschürfungen und Druckstellen. Die Vagina wies Prellungen auf, der Mastdarm wirkte etwas aufgetrieben. Als Dr. Jordan der Sache auf den Grund ging, fand er im Anus den kleinen Schraubverschluss einer Ketchupflasche.
Die Suche nach inneren Verletzungen ergab nichts Unerwartetes - Lungenversagen und Herzerweiterung. Obwohl auch die Kopfhaut einige Prellungen aufwies, fanden sich keine Spuren einer Gehirnverletzung.
Alle Verletzungen waren Debbie Carter zugefügt worden, als sie noch gelebt hatte.
An Handgelenken und Fußknöcheln fanden sich keine Anzeichen dafür, dass sie gefesselt worden war. Eine Reihe kleiner Prellungen an den Unterarmen ging vermutlich darauf zurück, dass sie sich verteidigt hatte. Zum Zeitpunkt ihres Todes hatte sie mit 0,04 Promille nur sehr wenig Alkohol im Blut gehabt. Dr. Jordan nahm aus der Mundhöhle, der Vagina und dem Anus Abstriche. Deren Analyse unter dem Mikroskop ergab später, dass sich in der Vagina und im Anus Spermaspuren fanden, nicht aber im Mund.
Um Beweise zu sichern, schnitt Dr. Jordan ihr die Fingernägel und kratzte Proben des Ketchups und des Nagellacks ab. Dann kämmte er ein paar lose Schamhaare aus und schnitt eine Strähne von ihrem Kopfhaar ab.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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