Ich habe den ersten Roman von Jürgen Domian mit Genuss gelesen und mich nun sehr auf sein zweites Buch gefreut. Zu Anfang hat es mich auch wirklich gefesselt, aber mit der Zeit konnte ich den Gedankengängen und Handlungen des Protagonisten immer weniger abgewinnen. Schließlich fand ich das Buch nicht nur gähnend langweilig, sondern auch eindimensional, flach und naiv. Denn einfach alle Personen, mit denen der Akteur des Romans in Kontakt kommt, scheinen nach außen eine nette Maske zu tragen und innerlich boshaft und verlogen zu sein. Und obwohl Arne in dem Buch als tiefgründig und sinnsuchend beschrieben wird, ist er nicht in der Lage, die Gedanken seiner Mitmenschen zu relativieren (denkt nicht jeder von uns einmal: "Ich könnte dich umbringen", und meint das selbstverständlich nicht so?). Außerdem fehlt ihm jede Form der Selbstreflektion, sonst würde er feststellen, dass er sich in keiner Weise von seinen Mitmenschen unterscheidet. Auch die sogenannte Sinnsuche in der Einsamkeit ist für mich eher eine Flucht, zumal sein immerhin ca. einjähriger Aufenthalt im unwirtlichen und teilweise bitterkalten Finnland wie ein Campingaufenthalt im Bayrischen Wald daherkommt. Ich glaube nicht, dass Herr Domian jemals eine Grenzerfahrung dieser Art gemacht hat, noch dass er sich auch nur ansatzweise in die alltäglichen psychischen, physischen und strategischen Überlebensprobleme einer solchen Situation hineindenken kann. Umso schöner wäre eine entsprechende Recherche und Beschäftigung mit diesem Thema gewesen - dann wäre seine Geschichte auch nachvollziehbarer. Am Ende zeigt sich dann ja auch, dass im Grunde alles egal ist, weil sich alle Probleme ja von ganz alleine lösen. Ganz nach dem Motto: Nur die Liebe zählt. Mir war das zu platt, und es hat sich mir nichts erschlossen, außer der Bestätigung, dass Tiefgang eben auch relativ ist. Fazit: Nicht empfehlenswert.