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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 16.05.2003
Ein früher Javier Marias, der Hans-Peter Kunisch sehr bewegt hat; "hier ist", schreibt er, "schon alles da, was Marias bekannt gemacht hat, und es ist gut, dass man es wieder lesen kann" - nicht mehr, vor allem aber nicht weniger als das. Man dürfe bei Marias nicht nach originellem Stoff suchen; er sei eher die "Sorte mittelalterlicher Mönch, dem beim Abschreiben der Handschriften fad wird und der sie nach anfänglichen, an den Rand gekritzelten Kommentaren zu verändern beginnt". Hier ist es laut Kunisch die Dreiecksgeschichte von zwei Männern und einer Frau, die variiert werde: ein belgischer Geschäftsmann, seine spanische Frau Natalia und der Ich-Erzähler, ein erfolgreicher Tenor. Der Belgier, zu Beginn noch ein unwahrscheinlicher Kandidat für die Rolle des Titelhelden, stellt sich als der "Gefühlsmensch" heraus, doch Natalia verlässt ihn - und am Ende auch den Tenor, zu dem sie übergewechselt war. Es gehe, schreibt Kunisch, nicht um die gelebten Beziehungen, nicht um eine "Ehezustandsbeschreibung", sondern um den "Moment des Übergangs" von einer Geschichte zur anderen. Und um die Erinnerung, aus der in den Sekunden nach einem morgendlichen, traumschweren Erwachen im Kopf des Erzählers ein ganzer Roman wird. Der jetzt wieder auf Deutsch lieferbar ist.
© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 15.05.2003
Martin Krumbholz stellt fest, dass der Autor mit seinem Roman, der bereits 1986 entstanden ist, aus dem tragischen "Otello" von Shakespeare und Verdi eine "Burleske" gemacht hat. Die Geschichte um einen Bankier, seine gelangweilte Frau und einen Opernsänger, der mit ihr eine Affäre beginnt, ist allerdings "trivialer" als die Vorlage, räumt der Rezensent ein, wobei er lobt, dass Marias aber "durchaus spannend" erzählen kann. An diesem Roman sieht er bereits das angelegt, was er bei späteren Büchern des spanischen Autors zur "Perfektion (und zur Manier)" getrieben findet, nämlich das Hauptgewicht nicht auf die Handlung, sondern auf ihre "dramatische Inszenierung" zu legen. Letztlich handelt es sich bei aller dramatischer Entwicklung um "triviale Inhalte", die aber sehr "virtuos" gehandhabt werden, so Krumbholz insgesamt angetan.
© Perlentaucher Medien GmbH
Ein früher Javier Marias, der Hans-Peter Kunisch sehr bewegt hat; "hier ist", schreibt er, "schon alles da, was Marias bekannt gemacht hat, und es ist gut, dass man es wieder lesen kann" - nicht mehr, vor allem aber nicht weniger als das. Man dürfe bei Marias nicht nach originellem Stoff suchen; er sei eher die "Sorte mittelalterlicher Mönch, dem beim Abschreiben der Handschriften fad wird und der sie nach anfänglichen, an den Rand gekritzelten Kommentaren zu verändern beginnt". Hier ist es laut Kunisch die Dreiecksgeschichte von zwei Männern und einer Frau, die variiert werde: ein belgischer Geschäftsmann, seine spanische Frau Natalia und der Ich-Erzähler, ein erfolgreicher Tenor. Der Belgier, zu Beginn noch ein unwahrscheinlicher Kandidat für die Rolle des Titelhelden, stellt sich als der "Gefühlsmensch" heraus, doch Natalia verlässt ihn - und am Ende auch den Tenor, zu dem sie übergewechselt war. Es gehe, schreibt Kunisch, nicht um die gelebten Beziehungen, nicht um eine "Ehezustandsbeschreibung", sondern um den "Moment des Übergangs" von einer Geschichte zur anderen. Und um die Erinnerung, aus der in den Sekunden nach einem morgendlichen, traumschweren Erwachen im Kopf des Erzählers ein ganzer Roman wird. Der jetzt wieder auf Deutsch lieferbar ist.
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Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 15.05.2003
Martin Krumbholz stellt fest, dass der Autor mit seinem Roman, der bereits 1986 entstanden ist, aus dem tragischen "Otello" von Shakespeare und Verdi eine "Burleske" gemacht hat. Die Geschichte um einen Bankier, seine gelangweilte Frau und einen Opernsänger, der mit ihr eine Affäre beginnt, ist allerdings "trivialer" als die Vorlage, räumt der Rezensent ein, wobei er lobt, dass Marias aber "durchaus spannend" erzählen kann. An diesem Roman sieht er bereits das angelegt, was er bei späteren Büchern des spanischen Autors zur "Perfektion (und zur Manier)" getrieben findet, nämlich das Hauptgewicht nicht auf die Handlung, sondern auf ihre "dramatische Inszenierung" zu legen. Letztlich handelt es sich bei aller dramatischer Entwicklung um "triviale Inhalte", die aber sehr "virtuos" gehandhabt werden, so Krumbholz insgesamt angetan.
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Pressestimmen
"Ehemann. Ehefrau. Liebhaber. In dieser Dreier-Konstellation, so abgenutzt und verbraucht sie auch erscheinen vermag - in dieser Dreier-Konstellation, das können wir von diesem Autor lernen, steckt immer noch die ganze Welt, der ganze Intensitätskosmos möglicher Beziehungen und Gefühle samt der kritischen Reflexion darüber. Es ist die alte Geschichte, die Javier Marías abwandelt, und doch liest sie sich bei ihm wie neu, ganz unerhört." (Sigrid Löffler anläßlich der Verleihung des Nelly-Sachs-Preises an Javier Marías)
Kurzbeschreibung
»Eine Liebesgeschichte, in der die Liebe weder sichtbar ist noch lebt, sondern angekündigt und erinnert wird.« Javier Marías Ein berühmter Opernsänger, der »Löwe von Neapel«, studiert in Madrid den »Otello« von Verdi ein. Und dabei erinnert er sich an eine Geschichte, die vor vier Jahren passiert ist. Ihre Protagonisten sind die geheimnisvolle, schwermütige Natalia Manur; ihr Ehemann, der Banker Manur; der durch nichts zu erschütternde, beflissene Dato, ein Begleiter von Berufswegen. In ihrem Dunstkreis bewegen sich einige weitere Personen: eine hastige Hure, eine abgetakelte Opernsängerin, ein skrupulöser Witwer, eine alte Liebe. Es ist die Geschichte einer Leidenschaft, die bis zum Äußersten getrieben wird; die Geschichte eines Gefühlsmenschen, der ein Künstler oder ein Philosoph zu sein scheint, im Gegenteil jedoch ein Mann der Tat ist. In diesem Roman einer flammenden Liebeserklärung spart der Erzähler nicht mit Ironie und sanftem Spott über seine Helden, die er aber dennoch ernst nimmt, während der Erzählrhythmus sich bis zum unerwarteten Schluß mehr und mehr steigert.
Über den Autor
Javier Marías 1951 in Madrid geboren, dessen Bücher in 32 Sprachen übersetzt sind, ist mit mehr als viereinhalb Millionen verkauften Exemplaren einer der weltweit ganz großen Bestsellerautoren. Er hat neun Romane veröffentlicht, zwei Erzählbände und mehrere Sammelbände mit Essays und Zeitungsartikeln. Sein Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet.